Eintracht unterliegt Hertha 1:2: Viele Baustellen offen

aus Eintracht Frankfurt

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Eintracht Frankfurts Keeper Kevin Trapp will gegen Werder Bremen endlich wieder zu Null spielen. Foto: dpa

Ein Testspiel gegen Hertha BSC hat Eintracht Frankfurt im US-amerikanischen St.Petersburg mit 1:2 verloren. Viele offene Baustellen plagen Trainer Adi Hütter. Und weitere...

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ST.PETERSBURG/USA. An diesem Freitag geht das Trainingslager der Frankfurter Eintracht in Florida zu Ende. Am Samstagmorgen soll die Mannschaft wieder in Frankfurt landen. Natürlich haben alle Beteiligten, vor allem natürlich Sportvorstand Fredi Bobic, aber auch der Trainer und die Spieler von den Bedingungen im „Sonnenscheinstaat“ geschwärmt. Aber was bringen die Frankfurter wirklich aus Amerika mit nach Hause, nachdem das erste und einzige Testspiel vor dem Rückrundenstart in Hoffenheim gegen die nicht in Bestbesetzung angetretene Berliner Hertha in der Nacht zum Donnerstag mit 1:2 verloren wurde? Die Bilanz fällt durchaus gemischt aus.

Zwei verletzte Spieler haben die Möglichkeiten von Trainer Adi Hütter weiter eingeschränkt. Nach Gelson Fernandes, der sich einen Sehnenriss am Hüftbeuger zugezogen hat, inzwischen in München operiert wurde und bis zu vier Monate ausfallen wird, hat es gegen Hertha auch Daichi Kamada erwischt. Mit einer Knöchelverletzung musste der japanische Mittelfeldspieler schon nach 37 Minuten vom Platz. „Wir wollen da nicht den Teufel an die Wand malen, ich hoffe, dass es keine schwere Verletzung ist“, sagte der Trainer, „aber zur Sicherheit brauchen wir genaue Untersuchungen und MRT-Aufnahmen.“ Hütters Sorge: „Daichi hatte an diesem Knöchel schon einmal eine Verletzung, die eine längere Pause nach sich zog.“

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Es besteht der Verdacht auf einen Bänderriss im Knöchel, sodass Kamada auf jeden Fall für das Spiel in Hoffenheim kein Thema mehr wäre. Würde er längerfristig ausfallen, wäre nach dem defensiven Mittelfeld auch das offensive massiv geschwächt, denn Kamada war ziemlich sicher als Stammkraft und Ideengeber hinter zwei Sturmspitzen eingeplant. Zudem hat gegen die Berliner auch wieder einmal André Silva wegen „muskulärer Probleme“ gefehlt. Offiziell eine Vorsichtsmaßnahme, aber passend ins Bild des bislang so unsteten Portugiesen.

Mit dem Spiel vor 4500 Zuschauern in St. Petersburg war der Trainer nur in Teilen zufrieden. „In der ersten Halbzeit haben wir es sehr ordentlich gemacht und sehr kompakt gestanden“, urteilte Adi Hütter. In der zweiten Halbzeit aber war diese Kompaktheit wieder verloren gegangen, was die Hertha zum Sieg nutzte. Und was die Eintracht ziemlich wurmte, hat sich so doch die Negativserie fortgesetzt. Timothy Chandler (73.) hatte die Führung der Berliner durch Alexander Esswein ausgeglichen, doch Esswein nutzte einen berechtigten Foulelfmeter zum Berliner Siegtor, nachdem Almamy Touré im Strafraum ungeschickt in den Zweikampf gegangen war. Touré hatte sich damit wieder einmal als Sicherheitsrisiko herausgestellt. „Wir hätten einen Sieg gebraucht“, hatte Stürmer Bas Dost seine ganz eigene Sicht auf die Dinge, „aber ich finde es prima, dass wir heute verloren haben und dass wir das Spiel in Hoffenheim dann gewinnen." Wenn es denn so einfach wäre.

Trapp nach Verletzung erstmals wieder zwischen den Pfosten

Wahrscheinlich werden die Frankfurter mit einem neuen System in die Rückrunde gehen. Der Trainer hat die Tage von Florida zum Einüben einer Viererkette genutzt, nachdem die Eintracht im Grunde seit drei Jahren mit einer Dreierkette gespielt hat. Gegen die Hertha hat das mehr oder weniger gut geklappt, in der Defensive hatten die Frankfurter mit der Zentrale Abraham/Hinteregger durchaus stabil gestanden. In der Offensive aber hatte die gleiche Ideenlosigkeit geherrscht wie in den letzten Bundesligaspielen des alten Jahres. Das Umschalten habe schon „sehr ordentlich“ geklappt, sagte Hütter. Zu wirklich guten Torchancen aber hatte es nicht geführt. Der Trainer setzt auf den Faktor Zeit. „Wir haben noch eine Woche, die Viererabwehr zu trainieren“, sagt er, „und wir können auch schnell wieder auf Dreierkette umschalten.“

Als einziger Frankfurter hatte der Torhüter das Stadion in St. Petersburg mit großer persönlicher Zufriedenheit verlassen. Kevin Trapp hatte zum ersten Mal nach seiner Schulteroperation Ende September wieder zwischen den Pfosten gestanden und eine gute Leistung gezeigt. „Es war ein gutes Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen“, sagte der Nationalspieler, „und bis auf das Ergebnis ist auch alles gut gelaufen“. Auch der Trainer war erleichtert. „Für Kevin war es sehr wichtig, dass er bei seinen Aktionen das Gefühl hatte, dass alles hält. Das Spiel war sehr wichtig für ihn“, sagte Hütter. Die Baustelle im Tor scheint nun also wieder geschlossen.

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Bei anderen Baustellen aber scheint die Eintracht noch nicht wirklich weitergekommen. Ob ein einfacher Wechsel des Spielsystems wirklich die Probleme mit der Balance im gesamten Spiel, also mit dem Zusammenwirken von Abwehr, Mittelfeld und Angriff, beheben kann, zumal die Übungszeit und die Testphase sehr beschränkt war und ist, erscheint durchaus fraglich. Darum und wegen der Verletzungen von wichtigen Spielern, wird die Eintracht an der Verpflichtung von neuen Spielern, die das Niveau auf einzelnen Positionen anheben können, nicht vorbeikommen. Alles andere wäre angesichts der schwierigen sportlichen Ausgangslage unverantwortlich.

Von Peppi Schmitt