Mainz 05 und die verfluchte Führung

aus Mainz 05

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Auch bei den beiden Testspielen im Trainingslager gegen den SC Freiburg verspielte der FSV Mainz 05 eine 2:0-Führung. Foto: rscp

Wirklich wegdiskutieren lässt sich dieses Problem derzeit nicht. Wenn der FSV Mainz 05 im Jahr 2019 in Führung geht, tut sich der Bundesligist schwer damit, diese Führung ins...

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MAINZ. Ali Cakici und Markus Weinzierl standen am Ende mit leeren Händen da. Die Trainer der TuS Marienborn und des VfB Stuttgart haben in diesem Jahr bereits mit ihren Mannschaften gegen den FSV Mainz 05 verloren. Kein Wunder – sollte man meinen – schließlich hatte sowohl der Verbandsligist als auch der Fußball-Bundesligist zur Halbzeit gegen die Rheinhessen bereits 0:2 zurückgelegen. Ein sicheres Polster, das den Mainzern doch zum Sieg reichen müsste.

Doch so einfach sieht die Sache im Jahr 2019 bei den 05ern nicht aus. Spätestens seit dem fast verspielten Vorsprung beim 3:2-Erfolg am Samstag in Stuttgart ist vom Testspiel-Syndrom die Rede. Bekanntermaßen hatte die Mannschaft von Trainer Sandro Schwarz in der Vorbereitung auf die Rückrunde gleich dreimal eine 2:0-Führung verspielt. Und – das konnte nach der Partie in Stuttgart niemand der Beteiligten leugnen – natürlich waren plötzlich wieder diese Bilder im Kopf. Doch wie gravierend ist das Problem verspielter Führungen bei den 05ern wirklich? Die Antwort lautet: Überhaupt nicht gravierend. Zumindest nicht in der aktuellen Bundesligasaison.

Da haben die Mainzer kein einziges Spiel verloren, wenn sie in Führung gegangen sind. Bei der Partie in Nürnberg lag der FSV 1:0 vorne, spielte am Ende 1:1. Und auch im Rhein-Main-Derby gegen Eintracht Frankfurt mussten sich die 05er mit einem Unentschieden zufrieden geben, nachdem sie 1:0 und 2:1 geführt hatten. Doch eine Niederlage nach einem Vorsprung kassierte die Schwarz-Elf tatsächlich nur im DFB-Pokal beim FC Augsburg. Da reichte weder ein 1:0 noch ein 2:1 am Ende zum Sieg.

Der Blick auf die Statistik zeigt: An Zahlen belegen lässt sich das Problem der verspielten Führungen nicht. Es ist ein neues Phänomen, das erst mit Beginn des Jahres 2019 aufgetreten ist. Umso kurioser ist die Häufigkeit, mit der sich Sandro Schwarz seit kurzem diesem Thema widmen muss. „Das zieht sich wie ein roter Faden schon durch die Vorbereitung, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht mehr konzentriert und konsequent genug sind – daran müssen wir arbeiten“, sagte Torschütze Alexander Hack nach der Partie beim VfB.

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Rouven Schröder berichtete von der Kabinenansprache in Stuttgart, die sich darum gedreht habe, nach der Pause weiter fokussiert zu bleiben. „Aber so schnell geht’s im Fußball“, sagte der Sportvorstand der 05er. Natürlich reicht ein Tor, damit der Gegner wieder Hoffnung schöpft. Daran können auch die Mainzer nichts ändern. Ihre Aufgabe ist es, nach solch einem Gegentor gar nicht erst an die verspielten Führungen der Testspiele zu denken. Umso wichtiger war es für die 05er, in Stuttgart drei Punkte einzufahren.

Auch wenn sich das Testspielsyndrom in der Bundesliga bisher nicht wiederfinden lässt, ist dennoch ein Unterschied zwischen den beiden Halbzeiten im 05-Spiel zu erkennen. Zehn ihrer 25 Gegentore haben die Mainzer vor der Pause kassiert, nach der Halbzeit waren es 15. Auch an dieser Stelle gilt es, in den zweiten 45 Minuten noch einmal die Sinne zu schärfen. Ausgeglichen ist die Verteilung hingegen bei den eigenen Toren. Da trafen die Mainzer in jeder Halbzeit jeweils zehn Mal. Hier schert nur einer aus: Jean-Philippe Mateta hat fünf seiner sechs Tore in den ersten 30 Minuten erzielt. Der Franzose ist ein wahrer Frühstarter. Auch das zieht sich bisher wie ein roter Faden durch die Saison der 05er.