Wortpiratin: Was Achim Beierlorzer als Trainer auszeichnet

aus Mainz 05

Thema folgen
Mit Umsicht und stets um Fairness bemüht trainiert Achim Beierlorzer die Spieler des FSV Mainz 05, findet Wortpiratin Mara Pfeiffer. Archivfoto: dpa
© Archivfoto: dpa

Offen, umsichtig, höflich: Seit vergangenem November trainiert Achim Beierlorzer den FSV Mainz 05. Wortpiratin Mara Pfeiffer wirft einen genaueren Blick auf den Menschen hinter...

Anzeige

MAINZ. Das erste Wort, das 05-Coach Achim Beierlorzer auf Nachfrage benutzt, um die Mainzer*innen zu beschreiben, ist „offen“. Es ist keine allzu steile These, dass ihm diese Eigenschaft deshalb besonders schnell auffällt, weil auch sein eigener Umgang mit Menschen von großer Offenheit geprägt ist. Das ist bei Begegnungen mit dem Fußballlehrer sehr angenehm, für ihn selbst aber sicher nicht ohne Risiko in einem Beruf, in dem er permanent im medialen Fokus steht. Neben seiner Offenheit ist Beierlorzers Auftreten von großer Umsicht und Höflichkeit geprägt. Wenn er sich äußert, ist spürbar, wie er sich um Klarheit bemüht. Zu wissen, wie diese ausgesendete Klarheit täglich in Überschriften gepresst wird, gehört zwar zu seinem Job, es ist aber kaum vorstellbar, dass dies für ihn ein angenehmer Teil des Berufes ist.

Beierlorzer scheut nicht davor zurück, Dinge anzusprechen

Beierlorzer ist denn auch niemand, der davor zurückscheut, anzusprechen, wenn ihn da etwas beschäftigt. Nach dem Spiel gegen den SC Freiburg beispielsweise „sind schon Schlagzeilen zu lesen gewesen, die können was machen mit einem Spieler. Das will ich verhindern.“ Da kommt der Mensch Beierlorzer, der Verantwortung für seine Spieler spürt, zum Vorschein. Natürlich weiß er in diesen Momenten, dass jedes Aufgreifen einer Schlagzeile neue provozieren kann, wenn die Umsicht seiner Formulierung unterwegs verloren geht. Er tut es trotzdem, wiederum bemüht um Eindeutigkeit, Ausgleich, Fairness. Beierlorzer ist niemand, der allen gefallen will, wohl aber jemand, der den Menschen gerecht werden möchte. Das ist ein Unterschied.

Anzeige

Wenn also Timo Horn im Nachgang über den ehemaligen Trainer sagt, der schnelle Wechsel zu einem neuen Verein habe ihn gewundert, kommentiert dieser das mit großer Milde. Wieso sollte er dem Torhüter seine Meinung und Empfindung absprechen? Wenn er über seine 05-Spieler spricht, findet er immer zuerst etwas Positives, bevor er auch Kritisches klar benennt. Fragt man ihn danach, ob er sich im familiären Mainzer Umfeld wohlfühle, betont er, wie gut auch die Zeit in Köln gewesen sei, wie respektvoll der Umgang miteinander, bevor er sich mit spürbarer Zuneigung über Mainz und die Menschen, mit denen er hier arbeitet, äußert.

Vermutlich sind acht Geschwister, drei Kinder und der Job als Lehrer eine gute Schule, um so ausgleichend aufzutreten, wie Beierlorzer das tut. Er ist ein aufmerksamer Gesprächspartner, der in größerer Runde alles und alle im Blick behält, bezogen ist und hinhört. Er spricht gerne, quasselt aber nicht einfach los, sondern nimmt sich Zeit, setzt Pausen, in denen man ihm beim Denken zusehen kann. Ist einer dieser Gedanken erst als Satz in der Welt, muss er ihn loslassen und darauf vertrauen, dass er seinen Weg macht, ganz so, wie er seine Schüler*innen am Ende loslassen musste, seine Kinder, die (fast) erwachsen sind – oder eben jedes Wochenende seine Spieler, wenn er sie auf den Platz schickt. Im Blick behält er sie natürlich dennoch.

Losgelassen hat der Trainer mittlerweile auch seinen Beamtenstatus, weil er sich entscheiden musste, ob er weiter Vollzeit als Trainer arbeitet oder sich den Weg zurück offenhält. Er kann zwar im Angestelltenverhältnis wieder als Lehrer einsteigen, die Sicherheit der Pension aber hat er aufgegeben, um einen „Traum zu leben, den ich so gar nicht hatte“. Wenn Beierlorzer solche Sätze sagt, nickt er ihnen manchmal hinterher, wie um sich von ihnen zu verabschieden. Er wirkt wie einer, der sich gerne Zeit nimmt, und der sich in der nun normalisierten Situation deutlich wohler fühlt, als in den Wochen vor der Winterpause, als so viel in so wenige Stunden gequetscht werden musste. Bei seiner letzten Station hat ihm am Ende just diese Zeit gefehlt. Es wird spannend sein, zu beobachten, was der Trainer und Mensch Achim Beierlorzer mit der entsprechenden Zeit in Mainz entwickeln kann.

Mara Pfeiffer ist freiberufliche Journalistin und Autorin. Unter anderem von "111 Gründe, Mainz 05 zu lieben" (mit Christian Karn). Aktuell erschienen: "Im Schatten der Arena - der Mainz-05-Krimi". Homepage: www.marapfeiffer.de Mara Pfeiffer bei Twitter: Wortpiratin

Anzeige

Von Mara Pfeiffer