VR-Bank: Die Fusion ist auf der Zielgeraden

Die Fusion zur VR Bank Lahn-Dill ist juristisch und technisch vollzogen: Welche Arbeit im Einzelnen damit verbunden ist, hat Wolfgang Brühl erläutert.  Archivfoto: Bünger

Drei Volksbanken der Region sind in den vergangenen Monaten zur VR Bank Lahn-Dill verschmolzen. Der letzte Schritt ist Ende Oktober erfolgt: die technische Fusion. Bis es so...

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Biedenkopf. Drei Volksbanken der Region sind in den vergangenen Monaten zur VR Bank Lahn-Dill verschmolzen. Der letzte Schritt ist Ende Oktober erfolgt: die technische Fusion. Bis es so weit war, war viel Arbeit im Hintergrund nötig.

Die Fusion gliederte sich laut Wolfgang Brühl, ehemals Vorstandssprecher der VR Bank Biedenkopf-Gladenbach, in drei Blöcke. Zunächst einmal war da die juristische Seite. "Wir mussten erst einmal Mehrheiten für die Fusion bekommen", erklärte Brühl am Montagnachmittag im Gespräch mit dem Hinterländer Anzeiger.

Im November vergangenen Jahres und im April dieses Jahres fanden zu diesem Zweck Infoveranstaltungen für die Vertreter der Volksbank Dill, der Volksbank Herborn-Eschenburg und der VR Bank Biedenkopf-Gladenbach statt. Zudem brauchte es Verträge, Gutachten und Berichte für die Verschmelzung, Satzungen und Wahlordnungen mussten angepasst werden. Das entscheidende Votum fand vom 22. bis 24. Mai 2018 in den Vertreterversammlungen aller beteiligten Banken statt. Erst nach der Zustimmung dieser Gremien konnte die Fusion beim Amtsgericht ins Genossenschaftsregister, das dem Register für Vereine vergleichbar ist, eingetragen werden.

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Brühl: "Wir haben alle Stellen für die sechs Bereichsleiter und 24 Teamleiter neu ausgeschrieben"

"Mit dieser Eintragung existierte die neue Bank", erklärte Brühl. Die Tage Ende Mai waren sehr bewusst für die Abstimmung gewählt worden. Die zugrunde liegende Bilanz, in diesem Fall die von 2017, dürfe nämlich nicht älter als sechs Monate sein, sagte Brühl. Die Abstimmung musste also im ersten Halbjahr erfolgen.

Den Mai wählten die Banken, um gegen eventuelle Formfehler gewappnet zu sein. Schlimmstenfalls hätte man sonst nämlich Ende Juni nochmals abstimmen können, ohne aus dem Zeitfenster zu fallen. Damit aber das gerade nicht passierte, achtete ein Notar sehr genau darauf, wer im Saal war und wer nicht. Nicht zuletzt deshalb standen selbst auf der Toilette noch Lautsprecher. "Die zählen nämlich mit zum Versammlungsraum", wusste Brühl zu berichten.

Neben der juristischen hat die Fusion auch eine organisatorische Seite. Ein sogenannter Geschäftsverteilungsplan ordnet neu, wer im demnächst sechsköpfigen Vorstand für welchen der künftig sechs Bereiche zuständig sein wird. Neben Unternehmenssteuerung, Personal und Marketing geht es um Organisation/IT, Firmenkunden und Privatkunden. "Wir haben alle Stellen für die sechs Bereichsleiter und 24 Teamleiter neu ausgeschrieben", berichtete Brühl. Alle habe man intern besetzen können, was für ihn für die hohe Qualität im eigenen Haus spricht.

Neu zu ordnen war aber auch der Aufsichtsrat, dem 22 Mitglieder angehören. "Sie können nicht mit 22 Personen alles besprechen", ist Brühl überzeugt. Deshalb habe man drei Ausschüsse gebildet, die sich mit Risiko-, Prüfungs- und Personalfragen befassen. Ein weiteres Arbeitsfeld waren und sind die Vertreterversammlungen. Während im Bereich der Volksbank Dill auf einen Vertreter 100 Mitglieder kamen, waren es im Bereich der anderen Banken 50. Für die neue Bank gilt künftig der Dillenburger Schlüssel, was im ersten Halbjahr 2019 die Neuwahl aller Vertreter und am 21. Mai 2019 ein konstituierendes Treffen in Biedenkopf nötig macht.

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Ein weiteres Gebiet: die Arbeitsprozesse im Haus, bankintern "Vorgänge" genannt. Jede Bank hatte andere Regelungen, wie sie mit Kreditanträgen umgeht, wie Urlaubsanträge einzureichen sind, welche Schritte Mitarbeiter im Wertpapiergeschäft zu gehen haben.

Mehrere Hunderte Vorgänge seien betroffen, erläuterte Brühl, müssten überarbeitet, vereinheitlicht und optimiert werden. Ziel sei, alle in einem einzigen System abzubilden. Manche Prozesse sind bereits geklärt, etwa die für die Bank entscheidenden Meldevorgänge. Aber: "Da ist noch manche Arbeit zu tun."

Die Fusion bringt für viele Mitarbeiter auch weitergehende Veränderungen mit sich. Eine Betriebsvereinbarung gewährt zwar für fünf Jahre eine Beschäftigungsgarantie, sodass es laut Brühl keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Da die Bereiche und Teams aber zusammengeführt werden, müssen rund 60 bis 70 der rund 400 Mitarbeiter den Standort wechseln. "Das gibt eine groß;e Rochade im Haus", sagte Brühl, sei aber unumgänglich, da es wenig Sinn mache, ein und denselben Arbeitsbereich auf mehrere Orte zu verteilen.

Der juristische Sitz der fusionierten Bank wird künftig Dillenburg sein, das wertet Wolfgang Brühl nicht als Nachteil

Das Marketing wird beispielsweise künftig in Wallau sitzen, die Unternehmenssteuerung in Biedenkopf und der Bereich Organisation/IT in Gladenbach.

Dass der juristische Sitz der VR Bank Lahn-Dill künftig Dillenburg ist, sieht Brühl nicht als Nachteil für die Bankgeschäfte im Hinterland. Natürlich seien die beiden bisherigen Vorstände und die übrigen Mitarbeiter weiter vor Ort.

Überhaupt habe die Bank immer noch eine "charmante Betriebsgröß;e". Leistungsfähig genug, um die Kundenbedürfnisse zu erfüllen, aber so klein, dass der Vorstand weiterhin das tägliche Geschäft spüre.

Die Fusion in Zahlen

440 Nebenstellen aus ehemals drei Telefonanlagen sind zu einer Anlage zusammengeführt worden.291 000 Konten sind von der Fusion der drei Banken betroffen.32 Geldausgabeautomaten bietet die VR Bank Lahn-Dill. Hinzu kommen 16 Ein- und Auszahlungsautomaten sowie 33 Kontoauszugsdrucker.340 Arbeitsplätze sind im Zuge der Fusion miteinander vernetzt worden.168 000 Kundennummern finden sich im Datenbestand der drei Genossenschaftsbanken.37 Geschäftsstellen bilden derzeit das Filialnetz in der Fläche.100:1 ist das Verhältnis von Mitgliedern zu Vertretern in der neuen Genossenschaftsbank.