Zehn Minuten lang Applaus für den Sieg

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Christoph Höhne feierte im DDR-Trikot einige Erfolge.Archivfoto: imago

Der DDR-Geher Christoph Höhne deklassiert bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt die Konkurrenz und siegt nach 50 Kilometern mit mehr als zehn Minuten Vorsprung.

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. Von Björn-Christian Schüßler

Christoph Höhne ist ein Phänomen auf zwei Beinen. Der 77-Jährige schnürt noch immer die Sportschuhe, um seiner Leidenschaft nachzu-gehen. 50 Kilometer in etwas mehr als vier Stunden waren in der Profikarriere des Leichtathleten seine Lieblingsdisziplin. Die Streckenbewältigung im Watschelgang brachte dem DDR-Sportler reichlich Erfolge ein. Doch den schönsten Jubler sicherte sich der Sachse 1968 beim olympischen Rennen in Mexiko-Stadt – wohl auch, weil er den Publikumsapplaus im Ziel mehr als zehn Minuten mit niemandem teilen musste.

Bis zur Halbzeit war das Rennen in der mexikanischen Hitze von Tempowechseln und Positionskämpfen geprägt. Höhne etablierte sich in der Spitzengruppe mit den Topfavoriten Gennadij Agapow und Sergei Grigorjew aus der Sowjetunion, Landsmann Peter Selzer, dem Bundesdeutschen Bernhard Nermerich, dem Ungarn Antal Kiss und Paul Nihill aus Großbritannien.

Als Letzterer die Geschwindigkeit nochmal erhöhte, konnte nur noch Höhne, der für seine Tempohärte bekannt war, folgen. Und der Sachse hatte noch reichlich Reserven. Er ließ den Briten bei Kilometer 25 förmlich stehen, baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus und errang nach 4:17:42 Stunden den ersten Olympiasieg für einen DDR-Leichtathleten überhaupt. Mit 10:04 Minuten Vorsprung auf Kiss.

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Als 17-Jähriger war Christoph Höhne zum Gehsport gekommen – und beendete seinen ersten Wettkampf als Letzter. Doch der Ehrgeiz trieb ihn weiter. Nach einigen guten Platzierungen Anfang der 1960er Jahre stieß er 1967 beim 100-km-Straßengehen zwischen Lugano und Olivone in die absolute Weltspitze vor – und krönte die Karriere schließlich mit dem Olympiasieg. Zwei EM-Titel (1969 und 1974) folgten.

Aktuell misst sich Christoph Höhne in der Altersklasse Ü75. Selbst zu seinem knapp 15 Kilometer entfernten Wochenendhäuschen geht er zu Fuß. „Ich brauch’ eine feste Strecke und will wissen, wie schnell ich bin“, begründete der 1,70 Meter große Athlet sein überraschendes Comeback im Trikot des Fürstenwalder Triathlonvereins. „Allerdings schaffe ich nur noch acht bis neun Kilometer in der Stunde“, sagt Christoph Höhne schmunzelnd. In Mexiko waren es noch 11,5 km/h.