HSG Zotzenheim steigt freiwillig ab

Moritz Knura (rechts), hier im Spiel gegen den HSV Alzey, steht der HSG Zotzenheim nach seinem Umzug an den Bodensee nicht mehr zur Verfügung. Archivfoto: BK/Carsten Selak

Die Verbandsliga-Männer und die Rheinhessenliga-Frauen ziehen sich zurück und starten in der Kreisliga neu.

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SPRENDLINGEN. Im Jahr 2003, als mit der TSG Sprendlingen der dritte und letzte Verein der HSG Zotzenheim/St. Johann/ Sprendlingen beigetreten war, haben die „Zotzis“, wie sie gerne liebevoll genannt werden, stolz verkündet: „Mit diesem Zusammenschluss sind die Vorstände der Vereine eine zukunftsweisende Partnerschaft eingegangen, die qualitativ hochwertigen Handballsport ermöglicht.“ Die erste Mannschaft der Männer gehörte seinerzeit der Rheinhessenliga an.

Rund 17 Jahre später, aber nicht als Folge der schweren Coronazeit, machen die Kombinierten, die in der IGS Sprendlingen ihre Heimspiele bestreiten, gleich zwei Schritte rückwärts: Sowohl die erste Männer-Mannschaft als auch die stärkste Formation bei den Frauen starten in der kommenden Saison, wann immer die auch beginnt, freiwillig eine Klasse tiefer. Die Zeichen hatten auch aus sportlicher Sicht auf Abstieg gestanden. Denn beide Teams belegen ziemlich abgeschlagen den letzten Tabellenplatz.

Dann kam Corona und der rheinhessische Verband brach die Saison vor Wochenfrist vorzeitig ab – auch mit dem Beschluss, dass es grundsätzlich keine Absteiger geben wird. Für die HSG bedeutete dies in jedem Fall die Möglichkeit, ihren bisherigen Klassen bei den Männern (Verbandsliga) und bei den Frauen (Rheinhessenliga) weiter anzugehören. Doch nun ist alles anders – vor allem für die Frauen, die künftig nur noch Kreisligist sind, da es dort keine Verbandsliga als Zwischenstufe gibt. Die Männer gehören nunmehr ebenfalls dem Kreisoberhaus an, nur ist der Fall eben nicht ganz so tief.

„Es gab schon vor der Corona-Zeit Gespräche mit den Spielern über einen freiwilligen Rückzug“, sagt Lars Schmitt, Trainer bei den Männern. „Wir haben uns darauf geeinigt, lieber eine Klasse tiefer einen Neuanfang zu starten, sich dort in zwei oder drei Jahren zu gesunden und auch Eigengewächsen Spaß und Erfolgsaussichten zu vermitteln“, erläutert Schmitt. Mittelfristig sportliche Erfolge zu erzielen, sei nun die neue Vorgabe bei der HSG. „Dann kehren vielleicht auch Jugendliche aus anderen Vereinen zurück. Enthusiasmus wird gerade bei jüngeren Spielern geweckt, wenn sie Erfolg sehen. Der ist sicher eher in einer tieferen Klasse möglich.“

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Einen weiteren Grund für den freiwilligen Schritt sieht der HSG-Coach im Kaderpotenzial mit vielen älteren Spielern. So habe man sich auch darauf geeinigt, nur noch mit zwei statt mit drei Mannschaften im männlichen Bereich vertreten zu sein“, schildert er und verweist auf die HSG III, die für die B-Klasse – obwohl dort immerhin Vierter – nicht mehr meldet. Dieses personelle Problem gebe es auch in anderen Sportarten, sogar im Fußball, wo gerade auf dem Land viele Spielgemeinschaften gegründet worden seien. Auf Moritz Knura müssen die „Zotzis“ künftig verzichten. Der Kreisläufer hat seinen Lebensmittelpunkt nach Radolfszell an den Bodensee verlegt. „Sportlich und menschlich ist das ein herber Verlust“, sagt Lars Schmitt.

Frauen-Trainer Markus Bitz, der bekanntlich zur neuen Saison die Rheinhessenliga-Mannschaft des HSC Ingelheim anleiten wird, äußert sich zum Rückzug der Frauen in die Kreisliga: „Dort soll die Mannschaft regenerieren, neue Kraft sammeln.“ Er räumt ein: „Die Mannschaft hat keinen Spaß mehr gehabt, da in dieser unterbesetzten Liga mehrere Spiele ausgefallen sind und wir durchaus noch das ein oder andere davon hätten gewinnen können.“

Die neue auf nur sieben Mannschaften reduzierte Rheinhessenliga sieht er äußerst skeptisch: „Das sind zwei Teams weniger als in der vorher eh schon sehr kleinen Gruppe.“ Ob die vom HVR angesetzte Dreierrunde attraktiver sei – mit an jedem Spieltag einem aussetzenden Team und einer ungleichen Zahl von Heimspielen zwischen zwei Gegnern – da ist er ebenfalls skeptisch. Dafür dürfen die Frauen nun wieder in einer Elfergruppe spielen – da fällt der Rückzug sicher ein klein wenig leichter.