Turnerinnen bestechen durch ihre Disziplin

Ruhig und diszipliniert in die Standwaage: Mirja Heblich vom MTV. Foto: Heidi Sturm

Bei den Gaumeisterschaften in Bad Kreuznach bestechen die Turnküken durch ihre Leistungen und auch durch Disziplin. Der Mannschaftswettbewerb hat aber auch einen anderen,...

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BAD KREUZNACH. Wenn aus dem Sportbereich der Jakob Kiefer-Halle trotz gut besetztem Mädchen-Wettkampf nur eingängige Melodien vom Fluch der Karibik bis zur Nussknacker-Suite ins Foyer dringen und dazu ein paar leichte Anlauf- oder Landegeräusche, aber kein Geschnatter oder Gekicher der jungen Sportlerinnen, dann kann es sich eigentlich nur um eine Turnmeisterschaft handeln. Denn dort beeindrucken die Turnküken und jungen Fräuleins stets mit ihrer bekannten und eigentlich schon sportarttypischen Disziplin, die man außerhalb des Turnbereichs nur selten erlebt.

Da wird nicht wild herumgerannt, sondern brav auf der Bank gesessen, bis man mit seiner Übung an der Reihe ist, und die Trainerinnen müssen auch kaum mit „Pssst“ zum Still sein mahnen, damit die Konzentration der Talente auf den Geräten nicht gestört wird. Selbst der „Umzug“ zum nächsten Gerät geht ohne große Aufregung und höchst geordnet vonstatten.

Diesmal miteinander, nicht gegeneinandder

200 Mädchen in 25 Mannschaften waren jetzt in zwei Abschnitten bei den Gaumannschaftsmeisterschaften im Gerätturnen dabei, die der MTV Bad Kreuznach in bewährter Manier ausgerichtet hatte. Dieser Wettbewerb, der für die Jüngsten mit den Medaillenplätzen auf Gauebene endet, für die Älteren gleichzeitig die Qualifikation für weitere Wettbewerbe auf höherer Ebene bedeutet, ist bei den Mädchen überaus beliebt. „Das macht ihnen viel mehr Spaß als die Einzelmeisterschaften, und sie freuen sich immer richtig drauf“, unterstrich Gaukunstturnwartin Monika Adrian.

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Ein wichtiger Grund: „Beim Mannschaftswettbewerb treten die Mädchen nicht gegen die Freundin an, sondern mit ihr“, erläutert Adrian, die als langjährige Trainerin beim MTV eine ganze „Rasselbande“ unter ihren Fittichen hat. Durch das Miteinander ist auch weniger Druck vorhanden, weil ein Patzer nicht gleich so schwerwiegend ist: Der kann durch die Streichwertung wieder ausgebügelt werden, was natürlich auch das „Wir-Gefühl“ stärkt. Bis zu sieben Turnerinnen können im Team sein, bei jedem der vier Geräte starten maximal vier, die jeweils besten drei kommen in die Wertung.

Mannschaftszahl auf konstantem Niveau

Beachtlich: Die Mannschaftszahl bewegt sich auf konstantem Niveau, die Teams, die beim letzten Mal verhindert waren, waren jetzt wieder mit dabei. Sehr erfreut war Adrian, dass auch die Turnerinnen der Kunstturnvereinigung Nahetal/Niederwörrebach am Start waren, obwohl sie ihre beim verheerenden Unwetter Ende Mai ihre Trainingsstätte mit allen Sportgeräten verloren haben. Derzeit trainieren die Mädchen wieder in ihren Heimatvereinen.

Trotz Handicap waren die KTV-Talente aber nicht zu toppen: Sie holten – teils konkurrenzlos – fünfmal Gold, zweimal davon als Doppelsieg. Den zweiten Platz im Medaillenspiegel mit drei Gold- und einer Silbermedaille holten sich die Gastgeber, bei denen das Gerätturnen richtig brummt. Mit 45 Kindern im Freitagstraining hat man sogar ein „Luxusproblem“, dass es mitunter schon fast zu viele Kinder sind. Begünstigt wird der Andrang allerdings auch durch den Trainingsbeginn erst um 17 Uhr: Da sind die Kinder aus der Ganztagsschule daheim und kommen wenn auch manchmal etwas müde gerne ins Training. Bei anderen Turnabteilungen oder auch dem MTV-Kinderturnen um 16 Uhr läuft es allerdings deutlich schleppender: „Die sind kräftig am Jammern und Kämpfen“, weiß Adrian.