„Mit kleinem Lächeln raus“: Niklas Kaul wird WM-Sechster

Im Ziel: Niklas Kaul vom USC Mainz. Foto: dpa

Niklas Kaul vom USC Mainz legte im finalen 1500-Meter-Lauf noch mal eine neue persönliche Bestzeit hin - die Zehnkampf-Medaillen waren bei der WM in Eugene aber diesmal zu weit...

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EUGENE. Niklas Kaul gab noch mal alles. Holte alles aus sich raus. Lief sogar eine persönliche Bestzeit. Doch für eine Medaille reichte es nicht mehr. Trotz eines herausragenden 1500-Meter-Laufs (4:13,81 Minuten) und einer einmal mehr starken Aufholjagd am zweiten Tag landete der Titelverteidiger in der Endabrechnung des WM-Zehnkampfes auf dem sechsten Platz. Mit 8434 Punkten lag der 24-Jährige vom USC Mainz hinter seiner Ausbeute von Doha (8691), wo Kaul vor drei Jahren so überraschend als jüngster Zehnkämpfer aller Zeiten WM-Gold gewonnen hatte. In Eugene (USA) durfte diesmal Weltrekordhalter Kevin Mayer jubeln: Der Franzose sicherte sich mit 8817 Punkten seinen zweiten WM-Titel. Silber ging an Pierce Lepage (8704) aus Kanada, Dritter wurde Zachery Ziemek (8676) aus den USA. Topfavorit und Olympiasieger Damian Warner (Kanada) war am ersten Wettkampftag mit einer Oberschenkelverletzung ausgeschieden.

Kaul war mit manchen Leistungen in Oregon zufrieden, mit anderen weniger. "Vor allem der Diskus- und Speerwurf ärgern mich brutal. Da hatte ich mich eigentlich gut eingeworfen", sagte der 24-Jährige in der ARD. In beiden Disziplinen blieb er deutlich unter seinen Bestleistungen. "Dennoch: Es war der drittbeste Zehnkampf meiner Karriere. Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt: Ich kann mit einem kleinen Lächeln hier rausgehen." Er sei glücklich, dass er die beiden Tage "gut durchgestanden hat", ohne sich weh zu tun.

Zehn Meter weniger im Speerwurf

Kaul, der in den vergangenen beiden Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, hatte nach dem ersten Wettkampftag noch auf Rang 16 gelegen, sich von Disziplin zu Disziplin nach vorne gekämpft. Zum Auftakt des zweiten Tages legte er furios los, erzielte über 110 Meter Hürden eine neue persönliche Bestleistung (14,27 Sekunden). Im Diskuswurf verschenkte Kaul Zähler, musste sich mit 44,62 Metern zufriedengeben - in Doha war er noch auf 49,20 Meter gekommen. Auch beim Stabhochsprung ließ der 24-Jährige ein paar Punkte liegen: Kaul, der in dieser Saison schon 4,90 Meter gesprungen war, schloss mit 4,80 Meter ab. In seiner Paradedisziplin Speerwerfen blieb Kaul gleich zehn Meter unter seiner eigenen Bestmarke (79,05 Meter), verbuchte 69,74 Meter. Nach seiner Ellbogen-OP vor zwei Jahren fehlt dem Mainzer einfach noch die nötige Kraft. Und so ging Kaul mit 447 Punkten Rückstand auf Rang drei in den abschließenden 1500-Meter-Lauf. Damit war im Grunde klar - es würde nicht für Edelmetall reichen. Dennoch zeigte Kaul eine exzellente Leistung, stellte erneut eine persönliche Bestleistung, die zuvor bei 4:15,52 gelegen hatte, auf.

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Am ersten Wettkampftag hatte Kaul ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Nach den schwachen Leistungen über 100 Meter (11,22 Sekunden), im Weitsprung (7,09 Meter) und beim Kugelstoßen (14,52 Meter) war der Mainzer "richtig sauer". Im Hochsprung (2,05 Meter) und 400-Meter-Lauf (48,80 Sekunden) tankte Kaul wiederum "ordentlich Selbstvertrauen" für den zweiten Tag.

Für den Lehramtsstudenten steht schon in drei Wochen (15. und 16. August) der eigentliche Jahreshöhepunkt an: Der 24-Jährige hatte schon früh angekündigt, dass er sich 2022 vor allem auf die Heim-Europameisterschaften in München fokussieren will. "Ich freue mich, dort anzutreten. Das wird toll", so Kaul.

Der WM-Zehnkampf von Niklas Kaul

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100 Meter: 11,22 Sekunden; Weitsprung: 7,09 Meter; Kugelstoßen: 14,52; Hochsprung: 2,05 Meter; 400 Meter: 48,80 Sekunden; 110 Meter Hürden: 14,27 Sekunden; Diskuswerfen: 44,62 Meter; Stabhochsprung: 4,80 Meter; Speerwerfen: 69,74 Meter; 1500 Meter: 4:13,81 Minuten.