Eintracht Frankfurt: Euphorie ist da, aber Defensivabteilung...

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Hält die Kartenflut gegen seine Mannschaft für überzogen: Eintracht-Trainer Niko Kovac.  Foto: dpa

Die Tabelle lügt nicht: Eintracht Frankfurt steht weiterhin auf Platz drei in der Bundesliga. Und doch gibt es Anlass, das eine oder andere kritisch zu hinterfragen.

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FRANKFURT. Die Tabelle der Fußball-Bundesliga bildet die Fakten ab. Danach steht die Frankfurter Eintracht trotz einer 0:3-Niederlage in Leverkusen nach dem 20. Spieltag immer noch auf Platz drei. Möglich gemacht hat dies ein im Grunde unglaublicher Spieltag, an dem außer Spitzenreiter Bayern München alle anderen Clubs bis inklusive Platz sieben verloren haben.

„Genau darum haben wir ja alle so viel Spaß an dieser Liga“, sagt der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic. Die Eintracht also steht weiter auf einem Rang, der zur direkten Teilnahme an der Champions-League berechtigen würde.

Und doch gibt es Anlass, das eine oder andere kritisch zu hinterfragen. Was deutlich wird in diesen Tagen ist die wenig ausgewogene Zusammenstellung des Kaders in Bezug auf die abwehrende und die angreifende Abteilung. Die eine, die offensive, ist deutlich überrepräsentiert, die andere, die defensive, ist unterrepräsentiert. So war das sicher nicht geplant, aber so hat es sich entwickelt.

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Wer auf den Mannschaftsbogen beim Spiel in Leverkusen geschaut hat, konnte das erkennen. Mit Danny Blum, Haris Seferovic, Ante Rebic, Marius Wolf und Shani Tarashaj waren gleich fünf Außen- oder Innenstürmer auf der Bank, aber mit Taleb Tawatha nur ein Verteidiger. Für rechts hinten gibt es im Aufgebot keine Alternative und auch für die Innenverteidigung sieht es dünn aus. Trainer Niko Kovac ist damit bei Ausfällen wie jenem von Stopper David Abraham Wechselmöglichkeiten beraubt.

Bobic: „Können uns keine 26 Klassespieler leisten“

Dass Michael Hector nicht die Qualität der beiden anderen Innenverteidiger Abraham und Jesus Vallejo hat, ist keine neue Erkenntnis und wurde in Leverkusen wieder bestätigt. Wann Marco Russ, der sich nach seiner Krebserkrankung Schritt für Schritt wieder herankämpft, eine echte Alternative sein kann, wagt niemand exakt zu prognostizieren. Pech für die Eintracht, dass Neuzugang Andersson Ordonez, gelernter Innenverteidiger, sich gleich am Knie verletzt hat. Wie eng die Eintracht in der Abwehrzentrale bestückt ist, hatte schon das Pokalspiel in Hannover gezeigt, als Außenverteidiger Bastian Oczipka nach der Pause innen einspringen musste.

Das setzte sich fort im defensiven Mittelfeld. Auf den Abgang von Szabolcs Huszti nach China konnte nicht mehr reagiert werden. Dass mit Johannes Flum ein weiterer „Sechser“ den Verein Richtung St. Pauli verlassen hat, soll noch erwähnt werden. Und so muss Kovac experimentieren. Er versucht es neben dem „gesetzten“ Omar Mascarell mit offensiven Spielern in defensiven Rollen, Mijat Gacinovic hat sich da bemüht, zuletzt auch Aymen Barkok, dazu noch Neuzugang Max Besuschkow. Die Ideallösung ist nicht gefunden. „Unsere jungen Burschen geben immer alles, darauf können wir aufbauen“, sagt Bobic. Und betont: „Wir sind nun mal Eintracht Frankfurt und können uns nicht 26 internationale Klassespieler leisten.“

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Von Peppi Schmitt