Löwen wollen „viel wiedergutmachen“

(dpa/lsw). Ein Banner unter dem Hallendach der Mannheimer SAP-Arena erinnert die Rhein-Neckar Löwen bei jedem Heimspiel an ihre erfolgreichen Zeiten. Sie sind noch gar nicht...

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MANNHEIM. (dpa/lsw). Ein Banner unter dem Hallendach der Mannheimer SAP-Arena erinnert die Rhein-Neckar Löwen bei jedem Heimspiel an ihre erfolgreichen Zeiten. Sie sind noch gar nicht so lange her – und scheinen doch weit weg zu sein. Denn das Banner trägt den Namen des Trainers Nikolaj Jacobsen, der den Handball-Bundesligisten 2016 und 2017 zur Meisterschaft und 2018 zum Pokalsieg führte. Als sich der Däne 2019 freiwillig verabschiedete, begann der sportliche Absturz.

In der Liga steckt der Verein nur noch im unteren Mittelmaß. Daher geht es im Viertelfinale des DHB-Pokals am Sonntag (18 Uhr) gegen Meister THW Kiel nach gerade mal der Hälfte der Saison darum, eine letzte Titelchance zu wahren und die Spielzeit irgendwie noch zu verschönern. „Gegen Kiel können wir viel wiedergutmachen. Aber dieses Spiel ist nicht der Anker, an dem wir uns festhalten“, sagt Geschäftsführerin Jennifer Kettemann. „Wir haben noch mehr Begegnungen, in denen wir zeigen können, was in uns steckt.“

Im Mai 2016 trat die heute 39-Jährige ihren Dienst bei den Löwen an. Damals traf sie nicht nur auf Jacobsen, sondern fand auch erstklassige sportliche Bedingungen vor. Der EHF-Pokalsieger von 2013 stand kurz vor dem Gewinn der ersten Meisterschaft, die Mannschaft war in den Jahren zuvor von Ex-Manager Thorsten Storm und Ex-Trainer Gudmundur Gudmundsson perfekt zusammengestellt worden. Doch als es nach dem Pokalsieg darum ging, die Erfolgsmannschaft umzubauen und den Verlust von Leistungsträgern zu kompensieren, lagen die Löwen mit „der einen oder anderen Personalentscheidung nicht richtig“, räumt Kettemann ein. Die Folgen dieses Missmanagements bekommt der Club nun zu spüren.

Als derzeit Elfter ist bis zum Frühjahr die schlechteste Saison seit dem Bundesliga-Aufstieg 2005 wahrscheinlich. Schon in den vergangenen beiden Spielzeiten blieben die Löwen deutlich hinter den Erwartungen zurück, der stetige personelle Wandel macht sich bemerkbar. Mit dem gerade erst verpflichteten Ljubomir Vranjes, einer Zwischenlösung bis Saisonende, ist der vierte Trainer seit Jacobsens Weggang im Amt. Aus dem Pokalsieger-Team von 2018 stehen nur noch drei Spieler im Kader. Gegen die Bewertung als „Chaosclub“ wehrt sich Kettemann jedoch entschieden. „Wenn man von einem Chaosclub spricht, bezieht sich das auf alle Bereiche. Und das ist bei uns nicht der Fall. Wenige Vereine sind wirtschaftlich so stabil aufgestellt wie wir“, sagt sie.

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In der Tat sorgten die Löwen in der EM-Pause mit einem spektakulären Transfer für Aufsehen, als sie den deutschen Nationaltorwart Joel Birlehm für eine angeblich sechsstellige Ablösesumme aus seinem Vertrag beim SC DHfK Leipzig herauskauften. Mit ihm hoffen die Nordbadener auf eine bessere Zukunft, die bald Sebastian Hinze gestalten wird. Er kommt im Sommer vom Ligarivalen Bergischer HC und soll die ersehnte Langzeitlösung auf der Trainerbank sein. „Er bringt einen Mehrwert bei der strategischen Kaderplanung mit“, sagt Kettemann und spricht damit ein großes Defizit der Löwen in den vergangenen Jahren an. Zu oft handelte der Club zu spät. Zu spüren bekam das Oliver Roggisch, der schon zu Saisonbeginn vom Sportlichen Leiter zum Sportkoordinator degradiert wurde.

Den Schaden für diese Saison soll nun Vranjes begrenzen. Der Erfolgstrainer ist überzeugt, die Löwen aus der Krise führen zu können. Er will mit dem Team in der Bundesliga-Tabelle nach oben klettern und glaubt an eine Chance im DHB-Pokal: „Kiel ist der Favorit, aber wir haben eine Möglichkeit“, sagt er. Zu Jacobsens Zeiten war das eine Selbstverständlichkeit.