„Sehen Entwicklung mit Sorge“

Die „Midnighters Rhein-Main“ sind neben den „Wölfen“ und dem EHC Meteor die dritte Mainzer Eishockey-Mannschaft.Foto: Midnighters  Foto: Midnighters

Der Name klingt ungewöhnlich. Er stammt aus einer Zeit, als die Kufencracks noch in Frankfurt aufs Eis gingen. Mitte der 1990er Jahre durften die „Midnighters“ immer erst...

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MAINZ. Der Name klingt ungewöhnlich. Er stammt aus einer Zeit, als die Kufencracks noch in Frankfurt aufs Eis gingen. Mitte der 1990er Jahre durften die „Midnighters“ immer erst dann in der Eissporthalle der Mainmetropole trainieren, wenn das damalige Profi-Team der Frankfurt Lions seine Einheiten endlich beendet hatte. Und so kam es, dass die „Midnighters“ oft bis weit nach Mitternacht ihre Übungseinheiten absolvierten. Der Titel der Hobby-Mannschaft war geboren – und ist bis zum heutigen Tag geblieben. Obwohl die „Midnighters“ ihrem Sport längst in Mainz nachgehen. Zu deutlich zivileren Trainingszeiten.

Die „Midnighters Rhein-Main“ sind neben den „Wölfen“ und dem EHC Meteor die dritte Mainzer Eishockey-Mannschaft.Foto: Midnighters  Foto: Midnighters
Rassige Duelle auf Eis: In der Rhein-Main-Liga tragen die „Midnighters“ (gelbe Trikots) ihre Heimspiele am Bruchweg aus. Foto: Midnighters  Foto: Midnighters

Nach Mitternacht gibt es allenfalls noch ein Bierchen

„Mittlerweile haben wir es geschafft, etwas früher zu beginnen. Nach Mitternacht gibt es bei uns allenfalls noch ein Bierchen in der Kabine“, lächelt Teammanager Christian Hoffmann. Seit neun Jahren bekleidet er das Amt, seit 15 Jahren gehört er zur Mannschaft. 2018 feiern die 1993 in Frankfurt gegründeten „Midnighters“ ihr 25-jähriges Bestehen. In einem Vierteljahrhundert ist eine Menge passiert. „Wir sind jetzt in Mainz zuhause. Hier spielen wir, hier trainieren wir, hier fühlen wir uns wohl“, betont Hoffmann. Mit ihm stehen Spieler aus klassischen Eishockey-Nationen wie Tschechien, Finnland und der Slowakei auf dem Eis – aber auch aus Luxemburg, Ungarn und natürlich aus Deutschland. Um für die „Midnighters“ mit dem Schläger dem Puck hinterherjagen zu können, reisen sie aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet an.

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Alle vereint die gleiche Leidenschaft: „Eishockey ist ein super Mannschaftssport, der unheimlich schnell und anstrengend ist. Die Belastung ist enorm und nicht vergleichbar mit Laufen oder Radfahren“, sagt Christian Hoffmann. Mit seinen Teamkollegen tritt er in der Rhein-Main-Liga an. Einer Liga, die Hoffmann 2011 zusammen mit seinem Teamkollegen Nils Lindemann selbst gegründet hat. Und in der sich neben dem EHC Meteor Mainz in dieser Saison auch die früher deutlich höherklassiger spielenden Mainzer „Wölfe“ tummeln. „Von den Mainzer Teams sind wir sicher die klassischte Hobby-Mannschaft. Aber das heißt nicht, dass unser Niveau schlecht ist“, verdeutlicht Hoffmann.

Zweimal wöchentlich trainieren die in der ersten Division der Rhein-Main-Liga spielenden „Midnighters“ in der Mainzer Eishalle. Wie alle anderen Mannschaften sind die Rahmenbedingungen aber auch für sie nicht einfach. Teure Eiszeiten, ungünstige Trainingszeiten und die Ungewissheit über die Zukunft des Eissports in Mainz machen ihnen das Leben schwer. „Wir sehen die Entwicklung in Mainz mit Sorge“, sagt Christian Hoffmann. Zwar sei der aktuelle Eishallen-Betreiber Milan Nosek sehr engagiert und versuche mit Leidenschaft, die Halle am Leben zu halten. „Aber von der Stadt sehe ich leider wenig Engagement. Es redet keiner mit uns. Wenn der Betreiber eines Tages aufhören sollte, sehe ich die Gefahr, dass die Eisfläche in Mainz komplett wegfallen könnte“, schwant dem „Midnighters“-Teammanager nichts Gutes.

Mangelnde Kommunikation mit der Stadt

Wie bereits die anderen Mainzer Eishockey-Teams kritisieren auch die Midnighters die mangelnde Kommunikation seitens der Stadt. Auch sie befürchten, dass es in Mainz kein gesteigertes Interesse am Erhalt der Eishalle geben könnte. „Die Stadt hat vielleicht nicht das notwendige Feuer, die Halle weiter zu betreiben, wenn der jetzige Betreiber aussteigt“, glaubt Christian Hoffmann. Doch richtige Infos zur Halle und deren Zukunft gebe es nicht. „Im Eissport gibt es leider zu wenige Vereine in Mainz, die Fürsprecher in der Sportpolitik haben“, sagt das „Midnighters“-Urgestein.

Die Hobby-Mannschaft macht sich also ihre Gedanken, wie es in Mainz für sie weitergeht. Nicht zuletzt deshalb haben Hoffmann und Co. bereits die ein oder andere Eissporthalle in der Umgebung inspiziert, um nach möglichen Alternativen Ausschau zu halten. „Man muss sich einen Plan B zurechtlegen. Dabei wollen wir gar nicht aus Mainz weg, denn wir sind mit der Halle sehr zufrieden“, unterstreicht Hoffmann mit Nachdruck.

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Die „Midnighters“ wollen auch weiterhin mit Spaß und Engagement in der Landeshauptstadt aufs Eis gehen. „Wir spielen einfach gerne Eishockey mit Wettkampfcharakter, festem Regelwerk, Fairness und Respekt“, umreißt Hoffmann das Team-Credo. In der Vergangenheit haben die „Midnighters“ bereits an Turnieren in Finnland und Tschechien teilgenommen und in großen Arenen spielen dürfen. Künftig wären sie einfach nur froh, ein paar Neuzugänge in ihren Reihen begrüßen zu können – und auch perspektivisch weiter in Mainz ihr Zuhause zu haben.

Von Andreas Riechert