Eintracht sucht weiter Nachfolger für Bobic und Hütter

aus Eintracht Frankfurt

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Eintracht Trainer Adi Hütter und Sportvorstand Fredi Bobic auf einer Pressekonferenz. Archivfoto: dpa

Viele Gerüchte, wenige Fakten: In Frankfurt sucht man weiter nach neuem Trainer und Sportvorstand. Die Zeit drängt - denn Kandidaten werden womöglich auch anderswo umworben.

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FRANKFURT. Beim FC Bayern München ist es nun ruck-zuck gegangen. Eine gute Woche nach dem veröffentlichten Abschied von Hansi Flick wurde Julian Nagelsmann als neuer Trainer vorgestellt. Bei der Frankfurter Eintracht aber ist es immer noch nicht entscheidend vorangegangen. Die Suche nach den Nachfolgern für Sportvorstand Fredi Bobic und Trainer Adi Hütter gestaltet sich zäh. Zumindest hat sich dieser Eindruck in der Öffentlichkeit verfestigt. Nun sollte man dem Klub und seinem erst seit einem knappen Jahr im Amt befindlichen Aufsichtsratsvorsitzenden Philip Holzer zugestehen, dass es womöglich wichtiger ist, gründlich zu arbeiten als schnell.

Präsident Peter Fischer, Mitglied des Aufsichtsrates, behauptet jedenfalls vollmundig, „dass wir alles verdammt gut im Griff haben.“ Bislang haben die Verantwortlichen sich noch nicht aus der Ruhe bringen lassen von Gerüchten, Spekulationen, Halbwahrheiten und freien Erfindungen.

Entscheidend für die Bewertung der Arbeit wird allerdings sein, wie erfolgreich die Suche nach den wichtigsten Personen im sportlichen Bereich am Ende ist.

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Eintracht-Führung hält dicht

Mit viel Amüsement haben sie bei der Eintracht in den letzten Wochen die Spekulationen, die zum Teil als Nachrichten verbreitet wurden, in einigen Medien, vor allem bei „Bild“, verfolgt.

Dort wurde ein Rasensprenger angeworfen in der Hoffnung, dass irgendetwas schon nass werden wird. Soll heißen: Viele Namen wurden genannt, einer wird es schon sein. Beim Sportvorstand reicht die Skala von Bastian Schweinsteiger (Fußball-Rentner) und Hendrick Almstadt (AC Mailand) über Ralf Rangnick (ehemals RB Leipzig), Marcel Schäfer (VfL Wolfsburg) und Igli Tare (Lazio Rom) bis hin zu Markus Krösche (Leipzig) und zuletzt Alexander Rosen (TSG Hoffenheim).

Der Neue könnte durchaus dabei sein, muss es aber nicht. Denn die Eintracht-Führung hat sich in die Hand versprochen, keine Namen nach draußen dringen zu lassen und sich bislang ziemlich gut daran gehalten. Außer den Bestätigungen einer Nachfrage bei Christoph Spycher (Young Boys Bern), der abgelehnt hat, und der verunglückten Kontaktaufnahme zu Ralf Rangnick, wurde dichtgehalten. Dabei wurde auch in Kauf genommen, dass angebliche Kandidaten abgesagt hätten wie beispielsweise der Salzburger Oliver Freund, ohne je kontaktiert worden zu sein. Und doch ist allen klar, dass nun zeitnah Entscheidungen getroffen werden müssen, um die Planungen für die kommende Saison konkret vorantreiben zu können.

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Die Trennung von Markus Krösche und RB Leipzig hat auch der Eintracht eine Vorlage gegeben. Gespräche mit dem 40 Jahre alten ehemaligen Paderborner werden wohl stattfinden. Aber nach wie vor ist er nicht der einzige Kandidat. Auch der Hoffenheimer Rosen ist eine denkbare Alternative. Er würde sogar noch Stallgeruch mitbringen. Rosen hat zwischen 1998 und 2000 sieben Bundesligaspiele für die Eintracht bestritten. Sein Vertrag in Hoffenheim läuft noch bis 2023, es wäre also eine Ablösesumme fällig.

Zeitfaktor wohl nicht mehr auszublenden

Die Trainerfrage dürfte leichter zu lösen sein, werden sich doch viele Fußball-Lehrer die Finger danach lecken, die Eintracht zu übernehmen. Kandidaten gibt es genug. International bekannte Fußball-Lehrer wie Erik ten Hag von Ajax Amsterdam, Jesse Marsch von RB Salzburg, Roger Schmidt vom PSV Eindhoven oder Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg. Und ehrgeizige Trainer wie Steffen Baumgart (SC Paderborn), Sandro Schwarz (Dynamo Moskau) oder Edin Terzic (Borussia Dortmund). Keinen einzigen dieser Namen hat die Eintracht bislang bestätigt. Nur das Anforderungsprofil ist umrissen. „Er muss wissen, dass die Eintracht ein Traditionsklub ist“, sagt Präsident Fischer, “er muss Erfahrung und Emotionalität mitbringen.“ Ganz ähnlich sieht es Profi Timothy Chandler. „Der neue Trainer muss zu schätzen wissen, dass die Eintracht ein Klub mit vielen Kulturen ist und mit vielen Emotionen ist.“

Aktuell würden sich die Spieler mit den Personalproblemen in der Führungsetage nicht beschäftigen. „Für uns spielt die Suche keine Rolle, wir ziehen das mit Adi Hütter durch“, sagt Chandler, „im Sommer werden wir dann genug Namen hören.“ Besser wäre es freilich, die Eintracht würde schon im Frühling Nägel mit Köpfen machen. Denn je länger es gerade bei der Trainersuche dauert, desto mehr Trainer könnten sich für andere Klubs entscheiden. Der Faktor Zeit ist also bei aller Gründlichkeit inzwischen nicht mehr auszublenden.

Von Peppi Schmitt