Was für eine Bescherung: Dost verlässt Eintracht Frankfurt

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Mittelstürmer Bas Dost verlässt Eintracht Frankfurt und wechselt zum FC Brügge.  Archivfoto: dpa

Finanzielle Entlastung, aber sportliche Schwächung für die Eintracht: Mittelstürmer Bas Dost wechselt zum FC Brügge.

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FRANKFURT. Auf dem monatlich erscheinenden Hochglanz-Magazin der Frankfurter Eintracht bejubelte im Dezember auf dem Titelbild Bas Dost eines seiner fünfzehn Tore für die „Adler“. Am 24.Dezember haben Spieler und Trainer ihre Fans auf der Homepage Weihnachtsgrüße gesendet. Als erster im Bild: Bas Dost. Ein paar Stunden später, tatsächlich am Heiligen Abend um 18 Uhr, war Dost weg und alle Marketing-Effekte nur noch Makulatur.

Da hat die Eintracht den Wechsel des 31 Jahre alten Mittelstürmers zum FC Brügge vermeldet. Ein Transfer am Weihnachtsabend, das gab´s in der langen Geschichte des Klubs auch noch nicht und macht die ganze Aufgeregtheit des Geschäfts überdeutlich. Es war so eine Art Bescherung unter dem Weihnachtsbaum für alle Beteiligten. Der belgische Meister und aktuelle Tabellenführer konnte sich auf die Schnelle noch mit einem international erfahrenen Mittelstürmer verstärken, der holländische Stürmer bekommt die Möglichkeit, sich aktuell in der Europa-League und in der nächsten Saison wahrscheinlich in der Champions-League zu präsentieren. Und die Eintracht kann ihre finanziellen Nöte wenigstens etwas lindern. Etwas mehr als vier Millionen Euro an Ablöse haben die Belgier bezahlt, dazu kommt die Ersparnis von rund vier Millionen Euro Gehalt, die Dost noch bis zum Ende der Vertragslaufzeit im Sommer 2022 bezogen hätte.

Finanzielle Sicherheit wichtig für die Eintracht

Sportvorstand Fredi Bobic hat in der offiziellen Mitteilung gar keinen Hehl daraus gemacht, dass in diesen schweren Zeiten die wirtschaftliche Sicherung über dem sportlichen Erfolg steht. „Die oberste Maxime in dieser Zeit ist, wirtschaftlich sinnvoll und zum Wohle von Eintracht Frankfurt zu handeln.“, sagte Bobic. Insgesamt handele es sich um eine „lukratives Gesamtpaket“ für den Klub. Die Eintracht habe Bas Dost „einen Wunsch erfüllt“, fügte der Frankfurter Fußball-Boss hinzu. Wohl in erster Linie aber auch sich selbst.

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Der einzige, für den es eine Bescherung im negativen Sinne sein könnte, ist Trainer Adi Hütter. Stand jetzt, in den Tagen vor dem Jahreswechsel, steht seine Mannschaft deutlich geschwächt da. Denn neben Dost wird ja auch bald David Abraham fehlen, der Mitte Januar seine Karriere beenden und in seine Heimat Argentinien zurückkehren wird. Zudem ist davon auszugehen, dass mit Danny da Costa zumindest noch ein weiterer Profi den Klub in der winterlichen Transferperiode verlassen wird. Da Costa wird vor allem mit dem Nachbarn Mainz 05 in Verbindung gebracht. Auch ihn würde die Eintracht gerne verkaufen, der Marktwert des 27 Jahre alten Verteidigers beträgt sieben Millionen Euro (Quelle: Transfermarkt.de). So viel freilich wird kaum ein Bundesligaverein zahlen können und wollen, ein Leihgeschäft ist wahrscheinlicher und bei einem noch bis 2022 laufenden Vertrag auch möglich.

Der Kader wird also in Quantität und Qualität ausgedünnt. Während Abraham und Da Costa aus den eigenen Reihen ersetzt werden sollen, wird die Eintracht sich für den Angriff von außen verstärken müssen. Im Sturm ist von der ursprünglichen Besetzung aus dem letzten Sommer nur noch André Silva übrig. Ragnar Ache befindet sich nach einer Operation noch in der Reha und vor Dost wurden ja schon Goncalo Paciencia (Schalke) und Dejan Joveljic (Wolfsberger AC) verliehen. Nur mit Silva wird die Eintracht sicher nicht in den langen Saisonteil im neuen Jahr gehen, das wäre auch fahrlässig. Damit der Dost-Transfer tatsächlich zu einer deutlichen Entlastung des Budgets führen wird, werden die Frankfurter sicher keinen neuen Angreifer „kaufen“, sondern ein Leihgeschäft bis zum Ende der Saison bevorzugen, idealerweise mit einer anschließenden Kaufoption.

Jovic zu teuer?

Den größten sportlichen Ertrag könnte eine Rückholaktion von Luka Jovic ergeben, den die Frankfurter im Sommer 2019 für über 50 Millionen Euro an Real Madrid verkauft haben, der dort aber keine sportliche Perspektive mehr hat. Doch Jovic bezieht ein so hohes Gehalt bei den „Königlichen“, dass die Eintracht ihn sich inklusive Leihgebühr wohl nicht leisten kann. Es sei denn Real würde Teile des Gehalts weiterhin übernehmen. Spekuliert wird auch über eine vorzeitige Rückkehr von Joveljic (21), der inzwischen in der österreichischen Liga und in der Europa-League acht Treffer für Wolfsberg erzielt hat. Freilich gibt es den ernst zu nehmenden fachlichen Einwand, dass es gar nicht gut wäre, eine so positive Entwicklung vorzeitig zu unterbrechen und Joveljic zunächst wieder einen Bankplatz in Frankfurt zuzuweisen. Ganz abgesehen davon, ob die vertragliche Lage es überhaupt zulassen würde, ihn vorzeitig zurückzuholen.

Die Eintracht wird sich also eher auf den Reservebänken anderer Klubs, es fällt immer wieder der Name Joshua Zirkzee vom FC Bayern, oder im Ausland umsehen, um Dost halbwegs zu ersetzen. Einen ähnlichen Qualitätsspieler wie den Holländer, der in 43 Pflichtspielen immerhin 15 Tore erzielt hat, werden sie in Frankfurt sowieso nicht so leicht bekommen.

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Von Peppi Schmitt