Wie man Kinder für den Fußball begeistern kann

Stolz präsentiert der TSV Schott Mainz im Namen Portugals den WM-Pokal. Foto: pakalski-press/Axel Schmitz

Der SV Bechtolsheim, TV Dautenheim und TSV Gau-Odernheim richteten eine Mini-WM mit viel Schnickschnack aus. Sogar eine öffentliche Auslosung gab es im Vorfeld des Mammut-Turniers.

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BECHTOLSHEIM. Zu Beginn gab es die jeweilige Nationalhymne: 32 E-Jugendmannschaften bestritten am vergangenen Samstag die Mini-Fußballweltmeisterschaft auf den Sportplätzen des SV Bechtolsheim, TV Dautenheim und TSV Gau-Odernheim.

Bei einem lockeren Treffen vor drei Jahren, sagte Sascha Merz, sei die Idee eines großen Juniorenturniers entstanden. „Die Jugendtrainer und Jugendleiter der drei Vereine kennen sich ja gut“, so Merz, der beim TSV Gau-Odernheim schon über 20 Jahre Jugendarbeit macht.

Ursprünglich wollte man die Fußball-Europamisterschaft 2020 sozusagen als Vorlage nehmen. „Leider hat das Coronavirus uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deshalb haben wir mit der Weltmeisterschaft, die dieses Jahr in Katar stattfindet, einen neuen Anlauf gestartet“, ergänzte Lars Wieland, Jugendleiter des SV Bechtolsheim. „Wir wussten, das ist ein bisschen eine verrückte Idee, aber wir haben sofort jede Menge positiver Rückmeldungen bekommen“, sagte Merz.

Öffentliche Zulosung der Nationen zu den Teams

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Letztlich hatten die Turnierorganisatoren die 32 Teams schnell gefunden. Es gab eine öffentliche Veranstaltung, in der die Nationen, die bei der WM im November in Katar vertreten sind, den einzelnen E-Jugendteams zugelost wurden. „Das ist schon eine coole Sache gewesen“, erklärte Wieland, der klar machte: „Wir dachten: Die E-Jugend ist die passende Alterstuf für so etwas. Die Kinder finden das super. Bei den älteren Jahrgangsstufen weiß ich nicht so recht, ob das genauso einen guten Anklang gefunden hätte. Das ist es einfach schwieriger, die dafür zu begeistern“.

Merz fügte hinzu: „Die Mannschaften durften sich selbst überlegen, wie sie hier auftreten. Ich muss echt sagen, ich bin baff, was sich manche Teams haben einfallen lassen.“ Die E-Junioren von Hassia Bingen, die als Spanien auftraten, wurden für ihr tolles Outfit mit einem Gutschein und einem Spielball belohnt. „Die Zweite Mannschaft des TSV Schott Mainz kam in einem exakt abgestimmten Outfit der Ukraine an, das war auch super“, meinte Wieland. Portugal, das erste Team von Schott Mainz, sicherte sich mit einem 5:0 im Finale über Brasilien (FSV Saulheim) den WM-Pokal, den die drei Veranstalterverein stilgerecht hatten anfertigen lassen.

Stellt sich die Frage, muss man so einen Aufwand betreiben, um die Jugendlichen für den Fußball zu werben. „Ich denke, dass man natürlich auch ein ganz normales Jugendturnier mit 32 Teams auf die Beine stellen kann. Über Nachwuchsmangel gerade in unseren Vereinen – und ich glaube auch in der Region – können wir uns nicht beklagen. Aber so eine Art WM bringt dann doch noch ein ganz anderes Flair in die Sache“, sagte Merz.

Hohe Identifikation mit den beteiligten Nationen

Lars Wieland fügte hinzu: „Schon nach den beiden Vorrundenturnieren in Dautenheim und Gau-Odernheim sind Eltern auf uns zugekommen und haben geschwärmt, wie toll sie das gefunden haben. Auch die Trainer waren alle angetan. Und die Kinder: Jeder wollte den goldenen WM-Pokal, den wir da hatten, einmal anfassen. Die Jungs der Ersten Mannschaft von Gau-Odernheim haben im Halbfinale ihre Zweite Mannschaft mit ,Saudi Arabien, Saudi Arabien’-Sprechchören angefeuert. Das war faszinierend, zu sehen.“

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Markus aus Gau Odernheim, ein Vater eines der jungen Fußballtalente, zeigte sich begeistert über die Idee: „Für die Kinder ist das doch eine ganz besondere Sache. Sie können so ein bisschen die Faszination, die eine Fußball-WM hat, auch nachvollziehen. Ich finde das gut.“

Denis aus Saulheim und seine Frau, deren Sohn beim Team Brasilien spielte, befanden: „Ob man so was braucht, um die Kinder zu animieren? Ich glaube nicht. Denn nach Corona würden die Kinder wohl in jedem Format einfach nur Fußballspielen wollen. Aber so finde ich das eine sehr schöne Sache. Die Veranstalter haben sich große Mühe gemacht und wenn das so wie hier aufgezogen ist, mit Eröffnungsfeier und dem ganzen Drumherum ist das für die Kids eine ganz besondere Veranstaltung.“

Ben, der in der „brasilianischen“ Saulheimer Mannschaft spielte, war es egal, dass er nicht Deutschland vertrat. Das durften die E-Junioren des VfR Kirn. „Brasilien zu sein, ist auch schön. Das alles macht auf jeden Fall einen sehr großen Spaß.“

Nach der Pokalübergabe im Anschluss an das Finale auf dem Sportplatz in Bechtolsheim, wo die Endrunde der Mini-WM gespielt wurde, zogen die Veranstalter ein durchweg positives Fazit: „Ein bisschen verrückt muss man sein, um an einem Tag ein solches Turnier auf die Beine zu stellen“, so Sascha Merz: „ Aber wenn du die vielen Kinder siehst, die so einen großen Spaß haben, dann weißt du: Es hat sich gelohnt.“