Hoyzer in den Fängen der Wettmafia

aus Zeit-Lupe

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HSV-Spieler Sergej Barbarez beschwerte sich nach dem Elfmeter-Tor des SC Paderborn zum 1:2 bei Schiedsrichter Robert Hoyzer. Archivfoto: dpa

Vor zehn Jahren erschütterte ein Skandal um verschobene Spiele den deutschen Fußball. Der Grund: ein deutscher Referee steckt mittendrin im Wettsumpf. Doch Robert Hoyzer...

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. Von Julia Sloboda

Die Spieler des Hamburger SV verstanden die Welt nicht mehr. Ihre Gegner vom SC Paderborn fielen wie die Fliegen. Zwei Elfmeter waren die Folge in der ersten Runde des DFB-Pokals, Paderborn gewann 4:2. HSV-Profi Emile Mpenza regte sich so sehr auf, dass er mit Roter Karte vom Platz flog. Was die Hamburger an diesem denkwürdigen Nachmittag im August 2004 noch nicht wussten: Ihr Spiel war verschoben worden.

Im Mittelpunkt des Wettskandals: Robert Hoyzer, 25 Jahre alt, Student aus Berlin. Ein aufstrebender, junger Schiedsrichter. Einer, der zunächst seine Unschuld beteuerte. Mit Spielmanipulationen habe er nichts zu tun, sagte er vor genau zehn Jahren, als der Wettskandal so richtig ins Rollen kam. "Mir geht es sehr schlecht, und ich beschäftige mich Tag und Nacht mit dieser Situation. Ich habe nicht betrogen", sagte er in einem Fernsehinterview. Und legte sein Schiedsrichteramt trotzdem erst einmal nieder.

Assistent meldete Verdacht

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Bereits Anfang Januar hatten vier Schiedsrichterkollegen ihren Verdacht gegenüber dem Deutschen Fußball Bund (DFB) geäußert. Einer davon war Felix Zwayer, Hoyzers Assistent, der von dessen versuchter Einflussnahme berichtete. Ende Januar schließlich ruderte Hoyzer überraschend zurück. Er gestand, für Spielmanipulationen Geld- und Sachzuwendungen bekommen zu haben. In einer Talkshow entschuldigte er sich bei den Fußball-Fans.

Es folgten Haftbefehl, Untersuchungshaft, eine lebenslange Sperre des DFB und ein Strafprozess. Vom Berliner Landgericht wurde Hoyzer wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Doch nicht nur Hoyzer musste ins Gefängnis. Auch der Drahtzieher Ante Sapina wurde zu zwei Jahren und elf Monaten verurteilt. Er hatte mit seinen Brüdern von Berlin aus europaweit Spiele manipuliert.