Wormser Aussetzer in der Nachspielzeit

Tevin Ihrig (rechts, Nummer 4) köpft den Ball zur 1:0-Führung der Wormatia bei Eintracht Trier über die Linie. Im Anschluss verteidigen die Wormaten die Führung souverän - bis Trier in der Nachspielzeit zurückschlägt und das Spiel sogar noch dreht. Foto: Sebastian J. Schwarz

Wormatia Worms verliert dramatisch 1:2 (1:0) bei Eintracht Trier. Die Aufstiegsentscheidung ist der Oberliga-Meisterrunde ist somit vertagt.

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TRIER. Freud und Leid liegen im Sport oft nah beieinander. Wenn auf einer Seite gejubelt wird, ist der Frust der anderen Seite meist nicht weit. Und die Enttäuschung. Bei der Wormatia war die riesig nach der 1:2 (1:0)-Niederlage im Spitzenspiel der Oberliga bei Eintracht Trier. Nach 90 Minuten hatte die Mannschaft von Kristjan Glibo schon wie der sichere Sieger ausgesehen. Der Aufstieg bei dann sechs Punkten Vorsprung schien zum Greifen nah. Dann das dramatische Ende. Trier schießt zwei späte Tore und dreht das Spiel in der Nachspielzeit. Das Aufstiegsrennen der nun punktgleichen Konkurrenten ist wieder völlig offen.

Der Blick des Wormser Abwehrchefs Jean-Yves Mvoto war leer, als er nach dem Abpfiff mit gesenktem Kopf in die Katakomben des Moselstadions schlich. Auf den Rängen herrschte Ausnahmezustand. Während die Trierer Zuschauer mit den Spielern auf dem Rasen ekstatisch den nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg bejubelten, herrschte im Wormser Lager Fassungslosigkeit. Abwehrspieler Adrian Kireski kauerte mehrere Minuten geknickt auf dem Rasen des Spielfelds und sagte dann: "Das Ergebnis ist schwer in Worte zu fassen, denn wir haben 90 Minuten lang ein gutes Spiel gemacht." Die Nachspielzeit meinte der Wormser damit explizit nicht. Hatte die Wormatia bis in die Schlussminuten des Spiels keine gefährlichen Torchancen der Trierer zugelassen, schwamm sie in der Nachspielzeit plötzlich. Von der Souveränität aus den vorigen anderthalb Stunden war plötzlich nichts mehr zu spüren. Beim 2:1-Siegtreffer von Jan Brandscheid, der das mit knapp 4500 Zuschauer prächtig gefüllte Moselstadion endgültig in ein Tollhaus verwandelte, stand der Offensivspieler der Eintracht nach einem langen Ball plötzlich alleine vor Worms-Keeper Ricco Cymer. Trotz Fünferkette wohlgemerkt. Eine nicht nur für Wormatia-Coach Kristjan Glibo unfassbare Szene: "Das war naiv von uns und darf niemals passieren."

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Das ganze Spiel über keine Probleme

Wenn das 1:1 in der vierten Minute der Nachspielzeit, als Trier-Linksverteidiger Kevin Heinz per Steckpass bedient wurde und den Ball mit Links über die Linie grätschte, ein Rückschlag war, dann war das 2:1 60 Sekunden später der absolute Tiefschlag. Auch Lennart Grimmer, der trotz eines leichten Muskelbündelrisses 67 Minuten durchhielt, war bedient: "Was soll man nach einem verlorenen Spiel, in dem man bis zur 90 Minute noch geführt hat, sagen? Wenn man so spät noch ein Gegentor kassiert, dann muss man wenigstens das 1:1 halten." Das gelang der Wormatia nicht, obwohl sie über das gesamte Spiel kaum Probleme hatte, die Angriffe der Trierer zu verteidigen. Zwar waren die Gäste in der Offensive selber kaum gefährlich, hatten aber in der Defensive alles im Griff. Trier hatte vorwiegend den Ball, erspielte sich damit aber keine nennenswerten Möglichkeiten heraus. Das Spiel war umkämpft, aber nicht sehr reich an Torchancen. Weil Tevin Ihrig in der 13. Minute nach einem Eckball von Noel Eichinger zur Stelle war und die Führung für Worms besorgte, waren die mehr als 400 mitgereisten Wormatia-Fans bis in die Nachspielzeit hinein dennoch bester Laune. Wenige Minute drauf, war die Wormser Fröhlichkeit nach dem Schlusspfiff des souveränen Schiedsrichters Tom Bauer verständlicherweise weggepustet.

Das Aufstiegsrennen der Oberliga-Meisterrunde geht also in eine neue Runde. Statt 1:0-Sieg und sechs Punkten Vorsprung, muss die Wormatia die verbleibenden zwei Spiele (gegen Karbach und in Gonsenheim) gewinnen, sollte auch Trier (in Mechtersheim und gegen Wiesbach) keine Punkte mehr abgeben. Das bei Punktgleichheit ausschlaggebende Torverhältnis spricht klar zu Gunsten der Wormser (+61 zu +50). Kireski sagt: "Wir brauchen uns nicht anmeckern. Jetzt belohnen wir uns eben in zwei Wochen." Noch auf dem Spielfeld richtete Glibo im Spielerkreis aufmunternde Worte an seine junge Mannschaft. Der Tenor seiner Ansage. "Wir haben alles weiterhin in der eigenen Hand. Jetzt heißt es regenerieren, Köpfe hoch und angreifen."

WORMATIA: Cymer - Kireski, Mvoto, Ihrig - Grimmer (67. Asamoah), Loechelt, Marx, Damaceno - Eichinger (74. Darkaoui), Joachims (87. Knäblein) - Biedermann (60. Kiefer).