Niki Lauda tritt zurück: "Ich hab es satt, im Kreis zu fahren"

aus Zeit-Lupe

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Niki Lauda. Archivfoto: dpa

Montreal, 29. September 1979: "Ich habe es satt, im Kreis zu fahren." Mit diesem geflügelten Wort beendet Niki Lauda seine Formel-1-Karriere. Es wird nur ein Abschied auf Zeit.

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. "Ich habe es satt, im Kreis zu fahren." Ein Satz, wie in Stein gemeißelt. Ein Satz, der um die Welt ging und von vielen Motorsport-Muffeln, die mit der Formel 1 nichts am Hut haben, noch heute, 35 Jahre später, genüsslich zitiert wird.

Gesagt hat ihn Niki Lauda am 29. September 1979 in Montreal. Das Training zum Großen Preis von Kanada war noch im vollen Gange, als der zweifache Weltmeister der staunenden Weltpresse mit dem ebenso lapidaren wie harten Urteil seinen sofortigen Rücktritt verkündete. Lauda war damals 30 Jahre alt und hätte sicher noch ein paar gute Rennsportjahre imTank gehabt. Doch plötzlich wollte der Wiener nicht mehr.

"Es war dunkel und neblig. Ich wollte keine Rennen fahren."

Sein überraschender Rückzug hatte nichts mit seinem beinahe tödlichen Feuerunfall 1976 auf dem Nürburgring zu tun. Auch nichts mit Geld - schließlich hatte Lauda gerade einen gut dotierten neuen Vertrag für 1980 unterschrieben. Aber die aktuelle sportliche Situation bei seinemRennstall Brabham passte nicht. Wegen seines anfälligen Alfa-Romeo-Motors war der Österreicher in dieser Saison, an deren Ende der Südafrikaner Jody Scheckter den WM-Titel gewann, nur zweimal ins Ziel gekommen. Die Motivation war Lauda abhanden gekommen, was ihm am Morgen des Trainings in Montreal schlagartig bewusst wurde: "Als ich am Freitag aufgewacht bin und aus dem Fenster geschaut habe, war es dunkel und neblig. Ich wollte keine Rennen fahren", erzählte Lauda später dem Internetportal www.grandprix.com. Er kam zur Strecke, fuhr zwei Runden, stieg aus, grübelte, drehte noch drei Runden - "und nachher wusste ich, die Zeit ist reif, um zurückzutreten". Zuerst teilte er seinen Entschluss seinem damaligen Teamchef Bernie Ecclestone mit. Dann sagte er zu Journalisten jenen Satz, der ihn fast so berühmt machte wie seine Siege.

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Es sollte ein Abschied auf Zeit bleiben. 1982 kehrte Lauda in den Rennzirkus zurück, auch um seiner dümpelnden Airline neue Flügel zu verleihen. 1984 gewann er im McLaren nach einem spannenden Duell mit seinem Teamkollegen Alain Prost seine dritte Weltmeisterschaft, bevor er sich endgültig zurückzog.

BBC-Bericht zum Rücktritt von Niki Lauda 1979:

Niki Laudas schwerer Unfall 1976 auf dem Nürburgring: