Fachkräftemangel auch bei Pfeifer in Lauterbach

CDU-Kreisvorsitzender und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak (Zweiter von rechts) und Vertreter der örtlichen CDU-Kreistagsfraktion mit Geschäftsführer der Pfeifer Holz Lauterbach GmbH Andreas Schmid (rechts) bei der Betriebsbesichtigung. Foto: Peifer Group

Die Pfeifer Group, ansässig im Lauterbacher Ortsteil Wallenrod, informierte über ihre aktuelle Produktion und Zukunftspläne.

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WALLENROD. (red). Bei einer Betriebsbesichtigung durch die CDU-Kreistagsfraktion im Kreistag des Vogelsbergkreises präsentierte sich das Vorzeigewerk der österreichischen Pfeifer Group im Lauterbacher Ortsteil Wallenrod investitionsfreudig. Eine große Herausforderung bleibt der Fachkräftemangel.

Das Unternehmen informiert in einer Pressemitteilung: Die Nähe zum Rohstoff Holz im waldreichen Hessen und die großzügigen Gewerbeflächen waren ausschlaggebend dafür, dass Pfeifer 2008 den Spatenstich für den neuen Standort in Lauterbach setzte. Vom 50 Hektar großen Areal seien derzeit erst 27 Hektar verbaut, was die strategische Standortentwicklung wesentlich begünstige, erklärte Geschäftsführer Andreas Schmid der politischen Abordnung beim Rundgang über das Werksgelände. Allein 180 Millionen Euro habe die Pfeifer Group bislang in den größten ihrer acht Standorte investiert, mit dem zweiten hessischen Standort Schlitz seien es mehr als 200 Millionen im Vogelsbergkreis. „Ein wichtiger Impuls für unsere Region, der viele qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen hat“, lobten die CDU-Kommunalpolitiker, unter ihnen der Fraktionsvorsitzende, Bürgermeister Stephan Paule (Alsfeld), und der CDU-Kreisvorsitzende Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak (Lauterbach).

Aktuell produzierten in Lauterbach 245 Beschäftigte entlang einer der modernsten Hochleistungs-Sägelinien Europas und in der Weiterverarbeitung jährlich 620 000 Kubikmeter Schnittholz, 235 000 Kubikmeter Palettenklötze, 7000 Tonnen Holzpellets (mittelfristig 95000 Tonnen) und 80 Millionen Kilowattstunden Bio-Strom, der in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird.

Thema beim Informationsaustausch war unter anderem die Personalsuche, die sich selbst für einen attraktiven Arbeitgeber wie Pfeifer schwierig gestalte. Schmid: „Unsere Jobs bestehen kaum noch aus körperlicher Arbeit, sondern vorwiegend aus Kontrolltätigkeiten. Die Hightech-Anlagen müssen gesteuert, überwacht und gewartet werden.“ Pfeifer gehe hier mit der Ausbildung von Holzbearbeitungsmechanikern und Mechatronikern in die Offensive, um langfristig entsprechend ausgebildetes Personal zur Verfügung zu haben. Am 15 Kilometer entfernten Standort Schlitz sei die Facharbeiter-Situation aufgrund der Nähe zu Fulda etwas besser – ein mitentscheidender Faktor für die Standortwahl des neuen CLT-Werks vor drei Jahren. Erschwerend komme hinzu, dass Wallenrod kaum an den öffentlichen Verkehr angebunden sei: „Vor allem für junge Mitarbeiter ohne Privat-Pkw wäre eine Bushaltestelle wichtig“, appellierte Schmid an die Anwesenden.

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Rund eine Million Festmeter Rundholz verarbeitet Pfeifer in Lauterbach jährlich, als Folge des Klimawandels stammt der Rohstoff aus immer größerem Umkreis. Trockenheit und Käferkalamitäten setzen auch den hessischen Wäldern zu. Mit der raschen Schadholzaufarbeitung unterstütze Pfeifer den Forst und die Waldbesitzer. Zur langfristigen Absicherung der Rohstoffversorgung entstehe derzeit die 1,7 Kilometer lange Bahntrasse vom Werk in Richtung Wallenrod, die im Sommer 2021 in Betrieb gehen soll. „Wir planen täglich zwei Ganzzüge für die Rundholzanlieferung, dadurch entfallen circa 100 Lkw-Fahrten pro Tag. Außerdem wird Schnittholz abtransportiert, im ersten Schritt rechnen wir mit ein bis zwei Ganzzügen pro Monat“, so Schmid. Größter Kunde von Lauterbach ist mittlerweile das eigene CLT-Werk in Schlitz, das auf Basis eines ausgefeilten Logistikkonzepts mit Schnittholz versorgt wird. Diese kurzen Transportwege wirken sich positiv unter anderem auf die Ökobilanz der Produkte aus.

Durch die 100-prozentige Verwertung des Rundholzes am vollintegrierten Standort Lauterbach sichert sich Pfeifer wichtige Wettbewerbsvorteile. Bei der Schnittholzverarbeitung anfallende Nebenprodukte werden erfolgreich zu Kuppelprodukten weiterverarbeitet. Nur zwei Beispiele: Mit einer Produktionsmenge von 235 000 m³ Pressspanklötzen pro Jahr – ausreichend für 22 Millionen Europaletten – ist Pfeifer Weltmarktführer im Segment. Und die Baumrinde wird im eigenen Biomasse-Kraftwerk in CO2-neutrale Wärme für die eigene Werksversorgung und acht Gigawattstunden Strom umgewandelt. Diese Menge entspricht in etwa dem Verbrauch einer Stadt in der Größenordnung von Lauterbach. Das kürzlich neu errichtete Gasheizwerk mit 19,9 Megawatt Leistung schafft zusätzlich erhöhte Kapazitäten für die Holz- und Spantrocknung. „Stillstand kennt Pfeifer also weder in puncto Investitionen noch im konkreten Sinn: Die Sägelinien laufen im Drei-Schicht-Betrieb, auch die hochtechnologisierte Klotzproduktion, die Pelletierung und das Kraftwerk sind abgesehen von einer 14-tägigen Revision ganzjährig durchgehend in Betrieb.“