Mainz 05: „Für uns zählt nur, dass jemand Mensch ist“

aus Mainz 05

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Mit Ridle Baku (r.), hier im Zweikampf mit Marius Bülter von Union Berlin, verlässt ein echter "Meenzer Bub" den FSV Mainz 05. Archivfoto: dpa

Die Kündigung eines Mitglieds hat bei Mainz 05 Freude ausgelöst. Denn die Person hatte sich zuvor rassistisch geäußert. Der Verein stellt klar: Dafür ist bei den 05ern kein Platz.

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MAINZ. Es herrschte schnell Einigkeit beim 1. FSV Mainz 05. Für diese bemerkenswerte Aktion. Als die Kündigung eines Ex-Mitglieds, das die Hautfarbe der Spieler kritisierte, eintraf, diskutierten die Verantwortlichen nicht lange. Sondern handelten. Um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Der rheinhessische Fußball-Bundesligist ging am Montag ganz bewusst mit dem Wortlaut des Schreibens und der eigenen Antwort darauf an die Öffentlichkeit. Der Verein, der seit jeher für Vielfalt steht und kämpft, zeigte sich bewusst erleichtert über die Kündigung. Und erhielt dafür in kürzester Zeit großen Zuspruch in den sozialen Medien.

Stefan Hofmann, Vereinsvorsitzender des FSV, betonte gegenüber unserer Zeitung: „Die Werte von Mainz 05 kennen keine Hautfarbe. Obwohl wir im Verein gemeinsam mit unseren Fans klar und regelmäßig Position beziehen und uns in unseren sozialen Projekten für Toleranz und Offenheit einsetzen, obwohl für uns Integration im gesamten Verein gelebter Alltag ist, begegnet auch uns Rassismus.“ Es sei wichtig, so Hofmann, „diesen zu erkennen, offen anzusprechen und konsequent zu handeln, um einen wirklichen Bewusstseinswandel zu erreichen. Das sind wir uns und auch unseren Spielern schuldig. Bei Mainz 05 ist kein Platz für Rassismus, das ist der Auftrag unserer Satzung und eine Kernbotschaft unseres Leitbildes.“

Was war passiert? Das Ex-Mitglied hatte in seiner Kündigung geschrieben: „Ich kann mich mit diesem Verein (Profifußball) schon seit Monaten nicht mehr identifizieren! Mittlerweile bekomme ich den Eindruck vermittelt, dass ich beim Africa-Cup bin anstatt in der deutschen Bundesliga. Ich weiß was jetzt kommt, aber nein, ich bin auf keinen Fall rassistisch veranlagt – das verbitte ich mir. Nur, was zuviel ist, ist zuviel.“ Das Ex-Mitglied weiter: „Aber wenn seit Wochen in der Startformation neun (!!!) dunkelhäutige Spieler auflaufen und deutschen Talenten kaum noch eine Chance gegeben wird, dann ist das nicht mehr mein über die Jahre liebgewonnener Verein. (…) Ein Noveski, Bungert, Rose, Babatz, Weiland, Bell usw. standen für Werte und Mentalität. Das waren Kerle, die mit Herzblut dabei waren (…).“

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Die 05er schickten als Antwort: „Auch wenn wir normalerweise Kündigungen bedauern und um jedes Mitglied leidenschaftlich kämpfen, können wir unser Bedauern in Ihrem Fall nicht ansatzweise ausdrücken. Rassismus beginnt da, wo rassistische Gedanken geäußert werden, nicht nur, wenn sich jemand selbst als Rassist bezeichnet – was in den seltensten Fällen vorkommt. Und ja, Sie haben recht: mit unserem Verein können Sie sich nicht identifizieren.“ Weiter hieß es: „Für uns zählt nur, dass jemand Mensch ist und unsere Werte teilt. Solche Menschen heißen wir in unserer Gemeinschaft gerne willkommen. Aus diesem Grunde freuen wir uns vielmehr über Ihre Kündigung, da Ihre Begründung offenbart, dass Sie nicht die Wertebasis besitzen, die unseren Verein auszeichnet.“

Die Mainzer verwiesen unter anderem auch darauf, dass der Führungstreffer gegen Union Berlin vor zwei Wochen einem Zusammenspiel zweier Talente aus dem eigenen Nachwuchs entsprungen war: Leandro Barreiro, seit der U17 am Bruchweg, legte auf, Ridle Baku, seit seinem zehnten Lebensjahr am Rhein, vollendete.

Auch die Profis beteiligen sich am Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und -hass. Der österreichisch-kenianische Rechtsverteidiger Philipp Mwene sagte am Montag: „Es ist sehr, sehr wichtig und toll, wie der ganze Verein damit umgeht und es nach außen hin kommuniziert. Rassismus darf man keinen Spielraum lassen. Vor allem im Sport zeigt sich: Wenn wir gemeinsam auf dem Platz stehen, ist es egal, welche Hautfarbe man hat.“ Der 26-Jährige ist überzeugt: „Wenn wir als Spieler das Thema in die Gesellschaft reintragen, ist ein guter Schritt gemacht. Wenn man was sieht, sollte man es direkt ansprechen, wenn man rassistische Aussagen hört, dann sollte man nicht stumm bleiben.“

Mittelfeldmann Kunde Malong war beim Derbysieg gegen Eintracht Frankfurt am Samstag nach seinem Treffer zum 2:0-Endstand auf die Knie gegangen. Der Kameruner wiederholte die Protestaktion nach dem Schlusspfiff noch einmal, diesmal mit Co-Kapitän Moussa Niakhaté. „Als Schwarze haben wir genug Ungerechtigkeiten erlitten, und wir müssen zusammenarbeiten, um dagegen anzukämpfen. Auf die Knie zu fallen, um die Bewegung für schwarze Menschenleben zu unterstützen, wird nicht aufhören, bis es weltweit größere Veränderungen gibt“, schrieb Kunde später auf Instagram.