„Es gibt ständig Beleidigungen“

Fatih Sarigan Foto: photoagenten/Axel Schmitz  Foto: photoagenten/Axel Schmitz

Rassismus im Fußball ist ein heißdiskutiertes Thema. Auch in dieser Saison gab es schon Vorfälle in der Richtung. Am ersten Spieltag, im Heimspiel gegen den TuS Hochheim,...

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GAU-BICKELHEIM. Rassismus im Fußball ist ein heißdiskutiertes Thema. Auch in dieser Saison gab es schon Vorfälle in der Richtung. Am ersten Spieltag, im Heimspiel gegen den TuS Hochheim, fühlte sich auch der A-Ligist TSG Gau-Bickelheim davon betroffen. Deren Spielertrainer und Deutsch-Türke Fatih Sarigan berichtet nun im Interview mit der Allgemeinen Zeitung, wie er den Alltag als Fußballer mit Migrationshintergrund wahrnimmt.

Sie sind ein Fußballer mit Migrationshintergrund. Wie erleben Sie den wöchentlichen Spielbetrieb?

Es gibt ständig Beleidigungen gegen Stamm und Herkunft, komplette Völker werden durch den Dreck gezogen und auch die Mutter wird öfter beleidigt. Immer wieder fallen Ausdrücke wie „Scheiß Kanaken oder „Scheiß Türken.“ Für mich gehört sich das nicht.

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Heißt: Anfeindungen stellen keine Ausnahme dar?

Ja, Rassismus ist gang und gäbe und absolut präsent. In den letzten drei, vier Wochen hat sich das zwar gelegt, aber davor war das fast jedes Wochenende so.

Für Sie ist das auch kein Problem des Fußballs. Sondern?

Meiner Ansicht nach ist das ein gesellschaftliches Problem. Denn das passiert auch im Privatleben oder auf der Arbeit. Man wird diskriminiert und herabschauend angesehen – als wäre man kein Mensch und etwas Anderes. Es mangelt an Respekt in unserer Gesellschaft.

Hierbei prangern Sie an, dass Sie überhaupt als Ausländer gesehen werden.

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Dafür habe ich in der Tat kein Verständnis. Ich bin 35, bin hier geboren, habe hier die Schule besucht und warum soll ich kein Deutscher sein? Man muss doch keinen deutschen Namen haben, um deutsch zu sein. Für jeden von uns ist das die Heimat. Ich verstehe nicht, warum das nicht angenommen wird.

Dies ist laut Ihnen ein Unterschied zu bekannten Personen mit Migrationshintergrund.

Auf jeden Fall werden Menschen wie Emre Can, Mesut Özil, Jerome Boateng oder andere Spieler, die in der Öffentlichkeit stehen eher angesehen, als Spieler in den unteren Klassen. Auch bei Politikern, die sich für etwas einsetzen, ist das der Fall.

Teilweise können Sie Ausraster auch nachvollziehen. Warum?

Ich bin ein erfahrener Spieler und kann darüber hinweg hören. Aber nicht jeder Charakter ist gleich. Irgendwann kann einem der Kragen platzen, wenn man ständig einen Ellenbogen mit voller Absicht im Gesicht spürt oder beleidigt wird. Was soll die Scheiße?

Im Heimspiel gegen Hochheim hatte einer Ihrer Spieler seine Nerven nicht im Griff – nicht zum ersten Mal. Warum haben Sie sich diesmal für eine Suspendierung ausgesprochen?

Gewalt gehört einfach nicht auf den Sportplatz. Er hatte von uns schon eine zweite Chance bekommen, die jeder verdient hat. Diesmal hat der Verein die Reißleine gezogen, um Ruhe reinzubringen. Dafür hat der Spieler auch Verständnis.

Härtere Maßnahmen würden Sie sich auch einmal vom Verband wünschen ...

Wir haben das schon oft an den Verband herangetragen, aber was passiert denn da? Gerade gegen Wiederholungstäter muss der Verband handeln und andere Strafen ansetzen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich hoffe, dass wir alle respektvoller miteinander umgehen – überall und auch auf dem Sportplatz. Da sind wir doch eigentlich nur, um Fußball zu spielen.

Das Interview führte Nico Brunetti