Wo bleiben die jungen Eintracht-Talente?

aus Eintracht Frankfurt

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Mehrere Kicker von Eintracht Frankfurt bei einem Spiel.  Symbolfoto: dpa

Eintracht Frankfurt hat einige Nachwuchsprobleme: Aktuell schafft keiner von ihnen den Sprung zu den Profis. Doch woran liegt das? Ein Blick auf die aktuellen Probleme der...

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FRANKFURT. Drei Spieler aus der letzten U19 hat die Frankfurter Eintracht mit Profiverträgen in den Bundesliga-Kader befördert. Den Abwehrspieler Yannick Brugger, den Mittelfeldspieler Lukas Fahrnberger und den Stürmer Jabez Makanda. Alle drei durften beim Freundschaftskick gegen die Würzburger Kickers (0:3) vorspielen und bei allen dreien wurde deutlich, dass noch viel, sehr viel, fehlt, um in absehbarer Zeit auch nur in die Nähe von Bundesliga-Einsätzen zu kommen.

Nun ist das keine wirkliche Überraschung bei der Eintracht, die es seit Jahren nicht mehr fertigbringt auch nur einen ihrer Jugendspieler so gut auszubilden, dass er eine echte Alternative für die Profimannschaft wird. Dass Jahr für Jahr einige Spieler nach oben gezogen werden und dem Kader angehören, hat meist nur damit zu tun, dass die deutsche Fußball-Liga in der Lizensierungsordnung acht lokal ausgebildete Spieler vorschreibt. Mit der Qualität der einzelnen Spieler scheint ein Profivertrag bei der Eintracht also zunächst einmal wenig zu tun zu haben.

Ehemalige Profis unter den Trainern

Sportvorstand Fredi Bobic hat das Problem durchaus erkannt und versucht, es mit personellen Änderungen und höherem finanziellen Einsatz aus der Welt zu schaffen. Nach und nach wurden die Trainer der Leistungsmannschaften ersetzt, unter anderen wurde Eintracht-Legende Alexander Schur als Coach der U19 abgelöst. Der langjährige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), Armin Kraaz, musste ebenfalls gehen, für ihn kam Weltmeister Andreas Möller. Vor drei Jahren hatte Bobic als Bindeglied zwischen Jugend und Profis Marco Pezzaiuoli als „Technischen Direktor“ installiert. Der kurzfristige Erfolg war gleich Null, Pezzaiuoli ist in der Jugendarbeit schon wieder Geschichte, darf jetzt ab und zu bei den Profis die Reservisten trainieren.

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NLZ-Boss Möller hat in Absprache mit Bobic einen neuen Ansatz im Trainerteam gewählt. Ehemalige Profis sollen dafür sorgen, dass den Talenten der Sprung zu den Profis leichter fällt. Thomas Broich in der U15, Alex Meier in der U16, Ervin Skela in der U17 und Jürgen Kramny in der U19 sind prominente Verstärkungen in verantwortlichen Positionen. Ob das alleine hilft? Immerhin wird am Riederwald seit einigen Monaten an einer mannschaftsübergreifenden Spielphilosophie für alle Jugendteam gearbeitet. System, Ausbildung, Verhalten, all das soll endlich zusammengefasst und umgesetzt werden. „Das geht nicht heute auf morgen“, bittet Möller um Geduld.

Eine grundsätzliche Verbesserung herbeizuführen ist bitter nötig. Da genügt ein Blick auf jene Spieler, die in den letzten vier Jahren von unten nach oben gekommen sind. Im Sommer 2016 war das Enis Bunjaki, Jugendnationalspieler. Ohne Bundesligaspiel wurde er ein Jahr später wieder abgegeben, spielt jetzt in der Hessenliga beim SC Hessen Dreieich. Ein Jahr später waren es Deji Beyreuther (TSG Hoffenheim II/Regionalliga), Nelson Mandela Mbouhom (Bayern Alzenau/ Regionalliga), Leon Bätge (VSG Altglienicke/ Regionalliga) und Renat Dadashov (GC Zürich/ Zweite Liga Schweiz). Kein einziger spielt mehr bei der Eintracht, keiner einziger spielt in den beiden oberen deutschen Profiligen. Nicht anders ist es den Besten aus dem Sommer 2018 gegangen.

Patrice Kabuya (HSV II/ Regionalliga), Tobias Stirl (Wolfsburg II/ Regionalliga) und Mischa Häuser (FSV Frankfurt/ Regionalliga), sind längst in der vierten Liga verschwunden. Und in diesem Sommer? Nils Stendera wurde zu Lok Leipzig (Regionalliga) verliehen, Sahverdi Cetin hat einen Vertrag beim türkischen Erstligisten MKE Ankaragücü, ist bislang dort ohne Einsatz. Und Patrick Finger, vor zwei Jahren noch Jugendnationalspieler, hat seine Karriere im Grunde beendet und kickt noch ein bisschen in der 8.Liga bei Olympia Biebesheim.

Ein strukturelles Problem?

Seit 2016 sind dies genau elf Spieler, eine ganze Mannschaft also, die gewogen und für zu leicht befunden wurden. Spieler, die zum Teil in Jugendnationalmannschaften eingesetzt wurden, sich danach aber nicht mehr weiterentwickelt haben oder weiterentwickeln konnten. Alles zusammen können das keine Zufälle mehr sein. Vielmehr wird ein strukturelles Problem in der Frankfurter Nachwuchsarbeit deutlich. Richtig große Talente fördert der Riederwald nicht mehr zutage. Junge Spieler holt sich die Eintracht inzwischen aus dem Ausland, wie beispielsweise Evan Ndicka oder Tuta. Zudem fehlt die im Jahr 2014 abgeschaffte U23 kolossal, quasi als Zwischenaufenthalt für talentierte Spieler, die noch reifen müssen.

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Parallel zu der fehlenden Kaderauffrischung von unten nach oben, dümpelt auch das Flaggschiff der Jugendabteilung, die U19 sei vielen Jahren vor sich hin. 2018 wurde der Abstieg bei Punktgleichheit mit dem SV Wehen Wiesbaden mit einem einzigen (!) Tor verhindert. Ein Jahr später war es ein Punkt, den die Eintracht vor dem 1.FC Nürnberg und dem 1.FC Kaiserslautern zum Klassenerhalt ins Ziel rettete. Im letzten Jahr immerhin, der Technische Direktor Pezzaiuoli hatte als Trainer ausgeholfen, lag die Eintracht beim Corona-Abbruch auf dem sicheren sechsten Platz der Junioren-Bundesliga Süd/Südwest. Diese Saison hat jetzt wieder denkbar schlecht begonnen. Zwei Spiele gegen den VfB Stuttgart (0:2) und Mainz 05 (0:2), null Punkte, null Tore.

Von Peppi Schmitt