Adler-Coach Gross erwartet besseres Corona-Management

Mannheims Ben Smith (vorne) und Kollegen steht die Enttäuschung über das Play-off-Aus ins Gesicht geschrieben. Foto: dpa

Nach dem Ausscheiden im Halbfinale lässt Mannheims Cheftrainer erneut kein gutes Haar an der DEL-Führung und sagt: Ich hoffe, dass die Liga nächste Saison besser vorbereitet ist.

Anzeige

MANNHEIM. Die Corona-Saison 2020/2021 ist für die Adler vorbei. Nach dem 1:2 (1:1, 0:0, 0:1) im entscheidenden dritten Spiel gegen die Grizzlys Wolfsburg steht fest, dass es nach Mannheim im Jahr 2019 einen neuen Titelträger in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) geben wird, der entweder Eisbären Berlin oder eben Grizzlys Wolfsburg heißen wird. 2020 war die Saison wegen der Pandemie nach der Hauptrunde ohne Meisterkür abgebrochen worden.

Die Adler erwischten einen guten Start ins alles entscheidende dritte Match und konnten die Gäste unter Druck setzen. Nicht einmal vier Minuten waren gespielt, als Denis Reul von der blauen Linie zum 1:0 traf. "Im ersten Drittel war Mannheim klar besser, sie waren immer einen Schritt schneller", sagte Wolfsburgs Coach Pat Cortina. Doch Matthias Plachta, Ben Smith und Markus Eisenschmid scheiterten in Überzahl an Dustin Strahlmeier (10.), Björn Krupps abgefälschter Schuss (13.) fand ebenfalls nicht den Weg ins Tor. Auf der anderen Seite war es Spencer Machacek, der dem Puck die entscheidende Richtungsänderung zum 1:1 (14.) gab.

Im zweiten Drittel machten beide Mannschaften die eigene Abwehrzone dicht. Trotz insgesamt fünf Überzahlsituationen im Mittelabschnitt brachten die Teams nur 13 Schüsse auf die beiden Goalies. Im Schlussabschnitt zogen die Teams das Tempo wieder an: Mark Katic verpasste per Rückhand (44.), Reuls gefährlicher Schuss blieb an der Stockhand des Torhüters hängen. Mehr Glück hatte Max Görtz, der die Scheibe in der 57. Minute vor das Mannheimer Gehäuse spielte, von Reuls Schlittschuh rutschte sie über die Linie. "Im zweiten Drittel haben wir uns das Momentum zurückgeholt und im dritten haben wir uns belohnt", war Trainer Cortina froh über den späten Lucky Punch seiner Wolfsburger.

"Es war ein verrücktes und anstrengendes Jahr, mental und körperlich. Dass es so zu Ende geht, ist natürlich extrem bitter, aber wir müssen es einfach akzeptieren. So kurz nach dem Spiel ist es schwer, die Gründe klar zu nennen. Mit nur einem eigenen Tor ist es schwer, ein Spiel zu gewinnen", sagte Mannheims Matthias Plachta enttäuscht.

Anzeige

Adler-Goalie Dennis Endras fügte an: "Wir haben viel in diese Saison investiert, wollten am Ende ganz oben stehen. Aber wir haben einfach keinen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen."

Derweil machte Mannheims Trainer Pavel Gross erneut seinem Unmut über die Liga Luft. Das Ausscheiden habe auch mit dem seiner Meinung nach unzureichenden Corona-Management der DEL zu tun. "Durch die Unfähigkeit der DEL - als einziger Liga auf der ganzen Welt über alle Sportarten - wurde die Saison immer wieder verschoben und verschoben", schimpfte Gross und lobte seine Mannschaft. "Die Jungs haben geackert. Ein Jahr lang ohne Pause. Das geht nicht."

Zum Hintergrund erläuterte Gross, dass sich sein Team bereits am 1. Mai 2020 getroffen habe, um sich auf die Saison vorzubereiten, die ursprünglich Mitte September 2020 hätte starten sollen. "Leider haben wir nicht gewusst, ob wir spielen oder nicht", sagte Gross. "Heute kann ich auch sagen, dass wir schlauer hätten sein können und drei Monate Pause machen können wie die anderen das gemacht haben."

Der Saisonstart war zweimal verschoben worden, ehe es eine Woche vor Weihnachten doch los ging. Zuvor hatten die meisten DEL-Spieler auf einen erheblichen Teil ihres Gehalts verzichtet. "Die Jungs haben einfach alles gegeben. Die waren ein Jahr unterwegs. Und darauf können wir stolz sein. Ich bin stolz auf die Jungs. Das war keine einfache Zeit", sagte Gross, der mit seinem Team der größte Meisterschaftsfavorit gewesen war.

Der 52 Jahre alte Gross verwies auf die große mentale Belastung der Spieler, "sich an alle Regeln zu halten" und lobte die Adler-Organisation für ihr Corona-Management: "Wir haben eigentlich einen unglaublichen Job gemacht. Wir haben nicht einen positiven Fall gehabt. Das ist eigentlich unglaublich."

Anzeige

Gross appellierte zudem an die Liga, anders als im Vorjahr frühzeitig alternative Pläne für die kommende Saison zu machen: "Wir sollten nicht so naiv sein zu denken, dass wir vielleicht am 18. September wieder spielen und Corona dann vorbei ist. Ich hoffe, dass die Liga dann einfach vorbereitet ist. Wenn die denken, wir werden dann hier die Halle voll haben oder 50 Prozent haben, dann ist das ja ein Irrtum. Ich hoffe, dass die schon einen Plan haben."

Derweil haben die Löwen Frankfurt in der DEL2 das entscheidende fünfte Viertelfinal-Spiel gegen die Bietigheim Steelers nach 2:0-Führung mit 2:4 verloren und sind ausgeschieden.