Kranichzug im Müritz Nationalpark

Kraniche brüten im Müritz Nationalpark. Foto: Thomas Hardt/Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern

Ende Februar kommen die majestätischen Vögel zum Brüten an die Müritz – eine Attraktion, die auch Touristen beobachten können. Ein Besuch in der Mecklenburgischen Seenplatte.

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. Himmlische Ruhe. Nein, doch nicht ganz: In der Ferne hört man das Röhren der Hirsche, ein Raubvogel kreischt und das Schilf am Ufer rauscht sachte. Aber dann legt sich die Dämmerung über den idyllisch gelegenen See. Und es ist wirklich still: himmlische Ruhe.

Kraniche brüten im Müritz Nationalpark. Foto: Thomas Hardt/Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern
Nationalpark-Ranger Uwe Lemke kennt sich mit Kranichen aus. Foto: Beke Heeren-Pradt

Kein Vergleich zum Verkehr auf den Autobahnen und dem Lärm der Großstadtbahnhöfe, die der Reisende hinter sich gelassen hat, ehe er an diesen friedlichen Ort gelangt. Knapp zwei Zugstunden nördlich von Berlin befindet sich der Rederangsee im Müritz-Nationalpark. Das Nationalpark-Informationszentrum in Federow ist einer von zwei Anlaufpunkten für die zahlreichen Besucher der seit 1990 geschützten Naturlandschaft. Das Auto muss im acht Kilometer entfernten Waren stehen bleiben, will man den Nationalpark mit seinen Kiefern- und Eichenwäldern, den Wiesen und Seen besuchen. Dominiert wird er von der Müritz, dem größten innerdeutschen Binnensee. „Das kleine Meer“ – so kann der Name Müritz aus dem Slawischen übersetzt werden – hat dem Nationalpark den Namen gegeben. Mitten in der Mecklenburgischen Seenplatte gelegen, lassen sich in der unberührten Landschaft Seeadler und Eisvögel entdecken. Hier geben sich Hirsche, Biber und sogar Bären ein Stelldichein, Kormorane haben in großer Zahl ihre Heimat und im frühen Frühjahr und im Herbst finden sich Tausende von Kranichen auf ihrem Weg nach und von Skandinavien ein.

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Die Wanderung an den Rederangsee hat vor allem ein Ziel: Kraniche beobachten. Immer wieder wird die Stille vom typischen „Trompeten“ der Vögel unterbrochen. In keilförmigen Formationen ziehen sie über den Abendhimmel, bevor sie mit dem Sinkflug beginnen. Runde für Runde schrauben sie sich herunter und landen im seichten Wasser des Ufers, um einen Platz für die Nacht zu suchen. Sie schlafen im Wasser und fliegen tagsüber zum Fressen auf die umliegenden Äcker.

„Kraniche sind Allesfresser“, sagt Nationalpark-Ranger Uwe Lemke. Deshalb sind sie bei den Bauern nur eingeschränkt beliebt, weil sie sich gerne über die Aussaat hermachen. Nicht wenige der majestätischen Vögel kommen schon Ende Februar zum Brüten an die Müritz. Im Herbst machen sie hier Station auf dem Weg in den Süden.

Seit den 80er-Jahren gab es einen starken Zuwachs an Kranichen in der Region, was in den letzten Jahren, vor allem im Herbst, zur Attraktion wurde. Wanderungen zum Thema werden angeboten. Und das passt sehr gut in das immer beliebter werdende Konzept des sogenannten „slow travel“: Sich eine Gegend fußläufig und entsprechend langsam zu erschließen, lässt auch Raum für Achtsamkeit. Stephan Kinkele ist ein Guide, der diese Art des langsamen Reisens gerne begleitet und seine Gäste anleitet, die Natur auf sich wirken zu lassen. „Wir laufen bei einer Achtsamkeitswanderung auch schweigend durch die Natur“, erzählt er, „das eröffnet ganz neue Räume.“

Unsere Gruppe probiert das am Malchiner See aus, der gut 20 Kilometer nördlich von Waren in der Mecklenburgischen Schweiz liegt. Die Landschaft wurde von der letzten Eiszeit vor etwa 150 000 Jahren geprägt: Gletscher transportierten Gesteinsmaterial aus Skandinavien und formten damit eine Hügellandschaft, an deren Rand sich die zahlreichen Gewässer der Seenplatte bildeten.

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Die Mecklenburgische Schweiz ist geprägt von zahlreichen Gutshäusern, Landsitzen und Schlössern aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die zu einem großen Teil restauriert und zu Hotels und Restaurants umgebaut wurden. Wanderungen oder Radtouren von Schloss zu Schloss bieten sich für den Liebhaber edler Unterkünfte und exquisiter Küche an. Ein Beispiel ist Schloss Schorssow am Malchiner See, das versteckt hinter Bäumen direkt am See liegt.

Im Naturpark Nossentiner-/Schwinzer Heide westlich von Waren gibt es seit wenigen Jahren eine besondere Einrichtung: den Fledermaus-Lehrpfad bei Bossow. Ein ehemaliges Munitionsdepot der Volkspolizei, wurde Heimat unzähliger Fledermäuse. Ein Förderverein stattete die verlassenen Bunker so aus, dass sie dauerhafte Quartiere für sechs verschiedene Fledermausarten wurden. Der 1,3 Kilometer lange Lehrpfad ist ein spannender Ausflug für Schulklassen. Aber auch einzelne Reisende erhalten Führungen und Erläuterungen über diese Tierart, die zu Unrecht einen zweifelhaften Ruf besitzt. Das findet jedenfalls Ralf Koch, Leiter des Naturparks und Fan der Fledermäuse. Für seine Gäste holt er auch schon mal ein tagsüber schlafendes Exemplar aus einem der Nist- und Schlafkästen, die in großer Zahl in den Bäumen hängen. Fünf Gramm leicht ist die Mückenfledermaus. Sie hat eine Spannweite von 17 Zentimetern und frisst in einer Nacht rund 1000 Mücken, erfahren Ralf Kochs Zuhörer. „Fledermäuse sehen mit den Ohren“, erzählt er von der Fortbewegung der Tiere. Mit einem so genannten „Batcorder“ kann er die Ultraschallrufe, mit denen sich die nachtaktiven Tiere orientieren, für Menschen hörbar machen.

Koch weist auch auf die nächste Attraktion des Naturparks auf dem Gelände: Ein Sternenpark mit Beobachtungsturm soll eingerichtet werden – mit Liegen, auf denen bequem in den Himmel geschaut werden kann. Denn die Ranger haben festgestellt, dass es im Wald bei Bossow sehr dunkel ist und daher hier ein unglaublich klarer Sternenhimmel beobachtet werden kann. Auch das ist ein Naturschauspiel, zu dem es nicht viel braucht außer himmlischer Ruhe – und himmlisches Licht.