Warum RWO Alzey die Corona-Krise unbeschadet überstand

Als die Corona-Krise das Vereinsleben stilllegte, wurden bei den Klubs Existenzängste laut. Im Fall des Fußball-Landesligisten RWO entpuppt sich die Sorge als unbegründet.

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ALZEY. Samstag fand im Alzeyer Wartbergstadion nach fast dreivierteljähriger Pause ein Fußballspiel statt. Es war in dieser Pandemie ein Schritt in Richtung Normalität. Weitere werden folgen. Was aber nicht heißen soll, dass alles wieder so ist und wird, wie es bis zum 3. November, als RWO Alzey den FSV Offenbach besiegte, war. Seinen Verein, so sagt der Vorsitzende des Landesligisten, habe Covid 19 glücklicherweise nur wenig verändert. Es bleibe aber die Hoffnung, dass das Virus den Amateurfußball wenigstens ein bisschen von der Geißel des Geldes befreit – ein Blick ins Vereinsleben.

Wie hat sich die Pause finanziell ausgewirkt?

Steffen Jung wirkt entspannt: „Die Mitglieder haben sich zum Glück nicht von uns abgewandt“. Heißt: Weiterhin gehören rund 500 Personen dem Wartbergklub an. Die Treue hielten auch die meisten Sponsoren. Trotz des mitunter schwierigen wirtschaftlichen Fahrwassers, in das auch Gönner des Landesligisten infolge der Pandemie gerieten, habe es, von wenigen Härtefällen abgesehen, keine Rückforderungen der Unternehmen und Betriebe gegeben. „Wir erlebten große Solidarität sowohl seitens der Mitglieder, wie auch der Sponsoren. Dafür sind wir sehr dankbar“, reflektiert Steffen Jung. Da auch die Ausgabenseite, insbesondere was die Kosten für Spieler und Trainer anbelangt, in den Corona-Modus umgeschaltet wurde, blieb dem Klub die finanzielle Schieflage erspart. Und das, obwohl sein Geschäftsmodell im Grunde seit dem 3. November, also weit länger als Covid 19 in Deutschland wütet, brachliegt.

Was bedeutet Covid 19 konkret für RWO Alzey?

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Der Klub steht wirtschaftlich auf mehreren Füßen. Da sind die Einnahmen, die der laufende Fußball-Betrieb über Zuschauer und Bewirtung generiert. Hinzu kommen die Mitgliedsbeiträge und die Leistungen der Sponsoren. Aber auch die Zuflüsse, die RWO Alzey durch die Veranstaltung kultureller Events erarbeitet. „Eine Riesensache ist in diesem Zusammenhang die Sommernacht in Alzey. Im Herbst hatten wir außerdem ‚Family‘ eingeladen. Beide Veranstaltungen mussten wir nun wegen der Pandemie absagen“, erläutert Jung. Eben das reißt ein Loch in die Kasse. Kompensiert haben die Alzeyer diese Belastung, in dem die Kosten für den ruhenden Spielbetrieb reduziert wurden. „Wir haben die Zahlungen für die Spieler ausgesetzt. Aus unserer Sicht sind das Aufwandsentschädigungen. Da die Spieler in diesen Monaten, in denen der Fußball ruhte, keinen Aufwand hatten, fiel der Zahlungsgrund weg“. Alle Betroffenen hätten diese Deutung widerspruchslos akzeptiert. „Da sind wir allen Spielern und auch dem Trainerteam sehr dankbar“, so Jung: „Von daher sind wir unterm Strich aktuell ganz gut durch die Pandemie gekommen“. Seit dem 17. Juli wird nun wieder trainiert – in einem weiterhin gesunden Verein.

Verändert die Pandemie die Philosophie von RWO?

Der Wartbergklub hat immer noch das Image, die Cash-Cow für Fußballer der Region zu sein. De facto arbeite man jedoch daran, dass sich Spieler nicht des Geldes wegen RWO Alzey anschließen. Andere Werte, wie etwa Teamspirit in Form gemeinschaftlicher Aktivitäten über den Fußball hinaus und Vereinsverbundenheit, würden in den Vordergrund gerückt. „Unsere beiden Trainer, Max Kimnach und Lars Weingärtner, stellen da richtig viel auf die Beine“, findet Steffen Jung. Von daher habe RWO wahrscheinlich auch die Pandemie-Folgen leichter und ohne hohe Fluktuation im Mannschaftskader überstanden. Grundsätzlich hofft er, dass die gegenwärtige Krise zu einer Besinnung in der gesamten Amateurfußball-Landschaft führt. „Es wird zu viel Geld gezahlt. Und das schon in den unteren Klassen. Das ist auf Dauer nicht leistbar“. Eine These, die auch Dr. Rainer Koch, der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes vor wenigen Tagen postulierte.

Wie wirkte sich die lange Pause auf Ehrenamt aus?

Auch hier beobachtet Steffen Jung keine Kollateralschäden wegen der Pandemie. Weder im Sportbereich, noch im nicht minder wichtigen Wirtschaftsausschuss: „Da haben wir um Kerstin Blarr seit Jahren ein sehr stabiles Team, das hervorragend zusammenhält. Daran ändert auch ein Virus nichts. Aber wir sehen uns als Verein auch explizit in der Verantwortung, diese Helferinnen und Helfer bestmöglich vor Infektionen zu schützen“. Was dem Klub, auch in Zusammenhang mit weiteren vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen, freilich auch Kosten (in dreistelliger Höhe) verursacht. Das Geld sei aber in Desinfektionsmittel, Abstandsbänder und Plexiglasscheiben, wie sie am Kassenhäuschen und an der Wartbergklause installiert wurden, gut angelegt.

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Was erwartet RWO Alzey vom Re-Start?

Die Sorge, dass der in die Hose geht, ist da. „Ich hoffe, dass alle Beteiligten in den nächsten Wochen verantwortungsbewusst handeln. Es ist wichtig, dass die Trainer, Fußballer und Zuschauer die Hygiene-Regeln beherzigen“, meint Steffen Jung. RWO habe im Stadion Bedingungen geschaffen, die corona-tauglich seien. Besucher, die sich problembewusst verhielten, seien sicher. Verbunden mit dem Aufwand sei dei Hoffnung, dass viele Fans die Spiele schauen. Generalprobe für die Meisterschaftssaison sei am 15. August, wenn RWO Alzey daheim gegen den Oberligisten Wormatia Worms aufläuft.