Vor Re-Start in Fußball-Regionalliga: Angst und Ambitionen

Im Oktober sah die Welt noch anders aus: Der TSV Schott lief der 05-U23 beim 3:0 den Rang ab. Archivfoto: Vigneron

Vier Trainingswochen hier, zwei da: Die 05-U 23 steht gut im Saft. Schott will den Re-Start hingegen nicht. Coach Meeth berichtet: „Die Jungs haben so kurz vor Weihnachten Angst.“

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MAINZ. Am kommenden Wochenende soll wieder Viertliga-Fußball gespielt werden. Das kam für beide Mainzer Teams in der Regionalliga Südwest gleichermaßen überraschend. Die Vorzeichen allerdings sind äußerst unterschiedliche.

Zwar galt für Amateursport, und als solchen ordnete das rheinland-pfälzische Innenministerium die Regionalliga den November über ein, Spiel- und Trainingsverbot. Doch beim FSV Mainz 05 II war die Phase der individuellen Fitnessübungen schon nach einer Woche vorüber. Eine Sondergenehmigung machte es möglich, dass die, so die Argumentationslinie des FSV, Haupterwerbskicker und Berufsfußball-Azubis wieder im Kollektiv trainieren konnten. U 23-Trainer Bartosch Gaul setzte dabei auf geringstmögliches Risiko, mit vielen Übungen in Kleingruppen und geschlossenen Kabinen. Da auch direkte Zweikämpfe mit maximal 20 Mann auf dem Feld erlaubt waren, konnte der Fußballlehrer mit seinem kleinen Kader in Sachen Trainingsinhalte allerdings in die Vollen gehen. Seitdem das Mainzer Ministerium die Regionalliga zur Profi-Spielklasse erklärte, müssen die 05er nicht mehr daheim duschen, sondern verteilen sich auf die Kabinen am Bruchweg. Noch immer gab es keinen Corona-Fall.

„Wir reden den Jungs immer wieder ins Gewissen, auch im privaten Bereich die Risiken maximal zu reduzieren“, sagt Gaul. Das Fußballer-Herz freue sich auf den Re-Start, in der Gesamtkonstellation sei die Lage schwierig zu beurteilen. Mit einem Testspiel gegen Bayern Alzenau am Samstag (1:1, Niklas Tauer traf für 05) sollte Spielpraxis gesammelt werden. Ob Positionstechniken oder Gruppentaktik, Variantenreichtum mit dem Ball oder Athletikeinheiten, bei denen keine Rücksicht auf Spiel-Frische am Wochenende zu nehmen war – in den letzten vier Wochen konnte Gaul im Training vieles nachholen, was in der Corona-bedingt ungewöhnlichen Vorbereitung und den vielen englischen Wochen liegen blieb. Simon Brandstetter ist wieder fit, neben Giuliano Modica (Reha) setzt aktuell lediglich Michael Akoto aus. Der Defensiv-Allrounder verletzte sich im Profitraining beim Torschuss an den Adduktoren und wird wohl drei Monate fehlen.

Sascha Meeth spricht von „Sisyphos-Aufgabe“

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Diese vier wertvollen Trainingswochen, die den meisten Regionalligisten vergönnt waren, fehlen dem TSV Schott Mainz. Nach der Freigabe durch das Ministerium holte Trainer Sascha Meeth seine Mannen am Dienstag erstmals wieder zusammen und fand eine fitte Truppe, die offenbar daheim akribisch die Fitnesseinheiten abgearbeitet hat, vor. Dennoch sei es eine „Sisyphos-Aufgabe“, nach einem Monat ohne Ball binnen eineinhalb Wochen Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. „Diese Variante bringt für uns den größten Wettbewerbsnachteil“, blickt Meeth auf den Re-Start gegen Gießen, Balingen und Stuttgart II, die allesamt durchtrainieren konnten, ehe zwei Tage vor Weihnachten RW Koblenz kommen soll – wenn die Klage (wir berichteten) keinen Erfolg hat.

Vorher aufgeben will Meeth natürlich nicht. „Die Jungs haben gut gearbeitet, die Trainingseinheiten bisher waren top, und die Schott-DNA haben sie intus.“ Wiedersehensfreude und der Genuss am gemeinsamen Sporttreiben hätten die Stimmung geprägt. Was den Ligabetrieb angeht, ist die Lage indes gemischt. „Wir dürfen nicht, wir müssen wieder spielen“, bringt es Meeth auf den Punkt. „Zum Training drei, vier Mal die Woche würde jeder kommen. Aber alles, was am Spielbetrieb hängt, die Besprechungen, die Reisen, das macht den Jungs so kurz vor Weihnachten Angst.“ Die Stadt hat per Sondergenehmigung die Kabinen auf der Bezirkssportanlage wieder geöffnet, und die Spieler hätten darauf bestanden, dass immer die vier gleichen sich zusammen umziehen und duschen. Infektionsvermeidung first.