Hessenliga: Walldorfs Qualität setzt sich im Derby durch

Arm in Arm: RW Walldorf (links Simon Geisler) kam zum Auftakt der Fußball-Hessenliga zu einem knappen Derbysieg beim VfB Ginsheim (rechts Eleazer Mensah). Foto: Vollformat/Volker

Die Rot-Weißen gewinnen das Hessenliga-Derby beim VfB Ginsheim, der zunächst in Führung geht und dann trotz Unterzahl nicht aufsteckt.

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GINSHEIM. Wenn es nicht nur ums Gewinnen, sondern auch ums Prestige geht, bricht sich gerne mal das Unerwartete Bahn. Dazu gehört ein Außenseiter, der an seine Grenzen geht oder gar über sich hinaus wächst. Und ein Favorit, der strauchelt. Beides geschah gestern in Ginsheim nur bedingt. Die gastgebenden Hessenliga-Fußballer des VfB kämpften wacker, beeindruckten auch mit einer stürmischen Anfangsphase. Dennoch verloren sie das Derby gegen den SV Rot-Weiß Walldorf mit 1:2 (1:1), weil sich die hohe individuelle Qualität des Favoriten, auch wenn spielerisch bei den Gästen vieles hakte, letztlich doch durchsetzte.

VfB-Trainer Matthias Güldener sah in diesem Spielverlauf ein Déjà-vu: Die jüngsten Begegnungen beider Teams „standen alle irgendwie auf Messers Schneide“, sagte der Coach: „Am Ende entschieden Fehler oder Standardsituationen.“ Dass es auch diesmal nicht zu einem Ginsheimer Punktgewinn reichte – im dritten Derby in Folge – enttäuschte Güldener sichtlich, denn: „Mal hatten wir eine bessere Phase, mal Walldorf, zum Schluss wieder wir. Es war ein ausgeglichenes und sehr intensives Spiel.“

„Sand im Getriebe“ seiner Mannschaft hatte RWW-Trainer Max Martin erwartet. Denn der SV Rot-Weiß hat eine schwierige Vorbereitung hinter sich. Eine, die unter geringer Trainingsbeteiligung ob vieler verletzter und urlaubender Spieler litt (wir haben berichtet), weshalb Martin die Seinen vor der Partie mahnte: „Umso mehr müssen wir zusammenstehen und kämpfen – und über diesen Kampf zum Spiel finden.“

Aber schon nach 14 Minuten lief der SV Rot-Weiß einem Rückstand hinterher: Dillon Fosuhene flankte von der rechten Ginsheimer Angriffsseite, und der Ball senkte sich ins hintere Toreck – 1:0. Die Führung entsprach dem Spielverlauf bis dahin. Denn der VfB, griffig in den Zweikämpfen und schnell im Umschaltspiel, bestimmte das Geschehen zunächst. Bis Walldorfs Maximilian Thomasberger, ein ehemaliger Ginsheimer, eine Ecke von André Schneider ins Tor köpfte (20.). „Das Tor lag in der Luft“, sagte Martin ob der Tatsache, dass die Rot-Weißen nach dem Gegentreffer mehr Sicherheit und Spielkontrolle gewonnen hatten. Zuvor hatte das Spiel des Favoriten an vielen Ungenauigkeiten, zuweilen auch Missverständnissen gekrankt.

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Der VfB blieb mit viel Kampfgeist dran am Favoriten. Aber nach der Pause kontrollierten die Rot-Weißen das Derby mehr und mehr. Nico Struwe mit einem wuchtigen Schuss aus der Drehung schoss die Gäste in Führung (54.). Ausgerechnet nachdem der VfB in Unterzahl geraten war, weil Raymond Williams wegen wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte gesehen hatte, löste sich die Walldorfer Umklammerung. „So ist es leider manchmal im Fußball“, sagte Martin dazu: „Man meint, man kann einen Schritt weniger machen. Aber dann kriegt man keinen Druck mehr auf den Ball.“ Mit Kontern und Standardsituationen erzwang der VfB einigen Wirbel im Gästestrafraum, aber eben nicht das Ausgleichstor.

VfB Ginsheim: Staegemann – Mensah, Fosuhene, Akoto, Baljak (85. Latifi), Gansmann, Felek (68. Oriana), Redl, Scholz (59. Makana), Thur, Williams.

SV Rot-Weiß Walldorf: Darmstädter – Herberg, Ludwig, Konaté Lueken (59. Vogt), Schneider, Struwe (69. Deumlich), Thomasberger, Eichfelder, Borger, Dogan (46. Kunert), Geisler.

Tore: 1:0 Fosuhene (14.), 1:1 Thomasberger (20.), 1:2 Struwe (54.). Schiedsrichter: Rühl (Wettenberg). Zuschauer: 200. Gelb-Rote Karte: Williams (Ginsheim/77.).