Formel 1: „Magischer“ hängt den „Professor“ ab

aus Zeit-Lupe

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Volle Konzentration: Ayrton Senna holte 1988 seinen ersten von drei Formel-1-Weltmeistertiteln.Archivfoto: imago

Ayrton Senna wird 1988 zum ersten Mal Weltmeister - vor seinem Teamkollegen Alain Prost.

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. Von Ulrich Gerecke

Dass Ayrton Senna irgendwann Formel-1-Weltmeister würde, war schon lange vor 1988 klar. Der Brasilianer, damals 28 Jahre alt, hatte sich über Jahre zum herausragenden Fahrer entwickelt, hatte von seinem Ex-Teamchef Peter Warr den Spitznamen „Magic“ verpasst bekommen. In der Saison, die am 13. November 1988 mit dem Großen Preis von Australien in Adelaide endete, saß der beste Fahrer obendrein auch noch im schnellsten Auto.

Zu Jahresbeginn war Senna von Lotus zu McLaren gewechselt, das gerade von Porsche- auf Honda-Motoren umgestellt und mit dem Franzosen Alain Prost den langjährigen Platzhirschen der Szene unter Vertrag hatte. Die Rivalität der beiden ungleichen Stallgefährten – hier „Professor“ Prost, der kühle Taktierer, dort „Magic“ Senna, der feurige Draufgänger – elektrisierte die Motorsportfans und entschädigte für einen zumindest in der Markenwertung höchst langweiligen Saisonverlauf. Prost und Senna machten 15 der 16 Siege unter sich aus, nur in Silverstone hatte der Österreicher Gerhard Berger im Ferrari die Nase vorn. Im folgenden Jahr 1989 wurden, die Turbomotoren ausrangiert, Weltmeister wurde Prost vor Senna, der in der Folge aber noch zwei Titel eingefahren hat.

Den ersten hatte sich Senna schon zwei Wochen vor Adelaide in Suzuka gesichert, in Australien war dann Prost der Schnellste. Über die Klasse des Mannes aus Sao Paulo gab es indes keine zwei Meinungen, spätestens nachdem er im Mai im Qualifying von Monaco Prost um fantastische 1,427 Sekunden abgehängt hatte. „Plötzlich wurde mir klar, dass ich das Auto gar nicht mehr in einem bewussten Zustand fuhr. Ich fuhr nur noch durch Instinkt, ich war wie in einer anderen Dimension“, erinnerte sich Senna später.

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Allerdings zogen schon damals Konfliktwolken am Horizont auf. Der französische Weltverbandpräsident Jean-Marie Balestre warf McLaren vor, Senna besseres Material zu geben als seinem Landsmann Prost. Teamchef Ron Dennis forderte eine Entschuldigung. Der Streit sorgte in Adelaide für mehr Gesprächsstoff als der neue Titelträger.