Lilien glückt Befreiungsschlag – 6:1 gegen Ingolstadt

aus SV Darmstadt 98

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Für die Lilien um den 2:0-Torschützen Luca Pfeiffer gab es gegen Ingolstadt viel zu Jubeln. Foto: Jan Hübner

Der Knoten ist geplatzt. Fußball-Zweitligist Darmstadt 98 schießt sich gegen den FC Ingolstadt den Frust der letzten Wochen von der Seele und gewinnt sensationell 6:1.

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DARMSTADT. Was für ein Spiel! Dem SV Darmstadt 98 ist nach drei Niederlagen zum Saisonstart gegen Ingolstadt ein regelrechter Befreiungsschlag gelungen. Die Lilien bezwangen die Schanzer in einer sehenswerten Partie mit 6:1. Die Tore für die Hausherren erzielten Philipp Tietz (29. Minute, 45.+4.), Luca Pfeiffer (39., 66.), Fabian Schnellhardt (45.+2) sowie Braydon Manu (90.+4).

Für das Spiel gegen den FCI nahm Trainer Torsten Lieberknecht drei Wechsel in der Startelf vor. Patric Pfeiffer rückte für Thomas Isherwood in die Innenverteidigung, Fabian Schnellhardt und Neuzugang Klaus Gjasula ersetzten Nemanja Celic und Jannik Müller. Damit einher ging eine generelle Umstellung. Matthias Bader und Kapitän Fabian Holland durften wieder auf ihren angestammten Positionen auf den Außenbahnen ran. Und Emir Karic rückte ins defensive Mittelfeld.

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Stürmer Phillip Tietz erzielte das 1:0 per Kopfball. Foto: Jan Hübner
Stürmer Phillip Tietz erzielte das 1:0 per Kopfball. (© Jan Hübner)

Das Spiel war keine zehn Sekunden alt, als die 4506 Fans am Böllenfalltor das erste Mal die Luft anhielten. Patric Pfeiffer blieb nach einem Kopfballduell am Boden liegen. Nach kurzer Behandlungspause ging es für den Verteidiger jedoch weiter.

Die erste gute Torchance der Partie ging auf das Konto der Lilien. Nach einem schön herausgespielten Angriff landete der Ball bei dem aus dem Rückraum mitgelaufenen Holland, der im vollen Lauf abzog und das Außennetz zum Wackeln brachte. Drei Minuten später musste FCI-Keepern Fabijan Buntic eingreifen, um den strammen Schuss von Gjasula zur Ecke klären zu können. Schon die Anfangsphase der Partie gehörte also ganz klar, dem SV 98, der die Ingolstädter früh unter Druck setzte und dadurch immer wieder in gute Umschaltsituationen kam.

So auch in der 14. Minute als ein langer Ball von Bader den Kopf von Tietz fand, der auf Luca Pfeiffer ablegte. Sein Schuss ging knapp am linken Pfosten vorbei.

Philipp Tietz und Luca Pfeiffer bringen Lilien in Front

In Folge plätscherte das Spiel ein wenig vor sich hin. Doch hatten die Hausherren jederzeit das Zepter in der Hand, waren die Mannschaft, die das Spiel bestimmte und mehr Ballbesitz hatte. Und das konnte in der 29. Minute in etwas Zählbares umgewandelt werden. Ein schön geführter Angriff über Benjamin Goller und Bader wurde von Tietz vollendet, der höher stieg als seine Gegenspieler und zur 1:0-Führung einköpfte. Der Treffer gab den Lilien noch mal einen richtigen Schub. Zwei Minuten nach dem Tor zündeten sie den nächsten gefährlichen Angriff. Luca Pfeiffer hatte ein Auge für Schnellhardt, der den Ball direkt nahm und aus etwa 16 Metern knapp am linken Pfosten vorbei zielte. Doch es schien nur eine Frage der Zeit, bis die Heiner nachlegten. Und so war es. Luca Pfeiffer fasste sich in der 39. Minute aus 18 Metern ein Herz, zog ab und zimmerte das Spielgerät passgenau und sehenswert unter die Latte in den oberen rechten Winkel des Ingolstädter Tores. Man hatte das Gefühl, als hätte Pfeifer all den Frust der letzten drei Wochen in diesen satten Schuss gepackt, aus dem ein Treffer der Marke Traumtor resultierte.

