Abstiegsgefahr! Hat die Eintracht es noch nicht begriffen?

aus Eintracht Frankfurt

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Trainer Adolf "Adi" Hütter gibt sich für die Rückrunde optimistisch. Foto: Jan Huebner

Hütter und Bobic setzen auf die Winterpause. Das Trainingslager ist durchaus umstritten. Die Personalpolitik wirkt verfehlt und die Mannschaft hat zu viele Verletzte

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FRANKFURT. Die Fakten sind klar: Die Frankfurter Eintracht schwebt nach einem indiskutablen zweiten Teil der Vorrunde in akuter Abstiegsgefahr. Der Trend ist negativ, wurde durch die jüngsten beiden Niederlagen gegen die bis dahin schwächsten Teams aus Köln und Paderborn noch verstärkt. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nur noch vier Punkte. Die Leistung beim 1:2 in Paderborn war erschreckend, die Reaktionen danach nicht wirklich beruhigend.

Trainer Adi Hütter ist zuversichtlich für die Rückrunde, „weil mit Trapp, Hinteregger, Rode und Abraham Leistungsträger wieder zurückkehren.“ Sportvorstand Fredi Bobic schließt Neuzugänge zwar nicht aus, sieht aber keine absolute Notwendigkeit für Verstärkungen, „weil wir gute Spieler und eine gute Mannschaft haben“ Und Spieler Mijat Gacinovic glaubt schlicht nicht daran, dass es in letzter Konsequenz zum Abstiegskampf kommen wird, „weil wir alle gute Fußballer sind.“

Die Urteile der ehemaligen Eintracht-Prominenz lauten ganz ähnlich. „Ich bin ganz sicher, dass die Eintracht nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird, wenn sie ein bisschen Ruhe haben“, sagt der frühere Trainer Armin Veh. Und der frühere Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen macht sich „überhaupt keine Sorgen um die Eintracht.“ Als habe es die jüngere Vergangenheit beispielsweise mit dem Abstieg 2011 nicht gegeben, als damals ein Absturz in der Rückrunde schnurstracks in die zweite Liga geführt hatte.

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Viele Spiele haben Mannschaft ausgelaugt

Die Analyse im Klub hat ergeben, dass es vor allem die vielen Spiele waren, die die Mannschaft ausgelaugt und schließlich zu Fall gebracht haben. 56 Pflichtspiele in diesem Jahr und 31 in dieser Saison sind in der Tat mehr als alle anderen hatten. Freilich muss auch dies differenziert gesehen werden, denn es waren gerade nicht die „Vielspieler“, die am deutlichsten unter Niveau geblieben sind. Im Gegenteil, Filip Kostic oder Goncalo Paciencia haben meist zu den Besseren gehört. Andere aber, die gar nicht so oft gespielt haben, die nicht öfter im Einsatz waren als die letzten Gegner aus Köln und Paderborn, haben einfach keine Leistung gebracht. Da wären viele zu nennen, unter anderen Dominik Kohr, der nicht zum festen Stamm gehört, hat, Gelson Fernandes, der oft auf der Bank war, Danny da Costa, der immer wieder Pausen bekommen hat, auch Bas Dost oder Stürmerkollege André Silva, die wochenlang pausieren mussten. Die Liste wäre fortzusetzen. Es muss also noch andere Gründe geben.

Sicher hat es nach dem Verlauf der Topstürmer an Qualität gefehlt. Und ganz sicher gehören die Verletzungsausfälle dazu. Zu viele Spieler waren zu lange verletzt und konnten daher auch nach der Rückkehr nicht topfit sein. Der wechselnden Ausfälle der Torhüter Kevin Trapp und Frederik Rönnow hat die Eintracht Punkte gekostet, was in Paderborn wieder deutlich wurde. Sebastian Rode war zu oft verletzt, Djibril Sow fehlte wegen einer Verletzung in der ganzen Vorbereitung, Bas Dost kam in keiner guten Verfassung aus Portugal, musste immer wieder passen. Von Johnny de Guzman ist seit Monaten nichts mehr zu sehen. Lucas Torró fällt aus, kaum dass er sich wieder herangearbeitet hatte. David Abraham war erst verletzt, dann gesperrt.

Personalpolitik ist in die Hose gegangen

Ansätze für Verbesserungen gibt also es genug. Die Personalpolitik im letzten Sommer ist in die Hose gegangen, keiner der Millionen-Einkäufe hat das Team bislang wirklich weitergebracht. Alleine die Rückkehrer Trapp, Hinteregger und Rode haben die Erwartungen erfüllt. Es müsste also unbedingt nachgebessert werden. Der ohne Not vorgenommene Komplett-Austausch der medizinischen Abteilung inklusive von Fitness-Trainern hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

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Als wichtigsten Ansatz für eine deutliche Besserung setzen Trainer und Vorstand nun auf die Winterpause, die ihren Namen allerdings kaum verdient. Neun Tage Ferien als Allheilmittel? Seit Montag haben die Frankfurter Spieler Urlaub, am Mittwoch nächster Woche ist schon wieder Treffpunkt in Frankfurt, am Tag darauf geht es ins Trainingslager nach Amerika. „Die Winterpause tut uns gut, ab 2.Januar greifen wir wieder an“, sagt Sportvorstand Bobic. Gerade in diesem Zusammenhang aber ist der Trip in die USA eigentlich unverantwortlich, gehen doch durch An- und Abreise zumindest zwei wichtige Trainingstage verloren, in Florida gibt es auch noch einen kürzeren Reisetag wegen Wechsels des Trainingscamps. Dazu kommt der unvermeidliche Jetlag. Anders machen es zum Beispiel Spitzenreiter RB Leipzig (Urlaub bis zum 6.Januar) oder die ebenfalls abstiegsbedrohten Bremer (Mallorca) und Düsseldorf (Portugal), die in Europa bleiben.

Dass der Stress im neuen Jahr nicht weniger wird, belegt ein Blick auf den Spielplan. Alleine im Februar muss die Eintracht schon wieder sieben Pflichtspiele bestreiten. Da ist die Konzentration auf das Wesentliche wirklich vonnöten. Die Spieler sollten deshalb die Mahnung des Chefs (Bobic: „Die Jungs haben jetzt in der freien Zeit die Aufgabe darüber nachzudenken, was sie wollen. Wir müssen schauen, dass wir wieder zeigen, was uns stark gemacht hat“), ernst nehmen. Hausaufgaben also, die freilich auch die Bosse machen sollten. PEPPI SCHMITT

Von Peppi Schmitt