TuS Erbes-Büdesheims Fußballern mit wechselvoller Geschichte

Der Fußball, hier das Pokalspiel gegen den TSV Gundheim (in weiß), hat hohen Stellenwert in Erbes-Büdesheim. Im Bild (v.l.) Christopher Lahr, Lars Schmitt, Torwart Jörn Luca Jacobi sowie Markus Köhler. Foto: BilderKartell/Axel Schmitz

TuS Erbes-Büdesheims Personalkorsett ist eng gestrickt. Zu eng sogar? Wir haben bei dem B-Ligisten nachgehört.

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ERBES-BÜDESHEIM. In der Fußball-B-Klasse kommen die größten Konkurrenten aus Wörrstadt, Albig und Lonsheim. Langfristig, da ist man sich bei der TuS Erbes-Büdesheim sicher, sind aber die heimischen Playstations und eng getaktete Studiengänge sowie die Schichtarbeit die viel größeren Herausforderungen. Bereits in der aktuellen Spielzeit hat der traditionsreiche Verein massive Probleme, am Sonntag elf Spieler auf den Sportplatz zu versammeln. Mit Blick in die Zukunft werden die Sorgen nicht kleiner.

Markus Koehler verkörpert in vielerlei Hinsicht einen seltenen Spielertyp in Erbes-Büdesheim. Der 36-Jährige ist zum einen Abwehrspieler und Coach in Personalunion, zum anderen ist er ein Neuzugang – im Verein und im Ort. Fußballerisch sozialisiert wurde Koehler in der Pfalz, über seine Frau, die aus Nack stammt, fand er vor sieben Jahren den Weg zum TuS. Das war 2013.

In den 80er Jahren gegen Oberliga-Meister Mainz 05

Nachdem es acht Jahre überhaupt keinen Fußballsport an der Nacker Straße gab, hatte Florian Zahn zusammen mit Freunden wieder den Vereinsfußball zum Leben erweckt. Es war der zweite Anlauf, sich wieder dauerhaft im Spielbetrieb zurückzumelden. Der erste Versuch zur Jahrtausendwende dauerte nur zwei Jahre an. Zurück blieben verblasste Erinnerungen an die 80iger Jahre, als die Mannschaft den Aufstieg in die Landesliga feiern durfte, ein sportliches Aushängeschild des Kreises war und im Verbandspokal vor über 800 Zuschauern den Oberligameister Mainz 05 empfing.

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Es folgte der radikale Neuanfang: Koehler stieß auf ein Team in der Kreisliga, das jedes 11-Freunde-müsst-ihr-sein -Klischee erfüllte. Ein Gerüst um Spieler wie Daniel Schaad oder Alexander Hirschel ist seit einem Jahrzehnt dabei. Sie haben auf und neben dem Platz dazu beigetragen, dass der Club mittlerweile Dauergast in der B-Klasse ist. Andere haben ihre Fußballschuhe an den Nagel gehängt, sind heute dreifacher Familienvater, Hausbauer oder zum Studium weggezogen. Auch Florian Zahn, der Initiator und langjährige Kicker der neugegründeten Elf, hat seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile in Großbritannien und ist nur noch sporadisch in seiner alten Heimat anzutreffen.

Markus Köhler skizziert die aktuelle Situation

Auch wenn auf die Abgänge regelmäßig Neuzugänge folgen, bereitet die Entwicklung Sorge. Eine eigene Jugendmannschaft fehlt dem Verein, die Nachwuchskicker aus dem Ort spielen in der SG Rheinhessische Schweiz, der Spielgemeinschaft mit Nack, Bechenheim, Nieder-Wiesen und Wendelsheim. Da der älteste Jahrgang erst in der C-Jugend spielt, ist in näherer Zukunft keine Nachwuchshoffnung für den Aktivenbereich in Sicht. Markus Koehler merkt aber auch, dass sich der Stellenwert von Vereinssport ganz grundsätzlich verändert hat: „Früher gab es für viele Kinder nur Fußball, Fußball und Fußball. Heute konkurrieren wir mit zig anderen Hobbys.“

Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich über eine längere Zeit einzubringen, nehme ab. Das merke der Breitensport genauso wie die Freiwillige Feuerwehr oder der Musikverein. In der aktuellen Saison werden vor allem die zahlreichen Nachholspiele unter der Woche zu einem ernst zunehmenden Problem der Erbes-Büdesheimer. „Wir haben viele Studenten im Team, die kommen nur an Wochenende in die Heimat, andere sind unter der Woche auf Dienstreise oder Montage“, sagt TuS-Spielercoach Koehler.

Sollte Erbes-Büdesheim dem Beispiel Wöllstein folgen?

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Vergangene Saison steckte Ligakonkurrent TuS Wöllstein in einer ähnlichen Zwickmühle. Nach langer Überlegung entschloss man sich, der Spielgemeinschaft Fürfeld/Neu-Bamberg anzuschließen. Ist das Modell Spielgemeinschaft auch eine Option in Erbes-Büdesheim? „Wir haben so ein Szenario immer auch im Hinterkopf“, sagt Koehler. Wie konkret die Gedankenspiele momentan schon sind, lässt er offen und betont, dass der Verein erstmal alles daransetze, um weiterhin eigenständiger Teil des Ligabetriebs zu bleiben.

So war in den vergangenen Jahren die 05er-Fußballschule zweimal pro Jahr auf der heimischen Sportanlage zu Gast. Das Ferienangebot in Kooperation mit dem Bundesligisten richtet sich an fußballinteressierte Kids und ist mit der Hoffnung verknüpft, die Fußballbegeisterung bei den Jüngsten zu wecken. Die Rahmenbedingungen sind dabei gut, dank Fluchtlichtstrahler bleibt der Rasen zu jeder Tages- und Nachtzeit hell erleuchtet, die jüngsten Kicker können zum Trainieren auch in die Halle neben dem Vereinsheim.

Seit 1882 gibt es Vereinssport in Erbes-Büdesheim, seit 90 Jahren spielt man im Verein mit dem Weißkopfadler im Wappen auch Fußball. Nach sportlichen Höhenflügen und Abstürzen wäre man aktuell einfach froh, wenn man sich auch in den kommenden Spielzeiten Sonntagnachmittag zum Fußball trifft.