Klaus Kuhn: Mit 70 soll noch lange nicht Schluss sein

Es darf ein bisschen mehr sein: Klaus Kuhn wird wohl nächstes Jahr wieder als Sportbund-Präsident kandidieren. Foto: Harald Kaster

Ein Ehrenamtler durch und durch: Der Präsident des Sportbundes Rheinhessen feiert „runden“ Geburtstag und denkt nicht ans Aufhören.

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MAINZ. Er ist dann mal weg heute. Und das ist eher ungewöhnlich für einen Mann, der doch immer die Nähe zu anderen Menschen sucht, der so kommunikativ ist, der eigentlich immer für alle da sein will. Heute, am Tag seines 70. Geburtstags ist Klaus Kuhn aber nicht da. Genauer: Er hat sich mit Gattin Conni ins Allgäu verdrückt, plant einen schönen Tagesausflug ins österreichische Pitztal mit einem befreundeten Pärchen. „Den Geburtstag holen wir nach“, sagt der Präsident des Sportbundes Rheinhessen (SBR). Halt in mehreren Etappen, weil Corona derzeit die ganz große Sause, die ursprünglich angedacht war, nicht zulässt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass es einige Etappen sein müssen für den umtriebigen Funktionär, der sich mit der 70 längst angefreundet hat. „Ich sage ja immer: Die heutige 70 ist die neue 60.“

Und weil dem so ist, ist Klaus Kuhn vor dem 70. auch nicht bange. Im Jahre 2008 hatte sich der gelernte Speditionskaufmann und staatlich geprüfte Industriefachwirt nach insgesamt 46 Berufsjahren (davon 20 Jahren bei den Stadtwerken Mainz, bei denen er zuletzt als Hafenbetriebsleiter tätig war) in die Altersteilzeit verabschiedet. Von Ruhestand war und ist freilich keine Rede. Im Jahr zuvor hatte der Bretzenheimer gerade von Herbert Beck die Präsidentschaft im Handball-Verband Rheinhessen übernommen, die er 2019 nach zwölf erfolgreichen Jahren an den Nieder-Olmer Mathias Solms weitergab. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Kuhn bereits vom Sportbund Rheinhessen, dessen Vizepräsident er seit 2018 war, überreden lassen, interimsmäßig das Präsidentenamt von Werner von Moltke zu übernehmen, der überraschend zurückgetreten war. Bis zum nächsten Sommer ist er dort in Amt und Würden, der Zusatz „Interim“ kann mittlerweile getrost gestrichen werden. Und: „Ja, Stand heute, würde ich 2022 auch noch einmal antreten. Dann aber definitiv ein letztes Mal“, betont der passionierte Handballer Klaus Kuhn, der sein letztes Handball-Punktspiel im zarten Alter von 52 Jahren absolviert hat. Einmal würde er sich noch breitschlagen lassen, auch wenn er weiß, dass bei ihm auf die Frage „Willst du das nicht machen“ das Wort Nein nicht in seinem Sprachgebrauch vorkommt. Mit dann fast 71 sei das Ziel erkennbar. „Die Amtszeit beim Sportbund beträgt ja vier Jahre. Und mit 75 werde ich definitiv nicht mehr antreten. Egal, wie fit ich dann noch sein sollte“, verspricht Klaus Kuhn mit einem feinen Lächeln und einem leichten Augenzwinkern.

Dass er, der sich seit 60 Jahren dem Vereinssport verschrieben hat, irgendwann nicht mehr präsent sein wird, kann er sich selbst nicht vorstellen. Mit fünf Jahren ging die „Sportler-Karriere“, gefördert vom Vater im Eisenbahnersportverein los. Im Winter wurde geturnt, im Sommer Leichtathletik betrieben. Mit dem Bruder probierte Kuhn Fußball und Judo aus. Bei der Bundeswehr kam es zur ersten Berührung mit dem Handball. Freunde lockten ihn in den Verein. „Ich war schnell gefangen“, erinnert sich der SBR-Präsident noch genau an die Anfänge. Beim Weisenauer Ruderverein ging es richtig los, 1976 war Klaus Kuhn Gründungsmitglied des HSV Mainz. „Wir waren alles junge Kerle, wollten alles anders, besser machen. Jeder musste einen Job übernehmen. Das war sozusagen die Geburtsstunde des Funktionärs Klaus Kuhn“, berichtet Klaus Kuhn. Zweiter Vorsitzender des Gesamtvereins, Abteilungsleiter Handball, Trainer, Schiedsrichter – Kuhn durchlief bis zur Auflösung des Clubs im Jahr 2001 irgendwie alles. „Es war eine tolle Zeit, eine großartige Kameradschaft.“

Und es war ein eher kleiner Verein, einer, wie Kuhn meint, der auch „vom Couchtisch“ aus gemanagt werden kann. Bei größeren Clubs, bei Verbänden müsse, so sein Credo, das Hauptamt eigentlich die Verantwortung übernehmen. Die Mitglieder würden die Vereine, die Verbände als Dienstleister sehen. „Und sie wollen dafür auch Leistung sehen“, sagt Kuhn, „die aber im Ehrenamt kaum noch so leistbar ist.“ Er, der („Ich betone das mit drei Ausrufezeichen“) tatsächlich ehrenamtlich, also ohne Bezahlung tätig ist, forciert das im Sportbund, will auch deswegen weitermachen. „Da müssen Satzungen geändert werden, der SBR muss sich für die Zukunft anders aufstellen.“

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Dafür will Klaus Kuhn sorgen. Eben als Dienstleister für seinen Verband, für die Vereine und für den Sport, den er so liebt. Und deswegen tankt der jetzt 70-jährige an seinem Jubeltag auch Kraft im Allgäu mit seiner Frau, die kurz zuvor 65 geworden ist und mit der er in drei Jahren – dann hoffentlich ohne Corona, aber mit vielen Gästen – Goldene Hochzeit feiert. Mit Conni, die so lange schon fest an seiner Seite steht. Und die ihm schon länger immer wieder sagt: „Du kannst doch eh nicht aufhören.“