„Das ist nicht mein erster Tanz“

Sean Simpson (rechts) ist als Trainer Schweizer und Deutscher Meister geworden, dazu WM-Silbermedaillengewinner. Seine Routine soll den Adlern jetzt helfen.Foto: Gerold  Foto: Gerold

Mannheimer Adler gegen Berliner Eisbären: Das ist von den Klubnamen und von der Historie mehr als Play-off-Viertelfinale. Das ist mindestens Halbfinale, wenn nicht sogar...

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MANNHEIM. Mannheimer Adler gegen Berliner Eisbären: Das ist von den Klubnamen und von der Historie mehr als Play-off-Viertelfinale. Das ist mindestens Halbfinale, wenn nicht sogar Finale. Da die Hauptstädter diese Spielzeit aber mit viel Verletzungspech zu kämpfen hatten und eine eher durchwachsene Hauptrunde aufs Eis gebracht haben, treffen die beiden Traditionsklubs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ab Dienstag eben bereits im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft aufeinander. Gespielt wird eine Best-of-Seven-Serie, das bedeutet: Vier Siege benötigt eine Mannschaft zum Weiterkommen.

Adler gegen Eisbären – das sind seit DEL-Gründung auch sechs Deutsche Meisterschaften (Mannheim) gegen deren sieben (Berlin). Die Eisbären holten alle ihre Titel zwischen 2005 und 2013. In den letzten vier Spielzeiten büßte der Hauptstadtklub aber seine Vormachtstellung ein. Seit 2013 mussten die Berliner zwei Mal in den Pre-Play-offs die Segel streichen. Einmal war im Viertelfinale Schluss. Nun hat es die Mannschaft des ehemaligen deutschen Bundestrainers Uwe Krupp durch die Vorqualifikation geschafft.

Mit zwei Siegen gegen die Straubing Tigers lösten die Eisbären das Ticket fürs Viertelfinale, in dem nun die Adler Mannheim der Gegner sind, die sich nach dem zweiten Platz in der Hauptrunde ein paar freie Tage gönnen durften, bevor an diesem Dienstag die heiße Phase der Saison beginnt.

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Was denn davon nun besser sei, ist Sean Simpson natürlich am Montag vor dem Start der Serie gefragt worden. Der 57-Jährige zuckte mit den Schultern. „Man kann es so oder so sehen. Berlin ist seit zwei Spielen im Play-off-Rhythmus. Wir konnten länger regenerieren, müssen jetzt aber erst mal reinfinden“, fasste Simpson zusammen. Kurz und knapp: „Es ist, wie es ist.“ Der Kanadier mag sich mit derlei Fragen ohnehin nicht beschäftigen. Als erfahrener Coach weiß er genau, worauf es jetzt ankommt und an welchen Stellschrauben zu drehen ist. „Es ist nicht mein erster Tanz in den Play-offs“, sagt er.

Simpson ist routiniert genug, die Ruhe zu bewahren. Und da er das Geschäft beherrscht, hat nun auch bei ihm endgültig die Zeit der Geheimniskrämerei begonnen. Wer im ersten Spiel am Dienstag um 19.30 Uhr in der SAP Arena für die Adler im Tor beginnen wird, ließ er ebenso unbeantwortet wie die Zusammensetzung der Reihen. „Es sind alle gesund. Wir kommen und spielen“, so Simpson vor dem Montagtraining.

Der Kader der Adler ist also (beinahe) komplett. Kein Spieler fällt derzeit verletzungsbedingt aus, bis natürlich auf den langzeitverletzten Marcel Goc (Kreuzbandriss). Das bedeutet, dass Simpson die Qual der Wahl hat und Entscheidungen treffen muss, wer zunächst auf der Tribüne Platz nehmen muss. Für den Trainer ist diese Situation komfortabel, er kann auf Müdigkeitserscheinungen reagieren. Nicht oft standen ihm im Laufe der 52 Hauptrundenspiele alle Akteure zur Verfügung. Nun hofft er, dass sich diese Kadertiefe bezahlt macht. Aber auch die Eisbären haben ihre Verletzungsmisere hinter sich gelassen. In den letzten Hauptrundenspielen und in den Pre-Play-offs wurden die Ostberliner deshalb stärker und stabiler.

Mit dem erst in der dritten Verlängerung sicher gestellten Auswärtserfolg in Straubing – dem sechstlängsten Spiel der DEL-Geschichte überhaupt – zogen die Eisbären Freitagnacht nicht nur ins Viertelfinale ein, sie beendeten auch eine zwölf Spiele andauernde Niederlagenserie auf fremdem Eis. Sieht ganz so aus, als sei der Hauptstadtklub rechtzeitig in Form für die heißeste Phase der Saison.

Adler gegen Eisbären – das ist nicht Zweiter gegen Achter, das ist ein Duell zweier DEL-Schwergewichte. Wie heiß die Fans sind, ließ sich am Sonntag erahnen: Da war die Trainingshalle an der SAP Arena mit rund 400 Zuschauern pickepackevoll. Die Anhänger sangen die komplette Einheit über und stimmten die Profis so auf die bevorstehenden Aufgaben ein. Für das erste Heimspiel am Dienstag gibt es aber noch ausreichend Karten.