Aus dem Keller ins Abenteuer Bundesliga: Wrestling Tigers

„Toll, dass es ein Kreuznacher Verein in die Bundesliga geschafft hat“, sagt Steffen Oberst als Leiter des Olympiastützpunkts und ist auch stolz auf die Trainingsbedingungen im neuen Ringerraum in der Jahnhalle. Foto: Heidi Sturm

Die Ringer-Wettkampfgemeinschaft aus Bad Kreuznach, Langenlonsheim und Bingen ist stolz auf ihre Trainingsstätte, vermeldet Neuzugänge und kennt ihre Auftaktgegner.

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BAD KREUZNACH. „Seit unserer Meldung für die Ringer-Bundesliga steht bei unserem Teammanager Oliver Eich das Telefon kaum noch still“, bestätigte Trainer Karl-Heinz Helbing am Rand der Nachwuchs-Rheinlandmeisterschaften ein großes Interesse an den Wrestling Tigers als aufstrebender Ringer-Wettkampfgemeinschaft aus Bad Kreuznach, Langenlonsheim und Bingen. Inzwischen hat man bereits ein erstes Schautraining absolviert, in dem sich Interessenten vorstellen und empfehlen konnten. „Ein, zwei interessante Kandidaten waren dabei“, sagte Helbing. Andere waren für den Oberliga-Unterbau interessant, der als mögliches Sprungbrett dienen könnte. Jedenfalls haben die Verantwortlichen noch einige Gespräche vor sich.

Rückholaktionen sind von Erfolg gekrönt

Großen Wert legte Helbing darauf, die eigenen Leute zurückzuholen. Für die Kontaktaufnahme gibt es den kurzen Dienstweg: Wassil Ivanov, gleichzeitig auch Jugendtrainer der WKG Untere Nahe und Biourn Mayer traten zuletzt zwar für andere Vereine an, trainieren aber immer noch „zu Hause“. Auch Vladislav Wagner absolviert sein Sportprogramm außerhalb der Wettkämpfe in der Region. Sie alle gehen nun wieder für die Tigers an den Start. „Die meisten hatten gleich Interesse signalisiert“, sagt Helbing, dessen Sohn Jannis als erstes unterschrieben hat. Auch die „Eich-Buben“ (Justin und Marcel, Anm. d. Red.) konnte man für ein Comeback motivieren, nachdem sie beim Finalkampf vor großem Publikum wieder etwas Blut geleckt hatten. Zudem werden die Brüder Alfaray sowie die moldawischen Ringer aus Büdesheim bleiben. „Das passt prima“, lobt er die Zusammenarbeit etwa mit Trainer Slawa Maier und Tigers-Vorstandsmitglied Winfried Keil.

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Mächtig stolz ist Helbing dabei auf den Ringerraum im Keller der Jahnhalle, in dem auch der Landesstützpunkt trainiert. Der Raum wurde mit Unterstützung des VfL im Vorjahr mit Blick in die Zukunft optimal hergerichtet: „Da träumen andere davon“, schwärmt der Coach etwa von neu verlegten Matten, Kletter- und Zugseilen, Ballfangnetz, Kletterwand, fünf neuen Ringerpuppen, Rundum-Prallschutz an den Wänden sowie der Möglichkeit zur Videoanalyse durch einen Beamer unter der Decke.

Als Hingucker und Motivationsschub hängt zudem ein riesiges Bild von Denis Kudla an der Wand. Dieses Aushängeschild des Ringersports können sich die Tigers natürlich nicht leisten, trotzdem wird sich der Bronzemedaillengewinner von Rio hier die Ehre geben und bei einem angedachten Tag der offenen Tür vor Ort sein.

Oberst verfolgt mit gleich „doppeltem Herzblut“ die aufstrebende Entwicklung der Tigers: Als Leiter des Olympiastützpunkts ist er froh für jeden Bundesligisten in einer Schwerpunktsportart des OSP. Dann schlägt sein Herz aber natürlich auch für seinen Heimatverein VfL mit der Ringerabteilung, in dem er jahrelang Aktiver, Trainer und auch Abteilungsleiter war. Dabei verweist er auch auf die große Tradition dieser Sportart an der Nahe: 1925 und 1928 – lange bevor man etwa an Schifferstadt oder Mainz als Ringerhochburgen dachte – waren Kreuznacher Ringer Deutsche Meister. „Da ist es großartig, dass ein Bad Kreuznacher Verein es wieder in die Bundesliga geschafft hat.“ Das soll natürlich auch nach außen demonstriert werden: Neben Kudla will man auch noch weitere Spitzenathleten zu Aktionen hierher holen – einfach um zu zeigen, dass hier ein Spitzentraining geboten wird und nicht etwa in einer „Gurkenhalle“ trainiert wird.

Strukturell seien die Hausaufgaben gemacht, jetzt müsse auch noch personell und finanziell für die Spitzenliga aufgestellt werden. Gut sei es, dass die Mannschaft zusammen bleibe, dazu müssten noch gezielt Top-Leute gewonnen werden, vielleicht sogar der eine oder andere Bundeskaderathlet. „Für einen so kleinen Club ist das eine Riesensache“, sieht er auch einen großen Schub für die vereinseigene Talentschmiede. Bei der Teamzusammenstellung setzt Helbing gezielt auf Sportler aus der Region – zum einen wegen der Verbundenheit, dann aber auch aus organisatorischen Gründen: „Ich will nicht samstags morgens noch hektisch drei Mann zum Gewicht machen in die Halle bestellen und den einsetzen, der die Vorgabe als erstes erreicht hat – bloß weil der einzufliegende Kämpfer dieser Gewichtsklasse das Flugzeug verpasst hat.“

Was Karl-Heinz Helbing noch am Herzen liegt: „Wir brauchen Sponsoren“, denkt er an die höheren Kosten. Die Schiedsrichter bekommen das Doppelte, haben zudem ab 250 Kilometer Anfahrt das Recht auf eine Übernachtung. Dann wird statt der oft Ehrenamtlichen mit Erste Hilfe-Schein und Arztkoffer ein Mattenarzt benötigt, dazu kommen noch mögliche Ablösen. Geld für die Aktiven gebe es nicht, nur eine geringe Aufwandsentschädigung, die durch die weiteren Fahrten natürlich auch etwas höher ausfallen müsse. „Da hilft uns jeder Euro“, hofft er auf Unterstützung aus der „Sportstadt“.