Winterurlaub in der Schweizer Wintersportregion Jungfrau

Skifahren auf der Kleinen Scheidegg vor imposanter  Bergwelt mit Eiger, Mönch und Jungfrau. Foto: swiss-image.ch/  Christof Sonderegger

Autofreie Dörfer und Hotellegenden: Die Schweizer Wintersportregion Jungfrau bietet nicht nur Schneeabenteuer. Skifahrer können aber jeden Tag eine andere Piste ausprobieren.

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. Kurz hinter der Bundeshauptstadt tauchen die Berge gleich einer Fata Morgana am Horizont auf. Die Berner Alpen setzen sich in Szene: Bläulich schimmernde Gletscher, silbrig glänzende Felsschründe, vor allem aber viel jungfräuliches Weiß. Kein Wunder, dass der höchste Gipfel sich Jungfrau nennt.

Skifahren auf der Kleinen Scheidegg vor imposanter  Bergwelt mit Eiger, Mönch und Jungfrau. Foto: swiss-image.ch/  Christof Sonderegger
Sehr beliebt sind klassische Wintervergnügen, wie das Rodeln. Foto: Stephan Schacher/ Switzerland Tourism

Interlaken im Berner Oberland war schon in der Pionierzeit des Tourismus ein Sehnsuchtsziel. „Das Gebiet zwischen dem Thuner- und Brienzersee ist nämlich das Allerherrlichste in diesem unbegreiflich schönen Land“, protokollierte Mendelssohn-Bartholdy stellvertretend die Begeisterung der frühen Reisenden. Heute ist der Ort Ausgangspunkt zu den Attraktionen der Jungfrauregion. Doch die sagenhafte Jungfrau ist nicht allein, sondern von zwei Kavalieren flankiert: dem mächtigen Mönch und dem Eiger, der die Würde eines Viertausenders knapp verfehlt, sich dafür aber an den Alpinisten mit seiner berüchtigten Nordwand rächt. Das mächtige Gipfel-Trio und die es umgebende Landschaft wurden von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt.

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„In der Schweiz ist übrigens alles schöner und besser“, wusste schon Adolf Muschg. Leider ist auch vieles teurer als anderswo, weshalb es gute Gründe geben muss, dem Land die Treue zu halten. Die imposante Bergwelt des Berner Oberlandes ist einer davon. Autofreie Dörfer wie Mürren und Wengen bestechen ebenso als Argument wie historische Hotellegenden mit dem Charme von einst. Vor allem aber wird sportlich allerhand in der Jungfrauregion geboten.

Legendäre Abfahrten wie etwa die am Lauberhorn oberhalb von Wengen oder die Inferno-Strecke hinunter vom Schilthorn gehören dazu. Mehr als 200 Pistenkilometer aller Schwierigkeitsgrade bieten genug Spielraum, um sich dem weißen Rausch hinzugeben.

Mit Bahnen und Bussen kann man, etwa von Interlaken aus, täglich neue Abfahrten entdecken. Mal geht es nach Grindelwald und von dort über das Schreckfeld bis hinauf aufs Oberjoch. Dann wieder spurt man in Wengen mit dem Zug bis zum Eigergletscher oder per Luftseilbahn zum Männlichen. Mürren, auf der anderen Bergflanke über dem Lauterbrunnental gelegen, lädt zum Höhenrausch auf das Schilthorn ein. Der Gipfel ist auch als „Piz Gloria“ bekannt, seit er unter dieser Bezeichnung den Drehort für den Bond-Streifen „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ gab.

Wengen liegt an zentraler Stelle in dieser weißen Arena. Von hier aus geht es mit der Bahn hinauf zur Kleinen Scheidegg, dem Kulminationspunkt des Jungfrau-Skizirkus. Doch gut präparierte Pisten allein genügen schon lange nicht mehr. Die Boarder brauchen „Snowparks“ mit Halfpipes, Kickers, Rails und Boxen. Die Fraktion der Freerider will ihre Spuren durch Tiefschneehänge ziehen. Aber es gibt ja nicht nur die jungen Wilden.

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Vor allem Familien wollen das Abenteuer Schnee in all seinen Facetten erleben. Sehr beliebt sind klassische Vergnügen wie Rodeln, das die Schweizer „Schlitteln“ nennen. Mit der nostalgischen Wengeralpbahn geht es hinauf zur Station Alpiglen. Hier startet der „Eiger-Run“, ein acht Kilometer rasendes Vergnügen auf Kufen hinunter nach Grindelwald.

Wer Blut geleckt hat, schnappt sich am andern Tag noch einmal den guten alten „Davoser“ und entert die Firstbahn ab Grindelwald. Vor dem ultimativen Schlittelvergnügen steht hier allerdings ein langer Aufstieg von gut zwei Stunden bis zum Start knapp unterhalb des Faulhorns. Was nun folgt, ist die als „Big Pintenfritz“ längste Rodelpiste Europas: 15 Kilometer mit im oberen Verlauf steilen Serpentinen. Hermann Hesse, einer der Rodelpioniere vor Ort, stürzte sich hier „lachend steil und tief hinunter ins verschneite Land“. Doch gemach! Wer ohne Pause runterdonnert, wird erstens vor Muskelkater am nächsten Tag kaum noch aus dem Bett kommen und kann zweitens das grandiose Panorama nicht genießen.

Wem die rasante Abfahrt auf dem traditionellen Holzschlitten auf die Dauer zu langweilig wird, der kann zur Abwechslung einen „Velogemel“ testen. Das bereits 1912 von einem Grindelwalder Schreiner erfundene Gerät, ein fahrradähnliches Gebilde mit Kufen statt Reifen, erlebt neuerdings eine fulminante Renaissance.

Wer sich bei solch ungewohnten Aktivitäten den Fuß verknackst hat, muss noch lange nicht auf Höhenrausch verzichten. „Top of Europe“ nennen die in Anglizismen offensichtlich verliebten Oberländer die Station auf dem 3454 Meter hohen Jungfraujoch, dem höchsten Punkt übrigens, den man in der Schweiz per Bahn erreichen kann.

Allerdings ist der Preis für die bequeme Eroberung der Jungfrau happig. 135 Franken (circa 125 Euro) kostet das verbilligte „Good Morning Ticket“ mit früher Abfahrt. Was aber in jedem Fall eine gute Option ist, denn später am Tag drängen sich Touristen aus aller Welt am Joch. Fast eine Million Besucher buchen jährlich diese teuerste U-Bahn-Fahrt der Welt, denn weite Teile der Trasse verlaufen im Fels.

Lohnt sich das denn? Ja, wenn man einen Schönwettertag erwischt. Das Panorama ist atemberaubend, nicht nur wegen der dünnen Luft. Die Jungfrau trägt ein „Brautkleid“ aus Eis und Schnee. Der Aletschgletscher liegt wie eine weiße Schleppe hinter der Schönen drapiert. Die Berggiganten rundum sind aufgestellt wie Kavaliere, die zum Tanz auffordern, auf gleißend hellem Parkett unter enzianblauer Himmelskuppel. Da schmelzen sogar abgebrühte Boarder dahin.

Von Claudia Diemar