Kleines, aber feines Feld

So viel Zeit muss sein: Melanie Opp (mit Baby Mayari Pauline) korrigiert als „persönliche Trainerin" die Haltung ihres Partners Frank Gehres beim Kugelstoßen.Foto: Heidi Sturm  Foto: Heidi Sturm

Klein aber sehr fein war das Starterfeld beim 101. Werfertag des VfL Bad Kreuznach im Moebusstadion. „Wir haben unter den Seniorinnen und Senioren neun Starter unter den Top...

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BAD KREUZNACH. Klein aber sehr fein war das Starterfeld beim 101. Werfertag des VfL Bad Kreuznach im Moebusstadion. „Wir haben unter den Seniorinnen und Senioren neun Starter unter den Top Ten ihrer Altersklasse“, freute sich Wettkampfleiter Peter Ovie über hochkarätige Gäste. Die sind teils schon seit Jahren gerne mit dabei, weil sie eben diese ganz besondere familiäre Atmosphäre schätzen, bei der man mitten im Grünen schon fast geruhsam ohne den üblichen Wettkampfstress und große Hektik seine Leistungen erbringen kann.

Stammgäste und Aushängeschilder

Angeführt wurde die „Top-Liste“ im Moebusstadion von Stammgast Helmut Hessert: Der für Schott Mainz startende Horrweilerer Winzer ist die Nummer Eins der deutschen Rangliste – kein Wunder: Die Vorjahressaison krönte der M70-Sportler nach dem Deutschen Titel und der Vize-Europameisterschaft noch mit dem Weltmeistertitel im australischen Perth. Mit am Start waren aus der Region Hammerwerferin Ria Schick (LG Idar-Oberstein) als Führende der W80, Karin Mathes (Ockenheim) als W75-Europameisterin im Speerwerfen und Vierte der Rangliste oder die mehrfache Deutsche Kugelstoß-Meisterin Britta Bender (TuS Kirn) als Rangfünfte.

Angesichts der sportlichen Aushängeschilder konnten die Gastgeber gut das kleine Starterfeld von rund 50 Sportlern mit 120 Meldungen verschmerzen. Traditionell mischten die Gastgeber nicht groß im Wettkampfgeschehen mit, weil sie alle als Kampfrichter anpackten. „Die können nur einmal schnell mitmachen, wenn es gerade passt – sozusagen als Lückenfüller“, schmunzelte der neue Abteilungsleiter Peter Dewein.

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Als Lokalmatadorin feierte Melanie Opp vom MTV Bad Kreuznach ihr Comeback: Den Grund für die anderthalbjährige Sportpause hatte sie gleich mitgebracht: Das sieben Monate alte Töchterchen Mayari Pauline, das auch schon sportbegeistert ist und seinen ersten Schwimmkurs mit Begeisterung absolviert hat. Die Mama hat erst im Winter mit dem Training begonnen, was nach dem langen Nichtstun doch ganz schön schwerfiel. Nach einer Einheit mit dem Medizinball tat sogar das Atmen weh.

Mit dem Ergebnis beim Werfertag war sie aber rundum zufrieden: Die als Ziel gesetzten 8,10 Meter – die Weite, die sie vor 21 Jahren bei ihrem ersten Leichtathletik-Wettbewerb geschafft hatte, toppte sie jetzt um 14 Zentimeter als Zweite der W40. Den Wettkampf sah sie als gute Vorbereitung für das Deutsche Turnfest, zu dem sie unbedingt möchte. Aus ganz besonderem Grund: Dabei hatte sie vor vier Jahren Mayaris Papa Frank Gehres am Lina-Hilger-Gymnasium beim Warten auf den Bus nach Berlin kennengelernt: Der ist ebenfalls MTV-Sportler und war mit der Tanzgruppe Dance Revolution in die Hauptstadt unterwegs.

Den einstigen Handballer und vielfach interessierten Vereinskameraden, der auch bei den Blauen Jungs als CNN-Nachrichtensprecher und im Männerballett der Swinging Bananas aktiv ist, hat Melanie Opp inzwischen mit dem Leichtathletik-Virus infiziert. „Es ist etwas schwierig, macht aber viel Spaß“, sagt Gehres, der jetzt natürlich als Leichtathlet im Wahlwettkampf antreten wird – in den gleichen Disziplinen Kugelstoßen, Sprint, Schleuderball und Weitsprung wie seine Partnerin und Trainerin.

Die achtete jetzt beim vorbereitenden Heimspiel natürlich genau auf die Technik, bei der sich Gehres als frisch gebackener M50-Starter doch etwas umgewöhnen musste. „Die Kugel ist leichter geworden, aber er darf sie natürlich trotzdem nicht werfen“, korrigierte die Trainerin. Das Ergebnis konnte sich aber sehen lassen: Acht Meter waren anvisiert, 7,90 Meter bedeuteten Platz eins.

Brauns Trainerkarriere läuft langsam aus

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Ein bekanntes Gesicht im Moebusstadion war auch Trainer Thomas Braun, der jetzt mit knapp 63 Jahren in der „Ausschleichphase“ ist, wie er schmunzelnd erläutert: „Ich bin lange genug in ganz Deutschland auf Wettkämpfen herumgefahren“, sagte der Duchrother, der einst auch der erste Trainer vom späteren Speerwurfweltmeister Matthias de Zordo war und bis zum vergangenen Jahr die Bundeskader-Speerwerferin Christin Schneeberger unter den Fittichen hatte.

Jetzt lässt Braun seine Trainerkarriere langsam ausklingen. Sein einziger Schützling Thomas Kastner (M30) verpasste zwar knapp die angepeilten zwölf Meter im Kugelstoßen, stellte aber mit 11,93 Meter einen persönlichen Rekord auf. Und die zwölf Meter werden in dieser Runde wohl noch fallen: „Schaumermal“, lächelte der Trainer vielsagend.

Gute Ergebnisse lieferten im Kugelstoßen, M30: 1. Thomas Kastner (TuS Duchroth) 11,93m. – W55: 2. Jutta Markert (VfL) 8,05m. Hammer, M70: 2. Peter Ovie (VfL) 33,75m.