Ronny Weimer neuer Jugendtrainer beim TSV Gau-Odernheim

Ronny Weimer, hier 2016 als Trainer der SG Wiesbachtal, übernimmt die U19 des TSV Gau-Odernheim Archivfoto: photoagenten/Axel Schmitz

Die Petersberger mussten bei den Jugendtrainern einen Umbruch verkraften. Zu viele bewährte Kräfte folgten dem Ruf höherklassiger Fußball-Klubs.

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GAU-ODERNHEIM. Florian Diel, Simon Kustan und Marc Kreß bei Mainz 05, Luca Vanni und Joachim Lawall beim SV Gonsenheim, Christian Stegmaier bei 1860 München, David Gaedigk auf dem Weg zu Darmstadt 98. „Allein wenn wir die sieben noch hätten...“, sinniert Benny Wilhelm. Der 32-Jährige ist sportlicher Leiter der Aktiven-Fußballer beim TSV Gau-Odernheim, war Jugendtrainer – und will den Nachwuchs stärken. Dazu zählt auch, die Diels, Vannis und Stegmaiers der Zukunft heranzuziehen. Spieler, die erfolgreiche Jugendtrainer werden und idealerweise vor allem den eigenen Nachwuchs voranbringen.

Vielleicht zeigt ja das Trio aus Marius Dill (20), Luca Lerch (19) und Paul Galle (17) den Weg an. Die beiden früheren und der aktuelle Gau-Odernheimer Jugendspieler übernehmen zur neuen Saison die U15. Uwe Jacobs und Martin Schmittmeier werden die U16 coachen, Martin Preiß geht zur U17. Als neuer U19-Chefcoach wurde Ronny Weimer geholt und bringt seinen Sohn Kenneth als Cotrainer mit. Kein aktiver Spieler als Trainer im Leistungsbereich, das war früher anders. „Und das hat uns ausgemacht“, sagt Wilhelm.

Der neue Sportchef war Anfang dieses Jahres ins neue Amt gekommen und hatte sich vorgenommen, die DNA des Vereins wieder stärker zum Pulsieren zu bringen. „All die Weggänge konnte man in der Kürze der Zeit nicht auffangen“, sagt der 33-Jährige. Zwangsläufig wurden andere Wege beschritten, nicht alle stellten sich als erfolgversprechend heraus. Wilhelm erinnert sich an die langen Abende, an denen in großer Jugendtrainerrunde diskutiert wurde. „Jeder wollte dem anderen zeigen, was er als Trainer kann. Wir haben uns gegenseitig gepusht, es war ein gesunder Konkurrenzkampf.“ Einer zum Wohle des Klubs. Viele Aufstiege gab es in dieser Zeit, und Diel entwarf ein Jugendkonzept, das Wilhelm gern wieder mehr mit Leben füllen würde.

Natürlich könne man die Erfolge der Zehnerjahre nicht stets von Neuem toppen. Wilhelm spricht von einem Zwischenschritt zurück, dem vielleicht zwei nach vorne folgen könnten. „Wir sind immer noch ein Dorfverein, aber wir haben in Rheinhessen einen Namen und sind hinter Wormatia Worms im Fußballkreis Alzey-Worms der erfolgreichste Verein.“ Die Lage zwischen Schott Mainz und dem SV Gonsenheim in der Hauptstadt sowie der Wormatia bietet qua Einzugsgebiet Vorteile, aber je erfolgreicher die lokalen und regionalen Talente ausgebildet werden, desto mehr Blicke richten sich auch auf den Petersberg.

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Nur ein Teil der Nahrungskette

Das führte zum Aderlass an Übungsleitern, und das führt immer wieder zu abgeworbenen Spielern. „Das ist die ganz normale Nahrungskette“, sagt Wilhelm. Die Nachwuchsleistungszentren ziehen immer früher Spieler von den „großen“ Amateurklubs ab, die sich wiederum bei den kleineren bedienen. „Und Klubs, die wie wir Wert auf eine DNA legen, wie Schott Mainz zum Beispiel, müssen die Spieler auch früh genug bei sich haben, um ihnen diese DNA zu vermitteln.“ In Gau-Odernheim würde man deshalb gern mehr Stabilität und weniger Fluktuation erreichen – mit Trainingsqualität, vermittelt durch gut ausgebildete Übungsleiter mit Vereinsidentifikation.

Konstant mit U19, U17 und U15 in der Verbandsliga zu spielen, wäre für Wilhelm das erstrebenswerte Ziel – mit regionalen Spielern, die man, anders als die Jugend-Regionalligisten, nicht von allzu weit her anreisen lassen oder abholen muss. „In der Trainerausbildung können wir wieder besser werden“, betont Wilhelm. Das wäre auch perspektivisch mit Blick auf seine Aktiven wichtig. Denn gemessen an der letzten normalen Spielzeit 2018/19 sank das Budget für die erste und zweite Herrenmannschaft durch die Corona-Pandemie um mehr als 50 Prozent. Zudem ist eine pulsierende Jugend auch ein Identifikationsmotor, und ein reges Klubumfeld war und ist ein wesentlicher Bestandteil des Gau-Odernheimer Erfolgsweges.