Leidensdruck trifft Lockerheit

Abklatschen vor dem Derby: Diesmal treffen sich Bingen (schwarze Trikots) und Waldalgesheim am Hessenhaus. Foto: Edgar Daudistel

Derby-Historie spricht für Hassia Bingen, das Momentum für Alemannia Waldalgesheim.

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BINGEN / WALDALGESHEIM. Nur ein Derby, aber zwei völlig verschiedene Voraussetzungen. Wenn sich an diesem Mittwoch um 19.30 Uhr die Binger Hassia und der SV Alemannia gegenüberstehen, so hoffen die beiden Kontrahenten zwar auf das – aus eigener Sicht – gleiche Ergebnis, allerdings aus unterschiedlichen Motiven heraus. Während die Gastgeber dringendst Punkte gegen einen drohenden Abstieg sammeln müssen, kann Waldalgesheim aus einer bequemen Situation heraus auf Bonus-Zähler für die sichere Aufstiegsrunde spekulieren.

Die Ausgangslage

Die Tabelle lügt nicht. Die mit großen Ambitionen gestartete Binger Hassia muss in die Abstiegsrunde. Daran ändert sich auch im Nachholspiel gegen Waldalgesheim nichts mehr. Dennoch zählt jeder Punkt, denn der zählt auch in den Play-offs.

Das gilt natürlich auch für die Alemannia, die mit dem Erreichen der Aufstiegsrunde das Saisonziel bereits erreicht und auf dem zweiten Platz eingenistet hat.

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Die Formkurve

In der Liga stand für die Hassia im ersten Duell 2022 eine 2:3-Niederlage in Gonsenheim zu Buche. Danach ein 0:4 bei Tabellenführer Eintracht Trier. Kann passieren und wäre nicht allzu tragisch, wenn dies nicht das achte und neunte sieglose Spiel in Folge (acht Niederlagen, ein Remis) gewesen wäre.

Auf der anderen Seite verloren die Waldalgesheimer nur einen ihrer zurückliegenden sieben Auftritte, sammelten fünf Siege (alle mit 2:1!) und ein Unentschieden. Und legten nun ein 4:0 gegen Eisbachtal nach.

Die Vorbereitung

In den ersten Testspielen des Jahres leisteten sich die Alemannen kaum Schwächen, verbuchten drei Erfolge über durchaus namhafte Gegner: 1:0 gegen SG Hüffelsheim, 8:1 gegen die Schott-A-Junioren, 2:2 bei RW Walldorf.

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Dagegen lassen bei der Hassia die Resultate kaum auf Besserung hoffen. Beim Hackenheimer Vorbereitungsturnier setzte es zwei Niederlagen gegen TuS Hackenheim (1:2) und RWO Alzey (2:3).

Das Personal

In der Winterpause hat man sich am Hessenhaus von Patrick und Yanick Haag sowie Georgios Roumeliotis (nach Heidesheim) und Mahdi Mehnatgir (RW Walldorf) getrennt. Neu im Kader sind Bahri Bayir (zuletzt Eintracht Kreuznach), Burak Tasci (zuletzt Karadeniz Kreuznach), Yusuf Ürel (VfB Ginsheim II) und der wieder zur Verfügung stehende Yannik Wex.

Nicht mehr im Alemannia-Trikot auflaufen wird Linus Wimmer, der zu Eintracht Trier gewechselt ist. Von der Waldstraße ebenfalls verabschiedet haben sich Felix Reißmann (nach Kirchheimbolanden) und Francesco Teodonno (Spvgg. Ingelheim). Mit Shane Wheeler haben die Waldalgesheimer einen interessanten Spieler von der SG Guldental geholt.

Die Trainer

Aydin Ay und die Alemannia – das stand für Konstanz. Bereits im fünften Jahr lenkt der 39-Jährige als Trainer die Geschicke in Waldalgesheim, unterstützt von Christoph Schunck, Marcel Fennel und Frank Reichert. Eine sechste Saison wird es für Aydin Ay vorerst nicht geben, der Polizeibeamte wechselt bekanntlich im Sommer zum TSV Schott Mainz.

Bei Hassia Bingen war gerade auch auf der Trainerbank schon während der Runde Bewegung. Der Oberligist trennte sich von Co-Trainer Patrick Muders, den Patrick Krick ersetzte, dessen Posten als Teammanager wiederum Neuzugang Ercan Ürün übernahm. Der größte Druck lastet indes aber nach wie vor auf Chefcoach Thomas Eberhardt.

Die Team-Statistik

Die Hassia trifft die Hütte nicht. Pierre Merkel ist ein überdurchschnittlicher Oberliga-Stürmer, erzielte in seinen 13 Einsätzen sieben der insgesamt 23 Treffer. Insgesamt ist die Torausbeute aber zu mager für eigene Ansprüche. Defensiv stimmt es einigermaßen beim Rangvorletzten, aber es klingelt dennoch im Schnitt 1,7 Mal pro Spiel. Insgesamt setzte die Hassia 20 Spieler in 20 Meisterschaftsspielen ein.

Der SV Alemannia stellt den viertbesten Oberliga-Angriff – zehn Akteure teilen sich 40 Tore – und die viertbeste Abwehr (28 Gegentreffer). Das reichte summa summarum für Platz zwei. Insgesamt brachte Trainer Ay bislang 19 Spieler zu Einsatz.

Die Derby-Statistik

Wer hätte es gedacht? In den vergangenen zehn Lokalduellen in Verbands- und Oberliga oder im Verbandspokal gewann die Hassia achtmal, bei einem Unentschieden und einem Alemannia-Erfolg.

Das Hinrundenspiel

Ausgerechnet im Hinrundenduell landete die Alemannia den ersten Derby-Erfolg seit acht Jahren. Nils Gräff und Oliver Schmitt trafen seinerzeit zum verdienten 2:0-Sieg der spielerisch überlegenen Waldalgesheimer. Bingens Baris Yakut hatte kurz vor der Pause Gelb-Rot gesehen.