Kolumne von Mara Braun: Von Poldi und den alten Hasen

aus Mainz 05

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Am Mittwochabend hatte Lukas Podolski seinen letzten Auftritt im DFB-Trikot - Poldi, die Identifikationsfigur. Von denen gibt es auch bei den 05ern einige. Und ein paar von...

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MAINZ. Wer den letzten Auftritt von Lukas Podolski für die deutsche Nationalelf am Mittwochabend gesehen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass die Dichte der Kölner Fans im Dortmunder Stadion sehr hoch war. (Und damit ist nicht, hihi, gemeint, dass diese besonders dicht waren, sondern... Sie wissen schon.) Poldi ist und bleibt für die Leute eben ein „Kölner Jong“, ganz egal, ob er bei den Bayern kickt, in der Türkei oder demnächst in Japan. Er ist für den Verein ein Geschenk – eine Identifikationsfigur sondergleichen –, und für die Fans einer, der immer zu ihnen gehören wird, ihnen nie ganz verloren geht.

Klar, Poldi ist eine Nummer für sich, aber natürlich gibt es auch bei Mainz 05 Ehemalige, bei deren Erwähnung die Fans feuchte Augen bekommen. Eine besondere Anziehungskraft haben dabei jene Spieler, die in den Zeiten rund um den Aufstieg das Trikot der 05er trugen, also ab den Jahren des knapp verpassen Ligawechsels bis hin zur ersten Zeit im Oberhaus. Das nicht etwa, weil es zuvor keine Identifikationsfiguren gegeben hat, sondern weil mit diesen Spielern eine Phase verbunden ist, die alle Mainzer unglaublich intensiv in Erinnerung halten – und die viele der Fans miterlebt haben, die auch heute ins Stadion gehen.

Es war vermutlich ein Zufall, dass just am Tag von Poldis Abschied ein Interview mit Nikolče Noveski auf der Homepage unseres Herzensvereins veröffentlicht wurde. Einem Spieler also, der mit seiner langen Vereinszugehörigkeit, den Brauen-Tacker-Episoden am Spielfeldrand, seiner Eigentordramatik und dem goldenen Herzen eine solche Identifikationsfigur ist. Es war naheliegend von den Verantwortlichen, ihn gerade in der aktuellen Situation zu befragen, um ein bisschen Vertrauen zu vermitteln, Ruhe zu schaffen und die Fans an die besonderen Jahre zu erinnern, die wir mit NiNo erlebt haben. Nicht selbstverständlich ist dagegen, dass er sich die Zeit für das Interview genommen hat, obwohl das groß angekündigte Abschiedsspiel zum Ende seiner Karriere bis heute nicht stattgefunden hat...

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Vertraute Gesichter haben positiven Effekt

Aber das ist gar nicht der Punkt, sondern, dass es tatsächlich eine beruhigende Wirkung hat, aus seinem Munde zu lesen, dass Mainz 05 den Klassenerhalt natürlich schaffen wird. So wie es, seien wir doch ehrlich, auch gutgetan hat, die Lobesworte von Christian Heidel zu hören – obwohl die ihm nicht in allen Punkten leicht über die Lippen gegangen sein dürften, bei aller Verbundenheit. Natürlich kann keiner der beiden ernsthaft wissen, ob die Abstiegsangst nach den nächsten drei Spielen wieder eingefangen sein wird oder ob wir bis zum letzten Spieltag zittern, ob Mainz in der Relegation gegen Torsten Lieberknecht antreten muss und in welcher Liga wir kommende Saison spielen. Aber die vertrauten Gesichter von einst zu sehen und zu hören, wie sie beteuern, dass alles gut wird, hat einfach einen positiven Effekt.

Was sagt uns das? Wir müssen ein paar der alten Hasen zurück in den heimischen Stall holen, will sagen, bestenfalls im Aufsichtsrat einbinden oder sonstwie in eine Verantwortung beim Verein bringen. Dabei geht’s ja nicht darum, Michael Thurk zum Präsidenten zu machen oder künftige Gremien mit Ehemaligen zu fluten. Aber da sich in und um den Verein die meisten darauf einigen können, dass irgendwo in den letzten Monaten auch ein emotionaler Bruch im Verhältnis zwischen Fans und Verein eingetreten ist, würde es guttun, wenn ein paar bekannte Gesichter wieder hier auftauchen, um sich für den Verein zu engagieren. Nur der FSV.

Mara Braun ist freiberufliche Journalistin und Autorin. Unter anderem von "111 Gründe, Mainz 05 zu lieben" (mit Christian Karn). Homepage: www.marabraun.de Mara Braun bei Twitter: Wortpiratin

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Von Mara Braun