Eintracht Frankfurt und Werder Bremen: Ziemlich beste Feinde

aus Eintracht Frankfurt

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Bitte Niederlage für die Eintracht: Gegen Werder Bremen verloren die Frankfurter 1:2. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Ihre erste Niederlage seit dem 11. Dezember trifft die Eintracht besonders bitter. Zwischen den Frankfurtern und Bremern herrscht ein angespanntes Verhältnis, auch nach der Partie.

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FRANKFURT. Als Florian Kohfeldt ihnen den Satz, „man muss auch mit Anstand verlieren können“, hinterhergeworfen hatte, war der Abend für die Frankfurter Eintracht endgültig gelaufen. Das 1:2 bei Werder Bremen am letzten Freitag, die erste Niederlage nach zuvor elf erfolgreichen Spielen, hatte die Eintracht schwer getroffen. Vor allem, weil alle Frankfurter wussten, dass sie trotz allen emotionalen Beiwerks letztlich selbst schuld waren an der Niederlage. Sie waren den Bremern und ihrem Trainer schlicht auf den Leim gegangen, „in die Falle getappt“, wie Trainer Adi Hütter einräumte.

"Dass wir hier verloren haben, tut mir besonders weh"

Das galt für die Mannschaft und für ihren Trainer. Dass irgendwann wieder eine Niederlage kommen würde, hatten sie natürlich gewusst bei der Eintracht, in Bremen hatten sie sie nicht erwartet. „Dass wir hier verloren haben, tut mir besonders weh“, gab Hütter zu, dem das aggressive Coaching von Kohfeldt grundsätzlich ein Gräuel ist. Pressesprecher Marc Hindelang sprach für die Eintracht das Schlusswort. „Wir bedanken uns für diese spezielle Form der Gastfreundschaft“, beendete er die offizielle Pressekonferenz.

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Zwischen der Eintracht und Werder hat sich in den letzten Jahren ein ganz besonderes Verhältnis entwickelt, kein gutes. Nach dem Motto: Ziemlich beste Feinde. Da spielt die jüngere Vergangenheit in die Gegenwart. 2016 verlor die Eintracht das letzte Liga-Spiel in Bremen in von allen Seiten über 90 Minuten extrem aufgeladener Atmosphäre in buchstäblich letzter Minute mit 0:1 - rettete sich dann aber in der Relegation gegen Nürnberg. Da gibt es ein übles Foul von Filip Kostic, der Ömer Toprak im Pokalspiel im letzten Jahr verletzte. Da gibt es den Ratschlag von Sportboss Fredi Bobic an Kohfeldt, ruhiger zu werden, „das schont das Herz.“ Und da stand eine Äußerung von Martin Hinteregger über Davie Selke im Raum, dass der Bremer Stürmer ein Lieblingsgegner sei, „weil ich besser bin.“ Ein Spruch, „den er sich hätte sparen können“, wie Hütter sagt. Lauter Kindereien, die die Stimmung aber aufgeheizt haben.

Am Samstag hatte es ein Telefongespräch zwischen Bremens Sportchef Frank Baumann und Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic gegeben. Das sollte zur Versöhnung dienen, was freilich nicht gelungen ist. Denn Baumann hatte zuvor verbal noch einmal nachgelegt. „Ich wehre mich dagegen, dass wir für die Vorfälle den Schwarzen Peter bekommen“, hatte er gesagt, „die Aggressionen am Ende und nach dem Spiel sind nicht von uns ausgelöst worden.“ Das brachte die Frankfurter erneut auf die Palme. Adi Hütter sprach davon, dass sich da „Täter zum Opfer“ machen wollten.

Die Frankfurter waren außer sich

Am Sonntag legte Hütter noch einmal nach und zielte auch auf den Kollegen. An Florian Kohfeldt störe ihn, „dass er ständig über den Platz schreit, gelbe Karten für unsere Spieler fordert und jede Aktion lautstark kommentiert.“ Andere Bundesliga-Trainer würden das ähnlich sehen. Viel schlimmer aber sei gewesen, was auf der Tribüne hinter der Bank der Bremer passiert ist. Aussagen von Werder-Teambetreuer Tim Barten und Zeugwart Boban Aleric sind bei der Eintracht als „Provokationen“ angekommen. „Ich habe 75 Minuten in aller Ruhe gestanden, aber irgendwann platzt einem der Kragen“, sagte der Österreicher, „hier ist es immer speziell. Das hat mit Niveau nichts zu tun". Er habe es nicht nötig, „sich beschimpfen lassen von Leuten, die auf der Tribüne sitzen.“ Kohfeldts Hinweis, dies seien „Zuschauer“ gewesen, machte Hütter sauer. „Wären das Mitarbeiter von mir, kann ich ihnen versichern, dass sie nach solchen Dingen nicht mehr bei uns arbeiten würden“, sagte er.

Dass ausgerechnet Hütter vom insgesamt schwach leitenden Schiedsrichter Robert Hartmann die gelbe Karte gesehen hatte und Kohfeldt ungeschoren davongekommen war, machte die Frankfurter betroffen. Hütter: „Ich bin nicht stolz auf die gelbe Karte und hoffe, dass es die letzte war.“ Die Frankfurter jedenfalls waren außer sich. Es war zugegangen wie im Wilden Westen. Niclas Füllkrug hatte, im TV deutlich sichtbar, als Auswechselspieler bei einem Eckball Filip Kostic verbal provoziert, Hütter wie Manager Bruno Hübner wehrten sich lautstark gegen die „Tribüne“ der Bremer, Hinteregger und Füllkrug rangelten nach dem Spiel ebenso wie Hübner und Kohfeldt. „Ich hatte das Gefühl, dass die Bremer es sehr auf Hinteregger abgesehen hatten", schimpfte der Eintracht-Trainer.

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Als der Pulverdampf dann abgezogen waren, wussten die Frankfurter, was ihnen passiert war. „Es wurde zu viel geredet auf dem Platz, uns hat alles gefehlt, fußballerisch, kämpferisch, läuferisch“, sagte Kapitän Makoto Hasebe. „Wir haben uns zu sehr ablenken lassen“, gab Djibril Sow zu. Die Spieler wussten schnell, warum sie verloren hatten. Und genau darum war der Ärger so groß.

Der Bremer Trainer nämlich hatte abseits des ganzen Trubels die richtige Taktik gewählt. Er hatte die Schaltzentrale der Eintracht mit Amin Younes und Daichi Kamada lahmgelegt. Und er hatte die Schwachstelle auf der linken Frankfurter Abwehrseite erkannt, wo der gesperrte Evan Ndicka schmerzlich vermisst wurde. Ergebnis: Die Eintracht kam nur mit einem Kopfballtreffer von André Silva (19.Saisontor) zu einem Erfolg, die Bremer aber konterten zweimal durch Gebre Selassie und Josh Sargent. „Der Bremer Plan ist aufgegangen, unserer nicht“, gab Hütter zu, „wir hatten viel zu wenige Lösungen und sind nicht an unser Niveau der letzten Wochen herangekommen.“ Die Niederlage, das stellte Hütter gleich klar, habe nichts mit den Vorkommissen zu tun gehabt. „Wir haben verloren, weil wir nicht gut gespielt haben“, sagte er.

Von Peppi Schmitt