Verzögerungen und Visionen bei der Boris Becker Academy

Khaled Ezzedine, Gründer und Bauherr der Boris Becker International Tennis Academy in Hochheim, beim Rundgang über die Baustelle.  Foto: Rolf Lehmann

Gründer Khaled Ezzedine spricht über hohe Stahlpreise, Tennisplätze in schwindelerregender Höhe und ein Prädikat, welches die Akademie in Hochheim erhalten soll.

Anzeige

HOCHHEIM. Erst Corona, dann der Krieg in der Ukraine - verbunden mit weltweiten Lieferengpässen, Energieversorgungsängsten und damit einhergehenden Kostenexplosionen. Viele Großprojekte ruhen derzeit oder drohen ganz gestrichen zu werden. Während die Zeiten schlecht sind für die Umsetzung von Visionen, gibt sich Khaled Ezzedine, Gründer der im Bau befindlichen Boris Becker International Tennis Academy in Hochheim, unbeirrt von derlei Unwägbarkeiten und spricht erstmals von Bauphase drei. Von weiteren 200 Zimmern in einem zweiten, ebenfalls von der Dorint Gruppe betriebenen Hoteltrakt, inklusive Tagungsraum für bis zu 750 Personen und 40 großzügig bemessenen Suiten, in denen sich Eltern zusammen mit ihren Kindern einquartieren können, um deren sportlichen Werdegang hautnah miterleben zu können.

Der Clou: Während unterhalb der dann dritten Tennishalle eine Tiefgarage mit 200 bis 220 Plätze das Parkproblem zumindest weitgehend lösen soll, ist in schwindelerregender Höhe auf dem Dach der Bau von vier weiteren Freiluftplätzen geplant. Das allerdings ist - dass muss selbst der Bauherr einräumen - vorerst noch Zukunftsmusik. Baubeginn wäre frühestens im Frühjahr 2025, nachdem die letzten Flüchtlinge das benachbarte ehemalige Tetra-Pak-Verwaltungsgebäude vertragsgemäß im November 2024 verlassen haben und für die dann zusätzlich verfügbare, nochmals gut 12.000 Quadratmeter große Fläche rechtzeitig ein Bauantrag eingereicht und auch genehmigt ist.

Anzeige

Verzögerungen auch wegen Preiskampf auf Weltmarkt

Aber zurück zur Gegenwart: Was ist passiert, seitdem Kritiker des Mammutprojekts noch im vergangenen November das drohende Szenario einer überdimensionalen Bauruine an die Wand gemalt hatten? Aufgeworfene Erdhügel und zwei riesige Kräne lassen von der Frankfurter Straße aus nur erahnen, dass es hinter dem Bauzaun vorangeht. Wenn auch nicht in dem Tempo, wie vollmundig angekündigt. Mit gut einem halben Jahr Verspätung ist mittlerweile die mächtige Bodenplatte des 111 Meter langen und 32 Meter breiten Hauptgebäudes fertiggestellt und ragt fast ein wenig schüchtern aus der riesigen Baugrube heraus. Nur wenige Meter davor sind die ersten sieben Außenplätze entstanden, auf denen seit Mitte des Jahres auch gespielt wird. Die für Juli angekündigte Inbetriebnahme der zweiten Tennishalle, inklusive Indoor Centre Court und 1000 Quadratmeter großem Physio- und Fitnessbereich, ist auf Ende März kommenden Jahres verschoben.

Die wesentlichen Gründe für die Verzögerung: Zum einen liege laut Ezzedine erst seit drei Wochen eine notwendig gewordene neue Baugenehmigung vor, nachdem das Brandschutzkonzept infolge des Zukaufs eines weiteren Grundstücks komplett habe überarbeitet werden müssen. Zum anderen habe der Preiskampf auf dem Weltmarkt auch vor den Academy-Planern nicht halt gemacht. "Noch vor drei bis vier Monaten lag der Preis für eine Tonne Stahl bei 1700 Euro. Das konnte niemand mehr bezahlen. Derzeit hat er sich wieder bei 1100 bis 1200 Euro eingependelt", sagt der Bauherr und spricht von mittlerweile wieder funktionierenden Lieferketten. "Der Umstand, dass viele andere noch zögern, kommt uns aktuell zugute", betont der 52-jährige Unternehmer zufrieden und weist mit der Hand auf den Eingang, durch den die Spieler eines Tages den momentan noch unter einem großen Erdhügel verborgenen Centre Court, der Platz für bis zu 4500 Menschen bieten soll, betreten werden. "Wenn ein Djokovic einmal bei uns spielen sollte, muss er - von seiner VIP-Kabine aus kommend - somit nicht unmittelbar an den Zuschauern vorbei", erzählt Ezzedine und legt spürbar Wert auf jedes noch so kleine Detail. "Was du in dieser Phase der Planung vergisst, kommt dich später teuer zu stehen."

"Am Ende wird die Academy Gewinn abwerfen"

Apropos teuer: Darauf angesprochen, dass Skeptiker fürchten, das aufwendige Projekt werde sich niemals rechnen, gibt Ezzedine kurzerhand ein paar Zahlen in den Taschenrechner seines Smartphones ein und zeigt auf das Display, das - wie um das Gegenteil zu beweisen - eine achtstellige Summe anzeigt. "Niemand muss sich um mich Sorgen machen. Am Ende wird die Academy Gewinn abwerfen, auch wenn ich einräumen muss, dass ich das Geld auf andere Weise hätte schneller verdienen können", betont der einstige Pilot, der neben Daniel Köhler gleichberechtigter Partner und Geschäftsführer der KD Tennis Academy GmbH ist.

Anzeige

Aktuell trainieren laut Ezzedine rund 200 Kinder in Hochheim, von denen die meisten aus der Region kommen. 13 von ihnen nehmen schon heute den offiziellen Status "Academy-Kind" ein, besuchen vormittags die Obermayr-Schule in Wiesbaden und werden anschließend mit dem Bus zum Training gebracht. "Zusammen mit den festen Abonnenten ist die Halle damit spätestens ab 15 Uhr ausgebucht", zeigt sich der 52-jährige Wiesbadener mit der Auslastung sehr zufrieden.

Mit "Green Academy" den Strom selbst erzeugen

Wenn die Preise für ein Winter-Abo um rund zehn Prozent hätten angepasst werden müssen, dann sei dies ausschließlich den gestiegenen Energiekosten geschuldet. Eine Maßnahme, die langfristig wegfallen dürfte. Nicht zuletzt dank Photovoltaik-Anlagen auf allen verfügbaren Dachflächen soll das Mammutprojekt eines Tages das Prädikat "Green Academy" erhalten und komplett seinen eigenen Strom erzeugen. Eine Maßnahme, die - wie Ezzedine betont - lange vor dem Krieg in der Ukraine getroffen werden sei: "Einfach, weil sich das mit Rücksicht auf die Zukunft unserer Kinder so gehört."