Güclü läuft den Ex-Kollegen davon

Dicht dran, aber nicht dicht genug: Zwei Frankfurter lassen Schott-Angreifer Kennt Hanner-Lopez nicht passieren. Foto: hbz/Jörg Henkel

Die Begrüßung fällt herzlich aus. „Was biste so schnell geworden?“, ruft Sascha Meeth, halb Kompliment, halb augenzwinkernde Beschwerde, in Richtung Arif Güclü. Der...

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MAINZ. Die Begrüßung fällt herzlich aus. „Was biste so schnell geworden?“, ruft Sascha Meeth, halb Kompliment, halb augenzwinkernde Beschwerde, in Richtung Arif Güclü. Der frühere Stürmer des TSV Schott Mainz hatte an alter Regionalliga-Wirkungsstätte das goldene 1:0 (1:0) geschossen – für den FSV Frankfurt. Weil er ein entscheidendes Sprintduell gewann.

Im Duell Ab- gegen Aufstiegskandidat hatten die Platzherren offensiv losgelegt, doch schon bald fuhr Güclü seinen alten Mannschaftskollegen in die Parade. Zwei dicke Chancen ließ der 28-Jährige liegen, Nummer drei fand den Weg ins Ziel. „Da haben wir gleich dreifach gepatzt“, resümiert Meeth. Fehlpass des emsigen Tolga Demirbas, verweigertes Kopfballduell des sonst zweikampffreudigen Yannick Rinker, verlorenes Laufduell des sonst sicheren Lars Hermann, Heber Güclü, Saisontor Nummer zwölf (10.). Bitter, sagt Abwehrchef Jonas Raltschitsch, aber so ist es nun einmal: Ein Gegner dieses Kalibers bestraft den ersten Fehler, früh im Spiel.

Spiel auf Augenhöhe, aber der letzte Punch fehlt

Was folgte, war ein Duell auf Augenhöhe. „Wir waren top, die Leistung war richtig gut“, sagt Meeth, „aber wenn du so dicht an einem Top-Team dran bist, musst du eigentlich punkten.“ Hermann wollte das Gegentor unbedingt egalisieren, probierte es nach einem Standard per Kopf (30.), nach einem weiteren mit dem langen Bein (90.). Doch das letzte Quäntchen, das aus einem guten einen punkteträchtigen Auftritt macht, fehlte. „Wenn das Spiel unentschieden ausgeht, kann sich niemand beschweren“, betont Meeth – und benennt das entscheidende Manko: „Wir waren oft gut in den Halbräumen, aber der letzte Pass kam nicht. Wir hatten genügend Halbchancen, waren oft im Strafraum, aber die letzte Konsequenz und Genauigkeit hat gefehlt.“

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Hinzu kam eine Problematik, die sich durch die Saison zieht. Der TSV ist keine überharte und schon gar keine rüpelhafte Mannschaft, fängt sich aber bei weitem die meisten Karten ein. Diesmal war es Rinker, der nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot sah (64.), sodass die Mainzer ihre stärkste, widerstandsfreudigste Phase gegen äußerst ballsichere, im Konterspiel aber fahrlässige Gäste sogar in Unterzahl hatten. Eine vertretbare Entscheidung, hält Meeth fest – und sieht zugleich ein chronisches Problem.

Gegen Profi-Teams der abgebrühten Sorte, die bei jedem halbwegs schmerzhaften Zweikampf viel Trara machen, neigen die braven Schottler dazu erst einmal verbal zurückzustecken, sind dann kollektiv genervt. Zwei Gelbe Karten wegen Meckerns gab es diesmal wieder – ein Strudel entsteht. Halten die Mainzer körperlich konsequent dagegen, kommt ein wiederholt feststellbares Gefälle in Sachen Zweikampfbeurteilung gegenüber den „Großen“ hinzu. „Heute war keine spielentscheidende Entscheidung falsch, aber bei den taktischen Fouls wurde – erneut – mit zweierlei Maß gemessen“, sagt Meeth. Das frustriert mit der Zeit und führt zu Zornes-Eruptionen auf der Bank, die wiederum die Unvoreingenommenheit der Gespanne unterhöhlen.

Raltschitsch sucht keine Ausreden. „Es ist die Aufgabe der Führungsspieler auf dem Platz, da voranzugehen. Wir müssen uns auf solche Situationen einstellen. Heute hat es unserer Leistung keinen Abbruch getan“, sagt der Kapitän. Sein Fazit: „Wir haben enorm viel investiert und waren dicht dran. Wir bekommen unsere Leistung wieder auf den Platz. Das sollten jeden von uns positiv stimmen.“ Meeth sieht es genauso: „Auf diesem Spiel lässt sich aufbauen.“

TSV Schott: Hansen – Kern, Raltschitsch, Hermann, Schlosser – Mairose (86. Ahlbach), Rinker – Schwarz, Demirbas (76. Lihsek), Assibey-Mensah (64. Hahn) – Hanner-Lopez (64. Del Vecchio).