Interview: „Verrückter“ Carlos Salcedo wünscht sich noch...

aus Eintracht Frankfurt

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Bestens gelaunt im Trainingslager in Alicante: Stamm-Innenverteidiger Carlos Salcedo (rechts). Der Mexikaner, der bis Saisonende von Deportivo Guadalajara ausgeliehen ist, würde sich wünschen, dass die Eintracht die Kaufoption für ihn zieht.Foto: Jan Hübner  Foto: Jan Hübner

Auf dem Platz kennt „El Titan“ Carlos Salcedo keine Gnade. Der Innenverteidiger geht auch im Trainingslager in Alicante beherzt zur Sache. Vor und nach den Einheiten ist der...

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ALICANTE. Auf dem Platz kennt „El Titan“ Carlos Salcedo keine Gnade. Der Innenverteidiger geht auch im Trainingslager in Alicante beherzt zur Sache. Vor und nach den Einheiten ist der Mexikaner wiederum einer der Spaßvögel im Team der Frankfurter Eintracht. „Ich bin positiv verrückt“, meint der 24-Jährige, der zuletzt in der Defensive gesetzt war. Salcedo, der bis Saisonende von Deportivo Guadalajara ausgeliehen ist, erklärt im Interview, dass er zu gerne noch sehr lange am Main bleiben würde, was er vom WM-Auftakt gegen Deutschland erwartet und wieso der frisch gebackene Vater schon jetzt viele Besuche in der Schule befürchtet.

Herr Salcedo, wie geht es Ihrem Sohn?

Sehr gut! Ich vermisse ihn total! Er wird am Sonntag einen Monat alt. Meine Frau und ich sprechen jeden Abend nach dem Essen per Videotelefonie, dann kann ich ihn noch vor der Schlafenszeit sehen. Und sie schickt mir jeden Tag Bilder. Ich glaube, ich habe jetzt schon mehr von ihm als von ihr.

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Verändert einen das Vatersein plötzlich?

Nein, ich bleibe ein verrückter Typ. Positiv verrückt. Das habe ich einfach in meiner DNA. Ich denke mal, mein Sohn wird genauso. Ich bin gespannt, wie oft meine Frau und ich später in der Schule antanzen müssen. Nein, im Ernst: Wenn es sein muss, kann ich ja auch sehr seriös sein.

Sie wirken sehr glücklich. Liegt das auch an der starken Hinrunde? Sie hatten einen schweren Start nach Ihrer Schulter-OP, zuletzt waren Sie dann als Stammspieler gesetzt.

Ich bin sehr froh, wie es in letzter Zeit gelaufen ist. Ich genieße die Zeit sehr. Obwohl ich meine Schulter morgens noch etwas merke, wenn ich aufwache. Ich bin der Eintracht sehr dankbar dafür, dass sie mir so viel Zeit gegeben hat. Als ich in Mexiko in der Reha war im Sommer, haben sie mir immer geschrieben. Es sind die kleinen Dinge, die man niemals vergisst. Hin und wieder bist du da natürlich etwas verzweifelt. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich endlich meine Chance nutzen konnte.

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Kurz nach Ihrem Debüt mussten Sie aber drei Spiele pausieren, Trainer Niko Kovac hatte Sie aus dem Kader gestrichen. Was ist damals passiert?

Das weiß ich selbst nicht so genau. Manchmal denkt man, man macht etwas richtig. Und es kommt nicht so gut an. Ich will aber gar keine große Sache daraus machen. Ich richte den Fokus immer nach vorne. Das ist ein Teil von mir. Ich weiß, dass ich jeden Montag oder Dienstag nach dem Spiel bei Null im Training starte und mir meinen Platz in der Mannschaft erkämpfen muss.

Blicken wir mal weiter nach vorne: Sie haben mit dem AC Florenz schon in der Europa League gespielt. Schafft die Eintracht auch den Sprung dorthin?

Es ist immer toll, wenn man in mehreren Wettbewerben spielen kann. Wenn man sich mit starken Clubs messen kann. Ich finde: Unser Team hat die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb verdient. Wir opfern sehr viel. Und wir müssen weiter hart arbeiten, um uns weiter zu entwickeln. Gegen Hoffenheim und Schalke haben wir unnötig Punkte liegen lassen. Aus diesen Fehlern müssen wir lernen. Es wird in jedem Fall eine interessante Rückrunde.

Danach geht es für Sie zur Weltmeisterschaft...

Das hoffe ich! Ein Traum würde wahr werden. Als ich 2002 und 2006 als Junge in Mexiko auf der Straße gekickt habe, haben wir die Namen wie Zinedine Zidane und Fabio Cannavaro gerufen. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich zwölf Jahre später bei einer WM dabei sein könnte. Was gut ist: Niko Kovac war schon mal dabei, er hilft mir viel auf diesem Weg.

Und dann fordern Sie direkt zum Auftakt Deutschland.

Ja, das ist natürlich etwas ganz Besonderes. Gegen das Land zu spielen, in dem ich lebe. Es wird mit Sicherheit ein gutes Match. Wir sind uns bewusst, dass wir gegen den amtierenden Weltmeister antreten. Aber für viele meiner Mitspieler ist es die große Chance, mal außerhalb von Mexiko zu spielen. Sich den Scouts zu präsentieren, sich für andere Ligen zu empfehlen. Wir werden alles abrufen. Aber erst muss ich meinen Job in Frankfurt machen, dann sehen wir weiter.

Die Eintracht könnte Sie nach der Saison kaufen. Wäre das in Ihrem Sinne?

Wenn die Zeit reif dafür ist, setzen wir uns zusammen. Ich wünsche mir natürlich, dass ich noch viele Jahre für die Eintracht spiele. Und ich weiß: Ich bin derjenige, der dies mit guten Leistungen möglich machen kann.