Basketballer des TuS Saulheim profitieren von Teamgeist

Korbleger: Saulheims David Ambach (weiß) und seine Teamkollegen der U18 sind die Voraussetzung dafür, dass die erste Mannschaft des TuS weiterhin in der Bezirksliga spielen darf. Foto: BilderKartell/Axel Schmitz

Um auch in Zukunft die Basketball-Abteilung aufrechterhalten zu können, müssen die Verantwortlichen des TuS Saulheim kämpfen. Auch die Suche nach Nachwuchs spielt eine...

Anzeige

SAULHEIM. Randsportarten haben es in Deutschland nicht leicht. Fußball hat die anderen Sportarten wie Handball, Hockey, Volleyball und Tennis längst abgehängt. Zu den Sportarten, die immer mehr hinterherhinken, zählt der Basketball. Das größte Problem: Das Sportangebot wird heute immer umfassender, aber auch das Technik-Angebot. „Leider“, findet Paul Gettel, Abteilungsleiter Basketball beim TuS Saulheim. „Da muss man die jungen Leute erst einmal dazu bekommen, das Handy für ein paar Stunden in der Woche aus der Hand zu legen und regelmäßig zu Training und Spiel zu kommen.“

U18 sichert der „Ersten“ den Bezirksliga-Startplatz

Beim TuS reicht es derzeit trotz aller Probleme noch für drei Mannschaften. Die „Erste“ spielt in der Bezirksliga gegen den Abstieg, belegt, ebenso wie die Reserve in der B-Klasse, den vorletzten Tabellenplatz. „Für Klassenverbleib müssen wir noch das eine oder andere Spiel gewinnen, denn zwei Vereine steigen ab“, erklärt Gettel. Doch die Saulheimer haben noch ein ganz anderes Problem, dürfen sie doch nur in der Bezirksliga bleiben, wenn sie weiterhin mindestens eine Jugendmannschaft stellen. Mit der U18 existiert derzeit eben diese eine Nachwuchsmannschaft, die es braucht, um die ersten Herren in der Liga zu halten. „Deswegen müssen wir in Sachen Nachwuchs nun anfangen, mehr Zeit zu investieren“, betont Gettel, dass man beispielsweise an den Ferienspielen teilnehmen oder den Kontakt zu den umliegenden Schulen nutzen wolle, um an junge Basketballer heranzukommen.

Doch auch das ist nicht so einfach, wie es klingt, ist in Nieder-Olm mit der DJK doch ein lokaler Riese gewachsen, was die in den USA so beliebte Sportart angeht. „Dort ist die Basis einfach breiter, weil sie vor allem durch die weiterführenden Schulen einen Riesenvorteil haben. So eine fehlt uns in Saulheim extrem“, seufzt Gettel. „Alleine schon wegen den Hallen.“ Und Halle ist ein gutes Stichwort, denn auch hier musste der TuS zuletzt improvisieren, denn die Linien in der Grundschulhalle am Kapellenberg sind nicht mehr zeitgemäß. „Da orientieren sich die Vorgaben des DBB (Anm. d. Red.: Deutscher Basketball Bund) immer mehr an den amerikanischen Standards. Sie sollen aber im neuen Jahr gemacht werden“, verrät der TuSler, dass die Herren derzeit nur mit einer Ausnahmegenehmigung dort spielen dürfen. Aus Mangel an Alternativen, denn einzige Option wäre die Halle am Westring, die aber nicht immer zur Verfügung steht, habe der Verband den Saulheimern zwei Spiele mit den falschen Linien zugestanden.

Anzeige

Trainiert wird dagegen immer im Wechsel, montags am Kapellenberg und freitags in der Halle am Westring. Auch die Jugendspieler sollen bei den Herren reinschnuppern. „So können wir sie besser in den Seniorenbereich integrieren und sie erste Erfahrungen sammeln“, erklärt Paul Gettel. Da die meisten der U18 Spieler bald aber sowieso in den Herrenbereich rauskommen, läuft die Nachwuchssuche zwar auf Hochtouren, ist aber eine große Herausforderung. „Gerade bei jungen Basketballern“, meint der Abteilungsleiter. Das Sportarten-Angebot sei so groß und viele Kinder bereits in anderen Sportarten unterwegs, bevor in der Schule zum ersten Kontakt zum Basketball kommt. „Oft bleibt da nur die Hoffnung, dass der Unterricht Interesse weckt und die Kinder es sich mal im Verein anschauen wollen“, erklärt der Saulheimer, der seit über 30 Jahren bei den Basketballern des TuS mitwirkt. „In so einem Verein hängt es immer an einzelnen Personen. Es kann sich sehr viel verändern, weil Beruf und Familie natürlich vorgehen und einen auch schnell woanders hinziehen können“, habe es in der Vergangenheit auch immer wieder vielversprechende Spieler weggezogen.

„Aber wir haben nach wie vor Perspektive“, macht Gettel klar. „Wir werden weiterarbeiten, aber nur allein mit Saulheimern ist das nicht mehr zur bewerkstelligen.“ Vielmehr setzte man auf den Wohlfühlfaktor und die Gemeinschaft, auf die man beim TuS besonders stolz sei. „Freitags nach dem Training setzen wir uns immer noch im Vereinsheim zusammen. Jung und alt“, hebt der Abteilungsleiter hervor. Rund 40 aktive Basketballer zähle die Abteilung derzeit. Verstärkung ist äußerst willkommen. „Am besten ist es natürlich, wenn Spieler jeweils zwei, drei Freunde oder Studien- und Arbeitskollegen mitbringen, die sich das Ganze mal ansehen und dann vielleicht Gefallen daran finden“, sagt Gettel.

Michael Winkler kehrt nach Saulheim zurück

Für Trainer Mohamed El Hassnaoui sei es nicht einfach, den Abgang von Leistungsträgern zu kompensieren, aber „dann müssen andere mehr Verantwortung übernehmen“. Eine wichtige Rolle könnte da Rückkehrer Michael Winkler spielen. „Er hat die Jugend beim TuS durchlaufen und kehrt nun zurück“, freut sich Gettel auf einen typischen Neuzugang. Denn Winkler hat bereits Familie, wohnt in Eltville. „Das kostet eine Menge Kraft und Zeit. Da ist es oft eine große Überwindung, sich nach der Arbeit nochmal aufzuraffen und in die Halle zu schleppen“, macht Gettel das Dilemma vieler Hobbysportler klar. Daher sei es wichtig, weiterhin auf die Jugend zu setzen. „Die Zeiten, in denen wir im Training nur Zwei-gegen-Zwei oder Drei-gegen-Drei spielen konnten, weil nicht mehr da waren, haben wir alle mitgemacht“, betont der Saulheimer. So kommt es auch im Jahr 2018 immer wieder vor, dass „Erste“ und „Zweite“ das Training zusammenlegen. „Es braucht einfach den Willen, sich nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht sofort auf die Couch zu legen“, erklärt Gettel.

Dazu bietet die Winterpause nun aber doch etwas Gelegenheit. Danach beginnt dann die Vorbereitung, „in der man dann wieder bereit sein muss, sich zu quälen“, schaut Gettel voraus.