Katrin Krabbe: Kälbermastmittel zerstört Laufkarriere

aus Zeit-Lupe

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Das Erfolgsduo vor dem Skandal: Katrin Krabbe (links) und Grit Breuer nach den erfolgreichen Weltmeisterschaften 1991. Archivfoto: imago

Die Dopingkontrolleure weisen bei Sprint-Weltmeisterin Katrin Krabbe Clenbuterol im Körper nach. Der DLV sperrt die Läuferin. Dass der Internationale Leichtathletik-Verband...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Als die schnellste Frau der Welt im Juli 1992 ihre Karriere im Alter von 22 Jahren beendete, saß der Schock tief. Beim Deutschen Leichtathletik-Verband, der mit der „Grace Kelly der Tartanbahn“ noch viele Medaillen gewinnen wollte. Bei den Fans weltweit, die die in der DDR aufgewachsene Sprinterin bei der WM in Tokio ein Jahr zuvor an US-Glamourgirl Gwen Torrence und Jamaikas Diva Merlene Ottey vorbeifliegen sahen. Bei den Medien, die Doppelweltmeisterin Katrin Krabbe zur Weltsportlerin des Jahres kürten.

War das junge Lauftalent unter dem ehrgeizigen Trainer Thomas Springstein schon im Januar 1992 über eine unangemeldete Doping-Kontrolle im Trainingslager in Südafrika ins Straucheln geraten, weil Springsteins Frau Conny für sie, Teamkollegin Grit Breuer und Silke Möller ins Röhrchen pinkelte, aber noch wegen formaler Fehler der Ermittler freigesprochen worden, stutzte die Öffentlichkeit fortan einmal zu oft über die Leistungsexplosion der Neubrandenburgerin über 100 und 200 Meter.

Elf Monate Sperre verhängte der DLV im Sommer 1992, als Krabbe und Co. Doping nachgewiesen wurde. Springstein hatte der Trainingsgruppe das Kälbermastmittel Clenbuterol, das zwar noch nicht verboten war, aber eindeutig anabol stimulierte, verpasst. Rausreden half diesmal wenig. Die Olympia-Teilnahme in Barcelona war passé.

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Der Internationale Leichtathletik-Verband IAAF bestätigte die Sperre am 28. November 1993 – und stockte sie sogar um zwei Jahre auf. Ein juristischer Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte. Die dreijährige Sperre war zu hoch für eine Doping-Ersttäterin, urteilte das IAAF-Schiedsgericht. Zwar konnte sich Krabbe bei Großmeisterschaften des IAAF nicht mehr blicken lassen, jedoch hätte sie bei Meetings noch gut Kasse machen können. Also klagte sie gegen das Berufsverbot auf Schadenersatz. „Manager und Sportfestveranstalter haben durchweg ausgesagt, dass sie Katrin Krabbe nach der Sperre wieder verpflichtet hätten“, sagte Krabbes Anwalt Thomas Summerer. Genau so hatte Grit Breuer ihre Karriere noch bis ins Jahr 2005 fortsetzen können. Krabbe erhielt rund 1,2 Millionen Euro. Der Stein des Anstoßes, der Clenbuterol-Missbrauch, wurde juristisch allerdings nie verhandelt.