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Bei den Spielern bekannt und gern gesehen:  Torsten Bauer (Bildmitte) ist beim Neulingslehrgang in beratender Funktion dabei. Foto Mario Luge  Foto:

Kreuznachs Schiedsrichter-Obmann Christian Wendel ist zufrieden mit der Entwicklung in seinem Kreis. Gegenüber der AZ betonte Wendel bereits im Januar, dass die Anzahl der...

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WALDBÖCKELHEIM. Kreuznachs Schiedsrichter-Obmann Christian Wendel ist zufrieden mit der Entwicklung in seinem Kreis. Gegenüber der AZ betonte Wendel bereits im Januar, dass die Anzahl der Regelhüter im Vergleich zum Vorjahr erneut angewachsen sei. Einerseits die Früchte der engagierten Arbeit des Obmanns, andererseits auch der Verdienst der Vereine, die in den Klubs fleißig die Werbetrommel gerührt haben, sich doch einmal mit dem Thema Schiedsrichterei auseinanderzusetzen. Für einige Interessenten wird das Erlebnis Schiedsrichter beim Neulingslehrgang in Waldböckelheim nun real. Von Freitag bis Sonntag werden insgesamt 18 Teilnehmer von Wendel und seinen Kollegen im Vereinsheim des TuS Waldböckelheim begrüßt. Damit stieg die Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr (15) wieder an. „Kurzentschlossene, die sich noch nicht angemeldet haben, können sehr gerne bis Samstag dazukommen“, hält Wendel die Tür für weitere Interessenten offen. In den dezentralen Schulungen, die nicht in der Sportschule in Edenkoben stattfinden, sieht der Kreuznacher Obmann einen großen Vorteil: „Natürlich muss man nicht so weit fahren. Auch in Edenkoben wird der Kurs an einem Wochenende gemacht, da muss man sich schon ranhalten. Mit solchen Veranstaltungen hier im Kreis haben wir gute Erfahrungen gemacht.“

Regel 12 das Einmaleins der Schiedsrichter

Egal, ob in Edenkoben oder doch lieber in Waldböckelheim, so eine Veranstaltung kostet Zeit. „Meistens können die Teilnehmer nicht an allen Tagen. Aus diesem Grund bietet der Verband einige Lerneinheiten auch online an“, erklärt Wendel, dass die Teilnehmer dann vom DFB einen Zugangscode bekämen, um die wichtigsten Lektionen im Internet durchzugehen. Themen wie Ausrüstung, Spielfeldgröße und andere grundlegende Regeln könne man auf diesem Wege machen.

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Ausnahmen, die besonders für ein Kapitel nicht gelten: Regel 12. „Das ist das Einmalseins des Schiedsrichters, das sagen wir den Teilnehmern auch immer“, spricht Wendel von einem der größten Kapiteln im 124 Seiten umfassenden Regelwerk des DFB. Auf elf Seiten wird in „Fouls und unsportliches Betragen“ beschrieben, was auf dem Platz erlaubt ist, was nicht und wie die jeweiligen Vergehen vom Schiedsrichter zu bestrafen sind. „Gerade im letzten Jahr war es extrem mit den Änderungen im Regelwerk“, erinnert sich Wendel, der aus diesem Grund froh ist, sich auf einen echten Fachmann aus der Praxis verlassen zu können. „Torsten Bauer wird den Kurs begleiten, wofür ich sehr dankbar bin, denn er hat wesentlich mehr Erfahrung als der Rest im Kreis und nimmt vor allem die jungen Schiedsrichter super mit“, so Wendel über den ehemaligen Bundesliga-Assistenten vom ASV Seesbach. Als Lehrwart wird Andreas Jost, Obmann aus des Kreises Kaiserslautern-Donnersberg, vor Ort sein.

Schiedsrichterei als „Schule fürs Leben“

Wie wichtig gerade für die jungen Schiedsrichter eine solche Vertrauensperson ist, weiß Wendel nur zu gut. „Wenn man bereits in jungen Jahren anfängt, formt die Schiedsrichterei schon enorm. Man wird selbstbewusster und der Charakter wird gestärkt“, sieht Wendel die Tätigkeit als Regelhüter auch als „Schule fürs Leben“. Ein schöner Nebeneffekt – und ganz unabhängig von dem zu betrachten, was man Samstag oder Sonntag erlebe und zu hören bekomme – sei darüber hinaus, dass sich gerade die Jungschiedsrichter etwas Taschengeld dazuverdienen und bei DFB-und Bundesligaspielen kostenlos das Stadion besuchen könne.

Wie beim Fußballspielen selbst, ist auch bei den Schiedsrichtern stets Ehrgeiz vorhanden, sich für Höheres zu empfehlen. So besteht mit Blick auf den Nachwuchs immer die Hoffnung, dass der ein oder andere vielleicht den Weg eines Torsten Bauer oder Patrick Kessel (SG Hüffelsheim) einschlägt und irgendwann in den Profiligen im Gespann aufläuft. „Es ist immer klasse, wenn man solche Paradebeispiele bei sich im Fußballkreis hat, zu denen die jungen Schiedsrichter aufblicken können“, findet Wendel, wohlwissend, dass in solchen Sphären auch das „Hobby“ Schiedsrichter oft an Grenzen stößt: „In meinen Augen ist das kein Hobby mehr. Einen Tag früher anreisen, oft erst einen Tag später zurück. Dabei noch einen Beruf ausüben, ist schon happig. Irgendwann muss man ja auch abschalten können“, sieht der Kreuznacher Schiri-Obmann der Belastung kritisch entgegen. „Um heutzutage Schiedsrichter machen zu können, brauche ich auch den richtigen Beruf. Schließlich hat ein normaler Arbeiter keine Chance, alle zwei Wochen zu seinem Chef zu gehen und zu sagen: Ich bin dann mal drei oder vier Tage weg. Die haben ja auch Schulungen und Trainingslager.“

Schiedsrichter im Profibereich und ein Fulltime-Job? Für Wendel unmöglich. Da könne man gleich seinen ganzen Urlaub für das Schiedsrichterwesen aufbrauchen. Fazit: „Es ist ein Knochenjob, auch wenn man viel erlebt. Aber in meinen Augen bekommen diese Schiedsrichter noch viel zu wenig dafür.“ Schließlich könne es mit einer Verletzung, ähnlich wie bei den Profis auch, ganz schnell vorbei sein und warum sollten ein Schiedsrichter dann weniger oder keine finanzielle Sicherheit haben.