Die Suche der Eintracht nach der eigenen DNA

aus Eintracht Frankfurt

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Der verletzungsbedingte Ausfall Flip Kostics hat sich auf das Offensivspiel der Eintracht ausgewirkt. Jetzt ist er zurück im Training.  Foto: dpa

Noch vor anderthalb Jahren stand die Frankfurter Eintracht für leidenschaftlichen, wuchtigen Offensivfußball. Davon ist nur wenig übriggeblieben. Eine Analyse.

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FRANKFURT. Vergangene Saison Neunter. Aktuell nach sechs Spieltagen Zehnter mit Perspektiven nach oben wie nach unten. Die Eintracht stand und steht im Mittelfeld. Sie will nicht Mittelmaß sein oder werden. Aber sie war es und sie ist es. Spiele wie gegen Bielefeld, Köln oder zuletzt gegen Bremen, die alle nach dem gleichen Muster 1:1-Unentschieden endeten, deuten darauf hin, dass es auch in dieser Spielzeit schwer werden wird, zumindest tabellarisch einen Schritt nach vorne zu kommen. „Man muss unsere DNA erkennen, dann ist es schwierig gegen uns zu spielen“, hat Trainer Adi Hütter in der letzten Woche gesagt. Und nach der Enttäuschung gegen Bremen hat er kritisiert, die erste Halbzeit sei nicht „Eintracht like“ gewesen. Stellt sich die Frage nach der DNA dieser Mannschaft. Also: Was ist Eintracht like? Wofür steht Eintracht Frankfurt?

Die Konstanz ist der Mannschaft abhanden gekommen

Die Spielweise einer Mannschaft hat zuallererst mit den Ideen und Vorstellungen des Trainers zu tun. Und im zweiten Schritt mit dem spielenden Personal, das diese Ideen umsetzen soll und kann. Adi Hütter ist 2018 aus der Schweiz gekommen und wollte „schönen, attraktiven, offensiven Fußball“ spielen. Aber der Wunsch danach ist alleine noch kein Alleinstellungsmerkmal, schön spielen will schließlich jeder, auch Offensive ist kein Ausdruck einer DNA. Vielmehr hatte sich bei der Eintracht in den letzten Jahren die Leidenschaft als besonderes Merkmal durchgesetzt, die Wucht, die diese Mannschaft entfachen kann, der Wille, auch gegen besser besetzte Teams erfolgreich zu spielen. Perfekt vorgeführt auf internationalem Parkett in der Saison 18/19, der Perfektion nahekommend aber auch in Bundesligaspielen wie gegen die Bayern zu Hause, gegen Leipzig oder Leverkusen in der Saison 19/20. Oder vor Kurzem in der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim. Da war Eintracht drin, wo Eintracht draufstand.

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Konstant ist die Mannschaft zu solchen Leistungen nicht in der Lage. Nach und nach haben die Frankfurter in den letzten eineinhalb Jahren sogar einen Teil ihrer „DNA“ verloren. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen die fehlenden Zuschauer. Die Eintracht gehört zu jenen Mannschaften, die die Leidenschaft von außen braucht, um Leidenschaft auf den Platz zu bringen. Dann die veränderte Personallage. Mit den drei Stürmern Haller, Jovic und Rebic war das Spiel automatisch offensiver und attraktiver als ohne sie. Ohne das Trio haben die Frankfurter zwar fast genauso viele Tore geschossen, dennoch war und ist das Spiel anders geworden. Die Spielart und damit die DNA hat sich also verändert. Die Eintracht agiert gerade gegen spielerisch unterlegene Gegner wie zuletzt in Köln oder gegen Bremen dominanter, mit mehr Ballbesitz. Aber sie spielt auch langsamer nach vorne, irgendwie auch langweiliger, mit weniger Wucht, mit weniger Leidenschaft, viel quer, weniger steil. Das von Hütter eigentlich präferierte „Forechecking“, also den Gegner früh in dessen Hälfte attackieren, ist immer seltener zu sehen. Auch da der Hauptgrund: André Silva, Bas Dost und Daichi Kamada sind nicht wirklich geeignet für eine solche Spielweise. Sie haben andere Qualitäten.

Große Hoffnungen ruhen auf Filip Kostic

Der Trainer weiß das und versucht deshalb sein Spielsystem an das vorhandene Personal anzupassen. Auch darum setzt er in der Abwehr auf eine Dreierkette, die es ermöglicht, zwei offensive Außenspieler im Mittelfeld aufzubieten. Von dort soll Druck aufgebaut werden. Auf der linken Seite haben die Frankfurter den idealen Spieler dafür, Filip Kostic. Der hat einige Wochen verletzt gefehlt, ist am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. „Jetzt kann ich wieder angreifen“, sagte er am Dienstag, „mal sehen, was diese Woche noch möglich ist.“ Ob er schon für Samstag beim Auswärtsspiel in Stuttgart ein Kandidat ist, bleibt also offen. Kostic hat Tempo, Kampfgeist, dazu noch eine solide Technik und einen großen Willen. Er war und ist Personifizierung eines besonderen Eintracht-Stils. Rechts sieht das nicht so gut aus. Seitdem Danny da Costa Selbstvertrauen und damit Form verloren hat, probiert es Hütter mit Almamy Touré, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Mit Aymen Barkok hat er gegen Bremen ein neues Element auf die Rechtsaußenposition gebracht. In diesem Spiel erfolgreich. Der Frankfurter Trainer ist also nach wie vor auf der Suche nach den besten Möglichkeiten.

Die ganz große Linie aber hat er noch nicht gefunden in dieser Saison. Eine ganz eigene Spielweise zeichnet die Eintracht nicht mehr aus in diesen Tagen und Wochen, ein Alleinstellungsmerkmal ist nicht zu erkennen. Dazu gehört auch Konstanz, die dem Team (noch) abgeht. Damit steht sie freilich nicht alleine in der Liga. Nur wenige Große wie die Bayern, Dortmund und Leipzig sind in der Lage immer den gleichen Stil zu spielen. Oder es sieht so aus wie bei Werder Bremen. Da ist weniger erfolgreichem Kombinationsspiel effektiverem „Mauerfußball“ gewichen. „Aber so wollen wir nicht spielen“, hat Adi Hütter gesagt, „das ist nicht mein Ding.“ Also wird weiter gesucht nach einer gewollt offensiven „DNA“ für diese Eintracht-Mannschaft.

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Von Peppi Schmitt