Rot-weißer Wirbelsturm an der Weser: Mainz 05 siegt 5:0 in Bremen

aus Mainz 05

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Der Mainzer Robin Quaison (r) jubelt mit Adam Szalai über sein Tor. Foto: dpa

Furios fegt Mainz 05 über den Kellernachbarn Werder Bremen hinweg. Herausragend beim 5:0 (4:0)-Auswärtserfolg war vor allem ein Spieler.

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MAINZ. 5:0-Wahnsinn an der Weser: Wie ein Wirbelwind fegen völlig losgelöste Mainzer über ein bemitleidenswertes Werder Bremen. Die 05er erwischen einen Sahnetag, an dem fast alles gelingt. Die Rheinhessen zerlegen ihren Kellernachbarn im Schnellverfahren, bereits zur Pause führen die zuletzt zweimal sieglosen und trotzdem selbstbewusst auftretenden Mainzer 4:0. Aus einem starken Kollektiv ragt der Schwede Robin Quaison heraus, der binnen 28 Minuten seinen ersten Dreierpack in der Bundesliga schnürt. Für den krönenden Abschluss sorgt der wieder eingewechselte Jean-Philippe Mateta mit seinem ersten Saisontor. Und noch eine gute 05-Nachricht neben dem 5:0-Rekordsieg in der Fremde: Zum ersten Mal in dieser Spielzeit hielt Robin Zentner seinen Kasten sauber. Die Schießbude der Liga steht nun: im Bremer Weserstadion. Was die 37.720 Zuschauer mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert quittierten, während die 300 mitgereisten 05-Fans ihre Helden feierten.

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Furios und kurios: Dass es kein Spaziergang am Osterdeich werden würde, war allen Beteiligten des Kellerduells irgendwie klar. „Gemeinsam durchs Gewitter“, gab der „Weser-Kurier“ den angeschlagenen Bremern mit auf den Weg - nicht ahnend, dass aus dem Gewitter in Windeseile ein rot-weißer Tornado werden würde. Der fegte über alle Grün-Weißen hinweg. Unaufhaltsam. Unfassbar. Überragend. Und weil es sich ja um die Mainzer handelte, die das Weserstadion in seinen Grundfesten erschüttern ließen, musste man sich mehrmals kneifen, ob das wirklich real war. War es! Die 05er agierten furios und kurios. Wichtiges Intro: Robin Zentners Tat gegen Bremens Angreifer Yuya Osako (8.). Kurz darauf ging die Post ab. Einen langen Ball von Zentner leitete der emsige Adam Szalai mit der Brust weiter, Levin Öztunali passte den Ball in die Schnittstelle, in der Robin Quaison auftauchte und direkt einschweißte (10.) - zack, zack, zack führte eine der besten Kombinationen der Saison zum 1:0. Und eine der kuriosesten Szenen der Bundesliga-Spielzeit sorgte für Kopfschütteln und einen zurückhaltenden zweiten Jubel bei den Mainzern. Beim Versuch, Öztunalis Flanke zu verbannen, bugsierte Milos Veljkovic den Ball an den Pfosten, der Abpraller klatschte an den Rücken des machtlosen Keepers Jiri Pavlenka und ins Tor (0:2, 15.). Danach lief es wie am Schnürchen. Das Selbstbewusstsein und die Leichtigkeit des Seins verliehen Flügel. Der starke Jean-Paul Boetius schickte Robin Quaison im richtigen Moment auf die Reise, der Schwede vollendete im Stile eines Torjägers zum 0:3 (19.). Und der Wahnsinn ging weiter: Ecke Aaron, Kopfballverlängerung Szalai und am langen Pfosten donnerte Quaison unter die Latte (0:4, 38.) - sein dritter Treffer binnen 28 Minuten. Aus dem befürchteten Gewitter war auf Bremer Seite längst ein Sturm der Entrüstung geworden. Ohrenbetäubende Pfiffe aus der Ostkurve, Begeisterung bei den 300 mitgereisten 05-Fans.

Bleibt die Null stehen: Im Grunde sollten die entscheidenden Fragen des Abends mit dem überragenden ersten Akt beantwortet sein. Blieb nur der große Wunsch des Mainzer Keepers Robin Zentner, endlich mal mit einer weißen Weste das Stadion zu verlassen. Die 05er, die dieses Mal auch viel mehr und besser miteinander kommunizierten, warteten die Bremer Reaktion ab. Und setzten vereinzelte Konter, die im Ansatz vielversprechend anmuteten, aber nicht abgeschlossen wurden. Levin Öztunali, der sich auf der rechten Mittelfeldseite im 4-4-2 austobte, zwang Pavlenka nach einem starken Solo zur Parade (59.). 24 Minuten vor dem Ende wechselte 05-Coach Achim Beierlorzer Jean-Philippe Mateta für Angriffsarbeiter Adam Szalai. Und als Werder-Trainer Florian Kohlfeldt kurz darauf die Liga-Legende Claudio Pizarro ins Spiel brachte, machte sich auch kurz noch mal der enttäuschte Werder-Anhang bemerkbar. Und siehe da: Der 05-Schreck Pizarro ließ 120 Sekunden nach seiner Einwechslung das Nebelhorn ertönen, das bei Werder-Toren eingespielt wird. Allerdings wurde sein 14. Pflichtspieltor gegen die Rheinhessen abgepfiffen. Schiedsrichter Frank Willenborg hatte bei der Aktion ein Handspiel entdeckt. Zentners Null hatte Bestand.

Und dann trifft auch noch...: Jean-Philippe Mateta! Zehn Minuten durfte er gegen Dortmund ran. Dieses Mal nahm der Franzose eine gute Viertelstunde am Geschehen Teil, als er nach feiner Vorlage von Boetius seinen ersten Treffer seit Mai erzielte (81.).