Ein Becherwurf bringt das Böllenfalltor kurz zum Beben

aus SV Darmstadt 98

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Einen Treffer erzielt, einen vorbereitet, einen - leeren - Bierbecher an den Kopf bekommen: Tobias Kempe stand beim Spiel gegen seinen Ex-Verein 1. FC Nürnberg oft im Mittelpunkt. Foto: Guido Schiek

Im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg geht Tobias Kempe zu Boden. "Das sind für mich keine Fans, das sind für mich Unruhestifter", sagt der Routinier. Wichtiger ist ihm aber der Sieg.

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DARMSTADT. 65 Minuten waren gespielt am Samstagnachmittag, die Partie in der Zweiten Fußball-Bundesliga zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem 1. FC Nürnberg plätscherte so vor sich hin. Die Lilien führten mit 2:0, ein Aufbäumen des Gegners gab es nicht. Und doch herrschte plötzlich Aufregung im ausverkauften Stadion am Böllenfalltor - wegen eines Bierbechers.

Der und ziemlich viele andere Gegenstände waren aus dem Nürnberger Block geflogen, als Tobias Kempe eine Ecke ausführen wollte. Der Routinier wurde im Nacken getroffen und ging kurz zu Boden. Das Stadion kochte, feindselige Sprechchöre waren die Folge. Kempe machte aber ziemlich schnell weiter - was für ihn spricht. Wäre er länger liegen geblieben, die Situation wäre wohl eskaliert.

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"Dazu braucht man nichts sagen. Die Bilder zeigen es auch", sagte Kempe, der das 1:0 erzielt und das 2:0 vorbereitet hatte, nach dem Spiel. "Die Nürnberger Fans hatten wohl ein bisschen Frust. Das ist unnötig." Groß nachkarten wollte er aber nicht, zumal am Ende ja drei Punkte auf der Habenseite standen. Doch Kempe hat genug erlebt in seiner Karriere, um einordnen zu können, was da passiert war. "Das sind für mich keine Fans, das sind für mich Unruhestifter. Aber wir haben heute gewonnen. Das ist das, was zählt." Was den Anhang der Gäste - der Block war erstmals in dieser Saison ausverkauft - freilich genauso erzürnt hatte wie der blutleere Auftritt ihrer Mannschaft. Becherwürfe sind dagegen aber freilich kein Mittel - Frust hin, Frust her.

Immerhin: Bier bekam Kempe nicht ab. "Der Becher war leer - schade eigentlich", sagte der Getroffene mit etwas Abstand und schon wieder schmunzelnd. "Ein paar Elektrolyte wären sicher nicht schlecht gewesen." Dass seine Vergangenheit beim "Club" - er spielte dort in der Saison 2016/17 - eine Rolle gespielt hatte, glaubte er indes nicht. Viele Nürnberger sind nicht gut auf ihn zu sprechen, weil er im Sommer 2017 nach Darmstadt zurückging und danach immer wieder einmal betonte, dass das Jahr in Franken nicht das schönste gewesen war in seiner Karriere.

"Ich bin ja nicht zu irgendeinem Verein gewechselt, der irgendwo ist", sagte Kempe. "Ich bin wieder nach Darmstadt gegangen. Ich glaube, die Treue zu Darmstadt zeigt, dass auch die Fans in Nürnberg das verstehen müssen. Aber es gibt halt immer Idioten unter den Fans; da kann man nichts machen."

Dem FCN droht nun ein Nachspiel wegen der vielen Gegenstände, die aufs Feld geflogen sind. Trainer Robert Klauß, der deutlich angeschlagen wirkte nach dem desaströsen Auftritt seines Teams, wurde ebenfalls deutlich: "Bitte lasst diesen Scheiß einfach weg. So etwas hat im Fußball nichts verloren", sagte der 37-Jährige. Und fügte hinzu: "Kein gegnerischer Spieler kann etwas dafür, wenn es bei uns nicht läuft."

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