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Drin! Luca Pfeiffer bei seinem Treffer zum 2:0. Foto: Jan Hübner
Drin! Luca Pfeiffer bei seinem Treffer zum 2:0. (© Jan Hübner)

SV 98 zieht noch vor der Pause auf 4:0 davon

Und die Lieberknecht-Elf hatte noch nicht genug. Sie blieb trotz der komfortablen Führung in den Zweikämpfen bissig, ließ den Ingolstädter nichts durchgehen und startete vor der Halbzeit nochmal eine Angriffswelle - die sich mehr als auszahlte. Schiedsrichter Michael Bacher gab in der ersten Hälfte fünf Minuten Zugabe und diese Zeit wussten die Lilien für sich zu nutzen. In der zweiten Minute der Nachspielzeit wurde Goller gelbwürdig von Thomas Keller von den Beinen geholt. Den folgerichtigen Freistoß aus gut zwanzig Metern führte Schnellhardt direkt aus und hatte ein wenig Glück, dass Torwart Buntic den Ball sehr spät sah und ihn durch die Hände ins Tor rutschen ließ - das 3:0 für Darmstadt. Aber es waren ja noch drei Minuten Zeit, um die Führung weiter auszubauen. Und das ließen sich die befreit aufspielenden Gastgeber nicht zweimal sagen. Ein Zusammenspiel zwischen Bader und Tietz führte in der 45.+4. Minute zum schon sensationell anmutenden 4:0 für den SV 98. Tietz musste aus kurzer Distanz nur noch einschieben. Die Partie war damit schon zur Pause so gut wie entschieden.

Zweite Hälfte startet turbulent - Lilien legen nach

Und wer jetzt dachte, dass sich die Partie im zweiten Durchgang ein wenig beruhigt, der wurde direkt eines besseren belehrt. Nur wenige Sekunden nach Wiederanpfiff zeigte der Unparteiische im Strafraum vor Marcel Schuhen auf den Punkt. Gjasula soll Dennis Eckert gefoult haben. Der Unparteiische bekam jedoch einen Hinweis vom Videoassistenten und schaute sich die Szene auf dem Monitor an. Das Ergebnis: Kein Foul, kein Elfmeter. Und es dauert trotzdem nur wenige Augenblicke, bis die Gäste aus Ingolstadt ihren ersten Treffer bejubeln durften. Ein langer Ball segelte über Patric Pfeiffer hinweg, der Stefan Kutschke nur noch hinterher schauen konnte. Der Ingolstädter chippte den Ball leichtfüßig über Schuhen hinweg zum 1:4 aus Ingolstädter Sicht. Eine Warnung für den SV 98, nicht nachzulassen. Das tat er auch nicht. Im Gegenteil. In der 66. stellte er den Vier-Tore-Vorsprung wieder her. Gjasula schickte Luca Pfeiffer mit einem feinen Zuspiel in Richtung Tor. Der Stürmer setzte sich im Laufduell gegen Keller durch und lupfte den Ball über Buntic hinweg ins Glück.

Lieberknecht nahm eine Viertelstunde vor Schlusspfiff einen Doppelwechsel vor. Braydon Manu und Jannik Müller kamen für Doppeltorschützen Luca Pfeiffer und Gjasula. Wenige Minuten vor abpfiff wurden noch Ensar Arslan und Mathias Honsak für Emir Karic und Tietz eingewechselt. Verständlicherweise ließen es die Lilien in der Schlussphase etwas ruhiger angehen. Von den Gästen aus Ingolstadt ging keinerlei Gefahr mehr aus. Und das nutzen die Darmstädter wenige Sekunden vor dem Abpfiff dann doch nochmal für sich: Der eingewechselte Manu setzte dem Spiel die Krone auf und sorgte mit seinem Treffer für den 6:1-Endstand.

Darmstadt 98 - FC Ingolstadt 04 6:1 (4:0) Darmstadt 98: Schuhen - Bader, Pfeiffer, Riedel, Holland - Gjasula (73. J. Müller) - Goller, Karic (88. Honsak) - Schnellhardt (81. Celic) - Pfeiffer (73. Manu), P. Tietz (88. Arslan) FC Ingolstadt 04: Buntic - Heinloth, Neuberger (46. Antonitsch), Keller, Franke (46. Marx) - M. Stendera (46. Preißinger), Linsmayer - Röhl, Bilbija (46. Boujellab) - D. Eckert, Kutschke (78. Kaya) Schiedsrichter: Michael Bacher (Amerang) - Zuschauer: 4500 Tore: 1:0 P. Tietz (29.), 2:0 Pfeiffer (39.), 3:0 Schnellhardt (45.+2), 4:0 P. Tietz (45.+4), 4:1 Kutschke (50.), 5:1 Pfeiffer (66.), 6:1 Manu (90.+4) Gelbe Karten: Gjasula (1), Bader (1) / Keller (1), Preißinger (1) Beste Spieler: Bader, Pfeiffer, P. Tietz / -