Beierlorzer: Für Mainz 05 den Urlaub abgesagt

aus Mainz 05

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Mainz 05-Trainer Achim Beierlorzer auf dem Rasen der Opel Arena. Foto: Peter Schneider

Am Montagnachmittag ist Achim Beierlorzer als neuer Trainer bei Mainz 05 vorgestellt worden. Das 05-Traineramt ist für den 51-Jährigen ein "Riesenprivileg".

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MAINZ. Die Koffer sind gepackt, die Flüge gebucht, am Mittwoch hebt der Urlaubsflieger ab. Einfach weg. Raus aus dem (Bundesliga-)Alltag. „Das war der Plan“, sagt Achim Beierlorzer, „doch der steht nun hintenan.“ Ein Anruf seines ehemaligen Fürther Weggefährten Rouven Schröder lässt die Urlaubsplanung der Familie Beierlorzer ins Stocken geraten. „Manchmal geht eine Tür zu, manchmal geht eine Tür auf.“

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Brachial wurde dem 51 Jahre alten Fußballlehrer vor neun Tagen in Köln die Tür vor der Nase zugeknallt. Beierlorzer war gerade mal 131 Tage am Geißbock-Heim tätig. Weil die Erfolge ausblieben, schickte ihn der Tabellenvorletzte der Bundesliga in den Urlaub. „Und plötzlich geht die andere Tür auf.“ Und Mainz 05 steht auf der Matte. Sportvorstand Schröder am Apparat. „Da überlegt man nicht lange“, sagt Beierlorzer. Da lässt man den Urlaub Urlaub sein – und geht die neue Aufgabe „voller Tatendrang und Energie an. Wenn ich nach vier Monaten in Köln völlig ausgelaugt wäre, dann wäre ich nicht der Richtige hier“. Und: „Es ist kurios, dass es so schnell gegangen ist und so schnell aufeinanderfolgt, aber ich freue mich riesig, diese Stelle hier antreten zu dürfen.“

Sein Blitz-Comeback findet er selbst schon ein wenig kurios. Und überhaupt die Umstände. Vor vier Wochen saß der 51-jährige Franke auf dem selben Podium im Bauch der Mainzer Opel Arena und erklärte die 1:3-Niederlage des 1. FC Köln. Nach drei weiteren Negativerlebnissen beendeten die Kölner Beierlorzers Expedition.

Und nun sitzt er also wieder hier – nicht als Gast, sondern als Cheftrainer der Hausherren. „Es ist einfach auch toll, wenn man nach so einer Geschichte wie Köln den Anruf von so einem tollen, solide arbeitenden Verein wie Mainz 05 bekommt.“ Zumal er – und so sieht es auch der neben ihm sitzende Schröder – der festen Überzeugung ist, dass seine Herangehensweise und seine Spielidee zu Mainz 05 passt. „Aktiv nach vorne verteidigen, eine hohe Laufbereitschaft und hohe Leidenschaft. Dafür stehe ich, diesen Fußball möchte ich spielen lassen und das ist auch der Fußball, für den Mainz 05 steht.“ Und: Weitere Kuriosität: Sein erster Gegner als 05-Cheftrainer ist sein letzter Gegner als FC-Coach. Am Sonntag müssen die Mainzer zur TSG Hoffenheim. Ein Hoffenheimer Elfmetertor in der 98. Minute bedeutete letztlich Beierlorzers Aus in Köln. Wahrlich kurios.

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Schröder wird nicht müde zu betonen, dass die „Geschichte Köln“ bei der Entscheidung, Beierlorzer als Nachfolger von Sandro Schwarz anzustellen und mit einem Vertrag bis 2022 auszustatten, keine Rolle spielte. „Achim und ich kennen uns seit 2012.“ Bei der Spielvereinigung Greuther Fürth kreuzten sich ihre Wege. „Und wenn man einmal zusammenarbeitet, verliert man sich nicht aus den Augen“, sagt Schröder, der sich an viele „beeindruckende Beierlorzer-Bilder“ aus dessen Zeit bei RB Leipzig (2015-17) und Jahn Regensburg (2017-19) erinnert.

„Die Erfahrung Köln können wir nicht wegdiskutieren, hat aber bei unserer Entscheidung keine Rolle gespielt“, sagt Schröder mit Blick auf Beierlorzers magere Bilanz in der Domstadt, „der inhaltliche und menschliche Trainer Achim Beierlorzer passt perfekt zu uns.“ Und das sieht auch der Neue („Ich bin ein kommunikativer Typ“) so. „Ich möchte eine gewisse Aufbruchstimmung erzeugen. Es ist ja ein kleiner Neustart, aber kein kompletter Umbruch. Wir wollen aktiv und mutig sein. Alle Spieler wollen sich nun zeigen.“

Am Dienstag um 15 Uhr steht er zum ersten Mal mit seinem neuen Team auf dem Trainingsplatz. Und wird dabei unterstützt von den bisherigen Co-Trainern Jan-Moritz Lichte und Michael Falkenmayer sowie Torwarttrainer Stephan Kuhnert. Dazu kommt der langjährige Kapitän Niko Bungert. Der hat nach seinem Karriereende gerade erst sein Trainee-Programm in der 05-Marketingabteilung begonnen, kehrt nun aber als Beierlorzers Assistent in die Kabine zurück.

Auch ein Blitz-Comeback, mit dem viele nicht gerechnet hatten. Bungert wahrscheinlich am wenigsten, der sich gerade an die geregelten Arbeitszeiten in der Geschäftsstelle gewöhnt hatte. „Niko ist als Kapitän elementar wichtig gewesen. Er ist eine absolute Respektsperson, der auch mal einen anderen Blick auf die Dinge hat“, sagt Schröder, „er hat eine große Fürsorgepflicht, aber wird keine Chefrolle einnehmen.“ Bungert bleibt Teamplayer. „Ein großer Gewinn für mich und für die Mannschaft“, sagt Beierlorzer, der nun in den nächsten Wochen und Monaten beweisen möchte, dass er ein echter Gewinn für die 05er ist. Und dass er nicht umsonst seinen Urlaub abgeblasen hat.