Hoffenheimer Talentschmiede beim DFB

Torjubel: Jule Brand (links) trifft bei ihrem Länderspieldebüt gegen Australien zum zwischenzeitlichen 3:0. Kollegin Leonie Maier (Arsenal London) gratuliert der 18-Jährigen von der TSG Hoffenheim. Foto: Jan Hübner

Die TSG hat sich im Frauen-Nationalteam als Zulieferer für junge Talente bewährt. Nun geht es in der Bundesliga zum FC Bayern

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WIESBADEN. Jule Brand hat turbulente Tage hinter sich. Vielleicht war die junge Fußballerin sogar das Gesicht, das aus den gewonnenen Testspielen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen Norwegen (3:1) und Australien (5:2) rückblickend am meisten in Erinnerung bleibt. Ursprünglich stand die 18-Jährige von der TSG Hoffenheim auf Abruf auf der Liste, dann häuften sich die Absagen – und flugs war sie nominiert. Als nach einem falsch positiven Corona-Test von Felicitas Rauch (VfL Wolfsburg) noch drei weitere Leistungsträgerinnen (Lena Oberdorf, Svenja Huth, Sara Doorsoun) abreisen mussten, schlug die Stunde der Nachrückerinnen.

Und so strahlte Brand nach ihren ersten Einsätzen im DFB-Trikot mit einem Tor und zwei Vorlagen in der Wiesbadener Arena über beide Wangen, wobei sich die veranlagte Offensivspielerin in der digitalen Pressekonferenz sichtlich zurückhaltender als vorher auf dem Platz gab. „Schon die Nominierung war wie ein Traum, dass ich mit diesen Spielerinnen hier trainieren darf – und dann auch noch so viele Spielminuten zu sammeln, ist natürlich richtig schön“, sagte Brand, die ihre Schnelligkeit mit ihren Genen erklärte: Die Mutter sei schließlich Leichtathletin, der Vater Handballer gewesen – und Opa Fußballer.

Wie sie der auch erst 20 Jahre alten Klubkollegin Paulina Krumbiegel zur Torpremiere im DFB-Dress verhalf, war sehenswert. „Ich habe mich sehr für Paulina gefreut. Gerade nach dem Australien-Spiel, als Pauli mit ihrer Leistung unzufrieden war. Wir haben ihr Mut zugesprochen, ihr gesagt, dass es okay ist, Fehler zu machen, aber auch bewusst gemacht, dass sie dran bleiben muss“, erklärte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Ebenso erfreut gab sich die Torschützin: „Der Lehrgang war sehr aufregend und es war definitiv Flexibilität gefragt, aber wir haben die Situation als sehr junge Mannschaft gut gemeistert.“

Weil auch Tabea Waßmuth, 24, in der Startelf stand, hat ein Hoffenheim-Trio genügend Selbstbewusstsein für das Spitzenspiel in der Frauen-Bundesliga gesammelt. Die TSG-Frauen treten am Samstag (18.30 Uhr) auf dem Münchner Campus beim Spitzenreiter FC Bayern an. Selbst eine Niederlage würde Hoffenheim nicht zurückwerfen, der zur Champions-League-Qualifikation berechtigende dritte Platz kann danach in den Spielen gegen SV Meppen, SC Sand, SC Freiburg und MSV Duisburg abgesichert werden. Es wäre der Lohn für die gute Basisarbeit.

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Vereine wie TSG Hoffenheim, SC Freiburg, SGS Essen oder neuerdings auch Eintracht Frankfurt erzeugen im Grunde die größten Mehrwerte für den deutschen Frauenfußball: Denn hier wird die junge Garde behutsam aufgebaut. Brand erzählte mit leuchtenden Augen davon, im Kraichgau beispielsweise auch den „Footbonaut“ nutzen zu können.

Selbst DFB-Präsident Fritz Keller war als Augenzeuge in Wiesbaden von Brand, Krumbiegel, Waßmuth und Co. hellauf begeistert: „Bei den Spielerinnen ist ganz viel Zug drin. Eine tolle Mannschaft, die genau zuhört, was ihr die Trainerin sagt.“ Denn auch zwischenmenschlich sind die deutschen Fußballerinnen weiter als bei der WM 2019 in Frankreich, wo es erkennbar untereinander – auch im Binnenverhältnis zu der Bundestrainerin – noch fremdelte. „Im Vertrauensprozess haben wir einen Schritt nach vorne gemacht“, bestätigte Voss-Tecklenburg, die mit Blickrichtung auf die EM 2022 in England sagte: „Ich sehe die Mannschaft auf einem guten Weg. Es ist immer der Anspruch, zum Favoritenkreis zu gehören. Daran arbeiten wir akribisch.“ Und dazu tragen immer mehr Spielerinnen der TSG Hoffenheim bei.